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Stille Nacht, unheilige Nacht

Summary:

Günther Rathenau, 56, Nichtraucher, aber Stammkunde in der Dorfkneipe, die außer Bier und Leitungswasser nichts mehr ausschenkt. Den Selbstgebrannten gibt’s nur für Stammgäste. Nun liegt er still und entstellt auf dem kalten Metall. Leo muss ihm nicht allzu nahe kommen, um es zu spüren: Schneekälte, Tannennadeln, frisches Blut. Namenloses Entsetzen. Ein blumiges Parfum, das seine Schwester gerne verwendet. Und…etwas Altes, etwas Uraltes und Mächtiges, dessen schiere Präsenz an diesem toten Körper ihn einen Schritt zurückstolpern lässt.

 

Eine seltsame Mordserie führt einen jungen Polizisten in ein verschneites Dorf, in dem nichts so ist, wie es scheint. Schon gar nicht der Priester.

Notes:

"Ich liebe ja die Verknüpfung aus Bibel und Fandom bzw. alles, was mit Bibelverschwörungen und dem Übernatürlichen zu tun hat." - Ophelia, 2023

Liebe Ophelia,

der Satz ist keine paar Tage alt und tatsächlich jünger als diese Fic - und war nach drei Wochen fieberhaften Schreibens das, was die Vorfreude darauf, dir das hier endlich schenken zu können, ins Unermessliche gesteigert hat!
Ich hoffe, du hast ebensoviel Spaß beim Lesen, wie ich ihn beim Schreiben hatte, und wünsche dir ein wunderbares Weihnachtsfest und entspannte Tage zwischen den Jahren ❄🎄❤️

Vielen Dank an Ligeia und Bonnie fürs Mitspinnen und Gegenlesen und den Hinweis, dass der Himmel bei Schneefall nicht sternenklar sein kann. Ihr beiden Geheimniskrämerinnen, ihr! :D <3

Ein frohes Fest euch allen, die ihr feiert, und wenn nicht, wünsche ich euch dennoch ein paar ruhige, entspannte Tage, die langsam wieder länger und heller werden. 💚

(See the end of the work for more notes.)

Work Text:

Die Ärmel seines Gewandes rascheln, als er das Kreuz über dem Leichnam schlägt, dem der linke Arm bis zur Schulter fehlt und noch ein bisschen weiter. Unter dem Leintuch sind weitere Wunden verborgen, tiefe Risse im Bauch und an den Beinen, und ein solcher zieht sich schräg über das Gesicht und durch eine Augenhöhle.

“Der Herr sei seiner armen Seele gnädig.”

Unbeeindruckt wendet Dr. Wenzel, Bestatterin, Tierärztin und Hebamme in einem, sich ab. “Der zweite schon. Finden Sie nicht, dass es allmählich Zeit wird, die Polizei zu informieren?”

“Ein Wolf, sagten Sie, Dr. Wenzel?”

“Ein ziemlich unnatürlich großer Wolf.”

“Hm. Wie geht es eigentlich Ihrem Untermieter?”

Ihr Blick hinter den runden Brillengläsern wird bitterböse. Er nickt ihr zu und verlässt den Kühlraum. 

 

Die Polizei informiert sich selbst. Und schlägt am nächsten Tag im Ort auf, in Form eines jungen, sehr gut gebauten BKA-Beamten mit unglaublich definierten Schultern und einem Gesicht wie der heilige Sebastian - gleichermaßen schön in Leid und Lust. Letzteres muss noch überprüft werden, aber die Ermittlungen können sich natürlich etwas ziehen.

“Natürlich”, sagt er raubtierhaft sanft. “Wissen Sie schon, wo Sie unterkommen? Der Gasthof hat vor zwei Jahren aufgegeben, aber Dr. Wenzel hat für gewöhnlich ein Zimmer frei. Falls nicht, kommen Sie gerne noch einmal auf mich zu. Die Kirche gewährt selbstverständlich jedem Asyl und ich habe ein sehr bequemes Bett…Gästebett.”

KHK Hölzer bedankt sich höflich und spaziert die Straße hoch zu Dr. Wenzel, den Blick aufmerksam auf die heruntergekommenen Häuser und überwucherten Vorgärten gerichtet. An der Ecke blinkt das Schild des winzigen Supermarktes unregelmäßig. Günther wollte die LEDs noch austauschen. Nun liegt er in der Kühlkammer, das eigene Licht ausgeblasen. 

 


 

“Ein Wolf?” Leo runzelt die Stirn, während er die Fotos auf Dr. Wenzels Küchentisch mustert. Ein besseres Büro können sie ihm hier nicht bieten, auch wenn der Priester ihm angeboten hat, den Altar zu entweihen. Mit Autopsiefotos, natürlich. Leo schiebt unpassende Gedanken an das strenge, arrogante Gesicht über dem steifen Kragen (und den hochgewachsenen, athletischen Körper unter dem Kragen) beiseite und sieht zu Dr. Wenzel auf. Seine Gastgeberin presst missbilligend die Lippen aufeinander. Die Missbilligung richtet sich nicht gegen ihn, da ist sich Leo sicher, ist er doch heute Morgen zu einer dampfenden Tasse Kaffee und einem frischen Hörnchen auf seinem Nachttisch aufgewacht. 

“Ich würde gerne die Leiche sehen.”

“Der ist drei Tage alt.”

“Bitte, Dr. Wenzel.” Er lächelt, ebenso verbindlich wie unerbittlich. “Es ist unerlässlich für die Ermittlungen. Sie wollen doch ebensowenig, dass noch jemand zu Schaden kommt.”

Günther Rathenau, 56, Nichtraucher, aber Stammkunde in der Dorfkneipe, die außer Bier und Leitungswasser nichts mehr ausschenkt. Den Selbstgebrannten gibt’s nur für Stammgäste. Nun liegt er still und entstellt auf dem kalten Metall. Leo muss ihm nicht allzu nahe kommen, um es zu spüren: Schneekälte, Tannennadeln, frisches Blut. Namenloses Entsetzen. Ein blumiges Parfum, das seine Schwester gerne verwendet. Und…etwas Altes, etwas Uraltes und Mächtiges, dessen schiere Präsenz an diesem toten Körper ihn einen Schritt zurückstolpern lässt. 

“Hatte…hatte er eine Freundin?”

“Günther? Nein. Seine Frau hätte ihm was gehustet.”

(Günthers Frau trägt ein anderes Parfum, das sie Leo widerstrebend unter die Nase hält.) 

“Wo wurde er denn gefunden?”

“Da fragen Sie am besten Karow.”

Leo blinzelt. “Den Priester?”

Dr. Wenzel nickt und packt noch eine Handvoll steriler Kompressen in die Tasche. Zwei Dörfer weiter liegt eine Frau in den Wehen. “Er hat ihn auf der Jagd gefunden.”

“Der Priester jagt?”, entfährt es Leo noch verblüffter. 

“Oh, ja.” Dr. Wenzels Blick gleitet an ihm auf und ab. “Also nehmen Sie sich in Acht.”

 


 

KHK Hölzer ist vorsichtig, sehr vorsichtig, als er zu ihm in den Jeep steigt und sich zum Fundort fahren lässt. Auf der Hut, wo er selbst auf der Pirsch ist. Der hübsche Polizist nimmt seine Arbeit sehr ernst, macht Fotos und Notizen in seinem kleinen schwarzen Büchlein, und dann - 

Dann geht er auf die Knie, und als ließe das seinen Mund noch nicht trocken genug werden, legt er die Hand auf die Stelle, an der Günthers Blut in den Boden gesickert ist, und schließt die Augen und schaudert, und Karow weiß, dass er am Arsch ist. An einem sehr wohlgeformten Arsch, aber nichtsdestotrotz am Arsch. 

“Sie sind nicht bei der Kripo, ne?”

Hölzer schüttelt beflissen den Kopf. “KDA.”

“Bitte?”

“Abteilung für komplexe und diffuse Angelegenheiten.”

Verdammt. 

“Ich werde morgen ein Stück weiter den Wald erkunden”, verkündet der junge Kommissar mit der Lizenz zum Zaubern. 

“Tun Sie das nicht.”

“Ich muss hier einen Mordfall aufklären, Hochwürden.”

“Natürlich.” Karow parkt den Jeep neben der Kirche und seine Hand auf Hölzers Knie. “Aber der Wald ist wirklich ein gefährlicher Ort, wenn man sich dort nicht auskennt.”

“Sie kennen sich aus.”

“Das tue ich.”

“Kommen Sie mit.”

“Nein.”

“Herr Pfarrer -”

“Vater Karow”, unterbricht Karow ihn, einfach nur um zu sehen, was es auslöst. Niemand hier nennt ihn Vater , schon lange nicht mehr, noch nicht einmal die sechsundneunzigjährige Frau Kessler, die den Schnaps für die Kneipe brennt.

“Vater Karow”, wiederholt Leo Hölzer mit sanftem Flehen in seiner Stimme. “Sie würden mir wirklich sehr helfen.”

Karow zieht einen Mundwinkel hoch. “Kommen Sie doch noch auf einen Tee mit herein. Dann schaue ich, was ich für Sie tun kann.”

 

Es ist vermutlich nicht die sachdienliche Hilfe, die der junge Kommissar sich erhofft hat, aber er beschwert sich jedenfalls nicht, als Karow ihn gegen die Wand drängt, ihn gierig küsst und sich an seinem Gürtel zu schaffen macht. Im Gegenteil, er packt Karow mit einer Hand im Nacken, um seinen Kopf so zu dirigieren, wie er es gern hätte, und zieht ihm mit der anderen das Hemd aus der Hose. Ihre Oberteile landen auf dem Boden und Karow streicht bewundernd und genießerisch mit seinen Händen über Hölzers definierte Brust und die harten Nippel, ehe der Mann ihn mit erstaunlicher Kraft zurückstößt. Karow hört Blätterrauschen, einen metallischen Klang, riecht brennendes Benzin, doch ehe er sich richtig im Klaren darüber ist, was das bedeutet, ist Hölzer wieder bei ihm, drängt ihn noch weiter zurück, bis Karow auf einem seiner Küchenstühle sitzt, und steht dann über ihm wie ein verdammter Stripper, der Oberkörper nackt und glänzend, die Lippen rot und feucht gebissen und geküsst, die Haare unordentlich und eine unübersehbare, fette Beule in der Hose. Karow holt sich ein knappes Nicken als Einverständnis, macht kurzen Prozess mit Gürtel und Reißverschluss und leckt sich die Lippen, als Hölzers harter Schwanz in seiner Hand liegt. 

Er massiert ihn kurz, leckt ein paarmal um die Eichel und lässt die Spitze in seinen Mund gleiten, um sich mit der Größe vertraut zu machen. Dann schluckt er ihn tiefer und der Schwanz in seinem Mund ist das Einzige, was ihn davon abhält, zufrieden zu grinsen, als Hölzer tief und kehlig stöhnt. Karows eigener Schwanz zuckt in seiner Hose, während er den jungen Polizisten bläst, die Wangen aushöhlt und saugt, ihn wieder aus seinem Mund gleiten lässt und nur mit der Zunge reizt. Seine Finger wandern weiter zwischen Hölzers Beine, umschließen seine Eier und reiben über seinen Damm. Mit der freien Hand packt er Hölzers Arschbacke und knetet sie, bis der Kerl endlich beginnt, in seinen Mund zu stoßen, die Hände zu Fäusten geballt und in mühsamer Beherrschung neben seinem Körper gehalten. 

Karow spürt den Schwanz zucken, hört, wie Hölzers Atem plötzlich schnell und unregelmäßig geht, und zieht den Kopf zurück. 

“Fuck!”

Hölzers Verzweiflung bringt Karow zum Lachen. Er packt fester zu, gräbt seine Finger in Hölzers perfekten Arsch, zwingt ihn, sich auf seine Oberschenkel zu setzen, so gut das mit der heruntergelassenen Hose geht. “Mach auf.”

Hölzer sieht ihn wild an, die Augen dunkel, ehe er zu Karows Hosenstall greift. Die nass gelutschte Spitze seines Schwanzes reibt dabei immer wieder gegen Karows Bauch, bis er Karow endlich aus seiner Hose geholt hat. Karow stöhnt zufrieden auf, dann zieht er ihn noch ein Stück näher und umgreift mit einer Hand ihre beiden Schwänze, reibt und massiert sie, presst seinen Mund auf Hölzers und lutscht an dessen Zunge, küsst und saugt keuchend Hals und Schulter entlang, während der junge Polizist sich auf seinem Schoß windet und wimmert, verteilt mit den Fingern ihre ersten Tropfen auf ihren harten Schwänzen und beißt fest in Hölzers Halsbeuge, um einen Schrei zu unterdrücken, als er kommt. 

Hölzer hat es ebenfalls mitgerissen. Für einen Moment verharren sie keuchend in dieser Position, ihre schlaffer werdenden Schwänze noch immer von Karows Hand umschlossen. 

“Geh nicht in den Wald.”

Hölzer lehnt sich zurück. Seine Brust hebt und senkt sich noch immer heftig, doch er hat die Augen verengt. “Ernsthaft?”

“Es ist gefährlich.”

“Ich weiß, was ich tue. Und es ist mein Job.”

Über so viel Starrsinn kann Karow nur die Augen verdrehen. Es wird wirklich schade um dieses hübsche Gesicht und diesen Körper sein, denkt er. Nun ja, vielleicht kann er ihm wenigstens noch seinen Segen mitgeben. Mit dem Daumen sammelt er etwas Sperma von seinem Schwanz, hebt die Hand und zieht flink ein kleines Kreuz auf der gerunzelten Stirn. 

Hölzer zuckt vor seinem Daumen zurück und rutscht von seinem Schoß, starrt ihn an, als sei ihm jetzt erst aufgegangen, mit wem er es gerade getrieben hat. Karow verdreht die Augen und steht auf. Er hat wirklich keine Geduld für Typen, die hinterher wieder zu Chorknaben werden. 

“Mach das Licht im Flur aus, wenn du gehst.”

 


 

Hinter Dr. Wenzels Fenstern ist es schon dunkel, als Leo die Hintertür aufschließt. So leise wie möglich steigt er die knarzenden Treppenstufen zu der Dachkammer hinauf, die sie ihm angeboten hat. Er würde gerne duschen, sich den verdammten Pfarrer vom Körper waschen, aber das würde seine Gastgeberin sicher aufwecken. Also begnügt er sich mit einer Katzenwäsche, schrubbt länger als notwendig über seine Stirn und flucht leise, als er einen roten Fleck in seiner Halsbeuge entdeckt. 

Zu seinem Erstaunen ist das Bett kuschelig warm, als er die Decke zurückschlägt, als hätte er eine Wärmflasche hineingelegt.

Hat er aber nicht. Ebensowenig, wie er die Nachttischlampe angeschaltet hat. Oder?

Stirnrunzelnd sieht er sich im Zimmer um. Doch in den schattigen Ecken unter den niedrigen Balken versteckt sich kein Wichtel oder dergleichen und kein Geräusch ist zu hören, außer der gluckernden Heizung und dem Graupel, der gegen die Fensterscheibe prasselt. 

Leo zuckt mit den Schultern. Wahrscheinlich hat er einfach vergessen, dass er die Lampe angemacht hat. Und selbst wenn nicht, ist das ein Problem, um das er sich kümmern kann, wenn er mit seinen Ermittlungen weitergekommen ist. 

Er schlüpft unter die warme Decke, schaltet das Licht aus und ist im Nu eingeschlafen.  

 

“Kommen Sie mit?”

Leo blinzelt verblüfft in das Licht der Lampe im Flur, die Dr. Wenzel soeben angeschaltet hat. Dabei hat er sich solche Mühe gegeben, leise zu sein, wenn er schon des Nachts aus ihrem Haus schleicht. Aber offenbar ist sie nicht nur wach, sondern längst ausgehfertig, es fehlen nur noch Schuhe und Mantel. “Wohin?”

“Zur Mitternachtsmette natürlich.” Sie legt den Kopf schief. “Es ist Heiligabend, mein Lieber.” 

Das ist Leo durchaus bewusst, aber er hätte nicht erwartet, dass seine Gastgeberin mit ihm Weihnachten feiern möchte. Auch wenn er nach gestern Abend gleich zwei gute Gründe hat, nicht in die Kirche zu gehen, wird ihm ein bisschen warm ums Herz. 

“Vielen Dank. Aber ich muss arbeiten.”

“Heute Nacht?”

“Ja, ich vermute, dass der Täter oder die Täterin diese Nacht nutzen wird, um wieder aktiv zu werden.” Dafür hätte er vermutlich nicht einmal den ganzen Tag über seiner digitalen Bibliothek brüten müssen. Es bietet sich an. An Heiligabend ist mehr Energie aktiv, positive wie negative, die Nacht ist ideal für das, was die Toten in der Kühlkammer auf dem Gewissen hat. Sofern es ein Gewissen hat. Leo ist sich da nicht sicher. 

“Ach, schade. Aber dann seien Sie vorsichtig. Sollen wir für Sie beten?”

Leo denkt an den Daumen auf seiner Stirn und schaudert. “Lieber nicht. Ich passe auf, Dr. Wenzel.”

Sie nickt, aber er kann ihren besorgten Blick noch in seinem Rücken spüren, als er längst aus der Tür und die Straße hinunter gegangen ist. 

Irgendwann am frühen Morgen hat es heftig angefangen zu schneien und erst vor ein, zwei Stunden nachgelassen. Auf den Gehwegen ist notdürftig geschippt oder Sand und Schotter gestreut, aber sobald er die in das gelbe Licht der Laternen getauchte Geborgenheit des Dorfes verlässt und sich auf den Waldweg begibt, stapft Leo durch stellenweise fast kniehohen Schnee. Der Himmel ist klar, der Mond fast voll und sobald seine Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt haben, findet Leo den Weg zwischen den Tannen. Er wird den festen Pfad irgendwann verlassen müssen, doch vorerst braucht er kein zusätzliches Licht. 

 


 

Karow hat gerade die Hostien im Tabernakel eingeschlossen, als das Portal der Kirche sich noch einmal öffnet. Er unterdrückt ein Augenrollen. Bis auf das Ewige Licht und die Lichterkette an der Krippe, die die Grundschule aufgestellt hat, ist es in der Kirche schon dunkel. Wer will denn an Heiligabend um diese Zeit…

“Es ist deine Schuld.”

Er tritt in die Mitte des Kirchenschiffs und starrt den an, der da im Portal steht. “Was?”

“Es ist deine Schuld. Es ist mit dir gekommen. Und der Polizist kann nichts ausrichten, weil du es bist, den es will.”
Karow starrt weiter. Blass wie Schnee, fast durchscheinend und durchdrungen von so viel bedingungslos guter Energie, die klingt und klingt und klingt nach Blätterrauschen und Metall und riecht wie brennendes Benzin.

Wie hat er das nicht vorher sehen können?

“Geh ihm nach. Schütze ihn. Das ist das Mindeste, was du tun kannst.”

Das Portal schlägt zu und der Luftzug löscht die Flamme neben dem Tabernakel. 

 


 

Leo hat es längst aufgegeben, sich leise und unauffällig durch den Wald zu bewegen. Er flucht nicht laut, das ist zu gefährlich, aber als er sich unter dem nächsten Ast hindurchduckt und ihm trotzdem Schnee in den Kragen rieselt, entfährt ihm ein unwilliger Laut. 

Im nächsten Moment wünscht er sich, er könnte das Geräusch wieder herunterschlucken. Doch auch das hätte nicht viel geholfen. 

Er steht am unteren Ende einer Lichtung, die aussieht, als sei sie durch einen Hangrutsch entstanden, ganz kahl und steinbedeckt. An den großen Felsen in der Mitte gelehnt, der vollständig schneebefreit ist, steht, perfekt vom Mondlicht in Szene gesetzt, das Wesen. 

Es sieht aus wie jeder andere junge Mann, vielleicht etwas auffälliger gekleidet mit diesem langen roten Mantel, aber es verströmt eine solche Macht, dass Leo keinen Zweifel daran hat, dass das hier kein Mensch ist. Und es sieht ihm geradewegs ins Gesicht und lächelt. “Leo.”

Leo bemüht sich erst gar nicht, seinen Polizeiausweis herauszuholen oder zu fragen, wo das Wesen vor fünf Tagen zwischen neunzehn und dreiundzwanzig Uhr war und ob es dafür Zeugen gibt. Er spürt die Schneekälte, riecht die Tannennadeln und das Blut, das die Risse und Kanten des Felsbrockens dunkel färbt. Und das Uralte, Mächtige stößt sich von ebendiesem Felsen ab und kommt auf ihn zu, bis er auch das Parfüm in der Nase hat. Leo hat die Hand schon erhoben und die Worte auf den Lippen, doch eine Geste des Wesens wischt seinen Schutzzauber mühelos beiseite. 

“Ach Leo, den brauchst du doch nicht.” 

Es legt den Kopf schief und sieht ihn aus schwarz umrandeten Augen neugierig und beinahe liebevoll an. “Wieso hast du Angst vor mir?”

Leo muss sich zweimal räuspern, ehe seine Stimme ihm gehorcht. “Du hast zwei Männer getötet.”

“Ja, das stimmt wohl.” Das Wesen seufzt und fährt sich mit einer Hand - es trägt Nagellack, registriert Leo automatisch - durch die dunklen Locken. “Aber das war nichts Persönliches, weißt du. Ich wollte die Aufmerksamkeit dessen, für den ich hier bin.”

“Und dafür war Mord notwendig?”

“Ich konnte ihn nicht einfach aufsuchen. Um das Dorf liegt ein Bann - jung, aber machtvoll. Und unter der Kirche befindet sich ein alter Altar.” Ein Schaudern, ein Schulterzucken. “Und seine Handynummer habe ich leider nicht.”

Ein hysterisches Kichern steigt in Leo hoch. Er weiß nicht, ob das Zittern in seinem Körper von der Kälte herrührt, von seiner Furcht oder von der Absurdität dieses Gesprächs. Er weiß nicht, wie er diesem Wesen Einhalt gebieten soll, falls es nicht bekommt, was es will. Und was will es überhaupt?

“Was hast du mit ihm vor?”

“Er schuldet mir etwas.” Das Wesen wendet sich ab und geht wieder auf den Felsen zu. Leo folgt ihm unwillkürlich. 

“Was schuldet er dir?”

“Das ist eine Angelegenheit zwischen ihm und mir.” Es dreht sich wieder zu Leo und lächelt scharf. “Sobald ich ihn habe, wird hier niemand mehr durch meine Hand sterben.”

Leo schüttelt unwillkürlich den Kopf. Er kann nicht mit Menschenleben handeln, nicht das Leben einer einzigen Person für die Leben aller Bewohner des Dorfes opfern, das verbietet das Gesetz. “Ich werde ihn dir nicht bringen.”

“Oh, aber das hast du längst.” Eine Hand schmiegt sich an Leos Wange, und er kann sich plötzlich nicht mehr bewegen, kann nicht fliehen, sich nicht wehren. “Er ist dir gefolgt. Du hast ihn zu mir geführt, Leo. Dafür bin ich dir dankbar…und ich werde dich dafür belohnen.”

Leo sieht gelähmt und verzweifelt in das schöne Gesicht, als das Wesen den Kopf noch einmal neigt, als lauschte es in die Ferne.

“Ich verstehe”, murmelt es, mehr zu sich selbst. “Ist ja schon gut.” Das Lächeln wird weich. “Fürchte dich nicht, Leo.” 

Dann legen sich kalte Lippen auf seine und Leo wird schwarz vor Augen. 

 


 

Er ist zu spät. 

Der leblose Körper des jungen Polizisten wirkt winzig in den Armen des Dämons, der ihn in der Verhöhnung einer Pietà am Rand der Lichtung auf einem Bett von Tannenzweigen niederlegt. 

Das Bedauern, das Karow um Hölzers Leben verspürt, wird im nächsten Moment von nackter Angst überspült, als der Dämon sich zu seiner vollen Größe aufrichtet und sich zu ihm umdreht. 

Karow hat vergessen, wie riesig das Vieh ist. Es überragt ihn trotz der abgewinkelten ziegenähnlichen Beine um mindestens eine halbe Mannshöhe, und die zwei glänzenden, gewundenen Hörner, die aus seiner Stirn ragen, tun ihr Übriges. Das zottelige Fell schimmert im Mondlicht dunkelrot wie frisches Blut. Hufe, Krallen und Augen hingegen scheinen das Licht gänzlich zu verschlucken, so schwarz sind sie, und schwarz ist auch das Maul, das sich nun zu einem breiten Grinsen verzieht und zwei Reihen scharfer Zähne entblößt.

“Karow. Endlich.”

“Was hast du mit ihm gemacht?”

“Mit Leo?” Der Dämon blickt über seine Schulter. “Oh, sei unbesorgt. Ihm kann nichts mehr passieren.” 

Karow ballt die Hände zu Fäusten. “Warum?”

“Karow.” Der Dämon legt den Kopf schief, Spott in der Stimme. “Nun tu nicht so, als sei dir an dem Jungen mehr gelegen als an deiner eigenen Haut. Du hast dich schon immer nur um dich selbst gekümmert.”

“Ich bin hier, oder nicht?”

“Aber nicht seinetwegen.” 

“Nee.” Karow zieht die Hand aus der Tasche, richtet den Revolver auf den Dämon und drückt ab. 

Die silberne Kugel prallt an der breiten Brust ab und fällt kraftlos zu Boden. Der Dämon bewegt sich nicht, sieht Karow nur weiter mit schief gelegtem Kopf an. 

Auch die zweite Kugel, auf die Stirn gerichtet, kann nichts ausrichten. 

“Was für eine Verschwendung von Silber”, bemerkt der Dämon, als sie zwischen seinen Hufen liegenbleibt. “Daraus könnte man wunderbaren Schmuck machen. Ringe…Ohrringe vielleicht. Oder Piercings.”

“Du willst Silber?”, knurrt Karow. “Kannst du haben.” Er greift in seine Kragen, zieht das Kruzifix heraus, das bis jetzt schwer auf seiner Brust gelegen hat. 

Exorcizamus te, omnis immunde spiritus, omnis satanica potestas, omnis incursio infernalis adversarii, omnis legio, omnis congregatio et secta diabolica -” 

“- in nomine et virtute Domini Iesu Christi, eradicare et effugare a Dei Ecclesia, ab animabus ad imaginem Dei conditis ac pretioso divini Agnis sanguine redemptis, jaja.” 

Als nähme er Karows Entsetzen nicht wahr, rollt der Dämon mit den Augen und spricht weiter, mit diesem furchtbaren Maul, dem heilige Worte nichts anhaben können. 

“Und bevor du mich als serpens callidissime bezeichnest: Mein Name ist Vincent, wie du sehr wohl weißt. Der Siegende, wenn wir schon bei Latein sind…he!”

Karow hat auf seinen Oberschenkel gezielt, doch die Klinge erreicht noch nicht einmal das Fell, bevor Vin- der Dämon die Klauen der linken Hand krümmt und Karow zurückgestoßen wird, so heftig, dass er fast bis an den Rand der Lichtung zurückstolpert und ihm kurz die Luft wegbleibt. Hustend und keuchend beugt er sich vor, umklammert das Messer mit Fingern, die von der Kälte schon halb steif gefroren sind. Verdammt, was ist das für ein Vieh?

“Tu dir nicht weh.”

Ich will dir wehtun, du Arschloch, denkt er, bevor er wieder auf ihn losgeht, nur um wieder zurückgestoßen zu werden. Diesmal landet er auf seinem Hintern, kann ein schmerzerfülltes Stöhnen nicht unterdrücken. 

“Ich warne dich, Karow.”

“Fick dich.”

Die Kraft, die seinen dritten Angriff abblockt, trifft ihn, als würde er gegen eine Wand rennen. Sie presst den Atem aus seinen Lungen, seine Lippe platzt auf und er fliegt durch die Luft, prallt mit dem Rücken gegen einen Baumstamm. Es knackt hörbar. War das ein Ast oder eine Rippe? Er ist sich nicht sicher, kann kaum denken vor Schmerz, als er am Fuß des Baumes zusammensackt und ein Pferdehuf auf seiner Brust ihn davon abhält, sich noch einmal aufzurappeln. 

“Hast du jetzt genug, ja?”

“Was willst du?”, röchelt er mühsam. “Hat dir niemand beigebracht, nicht mit dem Essen zu spielen? Hol dir doch endlich meine Seele.” 

Dann ist es endlich vorbei, diese vermaledeiten fünfzehn Jahre seit dem Handschlag und dem Kuss an der gottverlassenen Wegkreuzung, diese Jahre, in denen er jede Freiheit hatte, das Glück des Teufels, stets vergiftet durch das Wissen darum, dass es so enden muss. 

“Deine Seele? Was will ich denn mit deiner Seele?”

“Das hast du doch…doch gesagt. Als wir…Du hast gesagt, du wirst meine Seele holen.”

Der Huf verschwindet. Die schwarzen Krallen packen ihn am Mantelaufschlag, ziehen ihn hoch, bis seine Füße ein gutes Stück über dem Boden baumeln. Das Messer gleitet aus seinen kraftlosen Fingern, Blut rinnt sein Kinn herunter, färbt sicher sein Kollar ein. Er spuckt schmerzhaft aus.

“Karow.”

Die dämonische Stimme vibriert mit etwas, das er so noch nie verspürt hat. Es durchfährt ihn wie die kalte, feuchte, uralte Luft, die aus einer Krypta strömt oder aus einer Höhle. 

“Ich bin Vincent. Ich bin älter als dein Kreuz und dein Latein und dein Gott. Ich bin älter als der Stahl deines Messers, ich bin so alt wie das Erz und das Silber, das hier im Boden liegt. Ich glaube nicht an Seelen, so wie du es nie getan hast, auch wenn du diesen Kragen trägst. Ich habe nicht gesagt, dass ich deine Seele holen werde. Ich habe gesagt: Ich werde dich holen.”

Unter den Hufen knirscht der Schnee, als der Dämon…das Wesen, das sich Vincent nennt, auf den Felsen zugeht und Karow beinahe behutsam darauf absetzt. Dennoch schießt der Schmerz scharf durch seinen Rücken, bis die Krallen langsam an seiner Wirbelsäule hinab streichen und ein wohliges, warmes Gefühl hinterlassen. Auch der Stein ist warm, stellt er erstaunt fest, und das Zittern in seinem Körper lässt allmählich nach.

Die Klauen der anderen Hand schmiegen sich warm und glatt an seine Wange und bringen ihn dazu, aufzusehen.

“Du dachtest, ich wollte dich töten”, stellt Vincent fest.

Karow zwingt seine Kiefer auseinander. “N-nicht?”

“Natürlich nicht.” Wieder streichen die Krallen über seinen Rücken, hinterlassen mehr Wärme und ein leises Kribbeln. “Was hätte ich denn davon?”

Er zuckt hilflos mit den Schultern. Woher soll er das denn wissen? “Fleisch?”

Die scharfen Zähne blitzen im Mondlicht hell auf. “Ich ernähre mich vegan.”

“Du…was?”

“Aber in gewisser Weise hast du Recht”, fährt Vincent fort, einen ganz anderen Klang in der Stimme, und sieht erst an Karow, dann an sich selbst herab. “Ich schätze, diese Gestalt ist etwas…irreführend.”

Er schiebt Karow scheinbar mühelos noch ein Stück nach hinten, klettert hinterher, kniet erst mit dem einen, dann mit dem zweiten Ziegenbein auf den Felsen, halb über Karows Schoß. Ein sichtbares Zittern durchläuft ihn von den Hörnern bis zu den Hufen. In kleinen Wellen erbebt sein Fell, glättet sich und verschmilzt, seine Form verschwimmt und flimmert und zuckt, seine Gesichtszüge verziehen und verschieben sich, und schließlich kniet ein Mann über Karow, an dem nur noch die gewundenen Hörner verraten, dass er kein Mensch ist. 

Ein ziemlich attraktiver Mann, wie Karow trotz allem feststellt. Anscheinend hat sein Körper in der Sekunde, in der keine sichtbare Lebensgefahr mehr bestand, beschlossen, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, Vincents Locken und das schiefe, scharfe Grinsen und die Kraft in diesen Armen heiß zu finden. Dass Vincents Hand noch immer auf seinem Rücken liegt und die Wärme, die davon ausgeht, sich allmählich zu Hitze entwickelt, trägt sicher dazu bei, ebenso wie der seltsam warme Stein unter ihnen - und die Tatsache, dass Vincent ein Stück nach vorne gerutscht ist und langsam seine Hüfte gegen Karows rollt. 

Wie kaputt ist er eigentlich, dass er auf etwas steht, was ihn locker umbringen könnte?

“Nicht doch.” Vincents Stimme ist ebenso weich wie seine Hand an Karows Wange. “Du bist nicht kaputt. Höchstens ein bisschen zu katholisch. Willst du nicht…die Lust an der Anbetung wiederentdecken?”

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. 

Scheiß drauf. Das Böse ist heiß und offenbar ziemlich gut bestückt und Karow gerade näher, als Enthaltsamkeit es je war. 

“Na, mach schon.”

Danke”, raunt Vincent an seinem Ohr und presst seine Lippen auf Karows. 

Es sticht und er erinnert sich daran, dass seine Lippe vorhin aufgeplatzt ist, doch der Schmerz schmälert den Kuss nicht, im Gegenteil. Unwillkürlich öffnet Karow den Mund, gewährt Vincents Zunge Einlass, die heiß und feucht über seine Lippen leckt. Vincent gibt ein genussvolles Geräusch von sich.

“Messwein und Blut”, murmelt er in Karows Mund. “Du verwöhnst mich hier, mein Lämmchen.”

Karow schmeckt auf Vincents Zunge, was er meint. Und es ist gut, so gut, es bringt ihn zum Glühen, seinen Mund, seine Haut, wo Vincents Hände über ihn wandern. Er sehnt sich nach dem Kontakt und es ist ihm egal, dass dieses Sehnen geradezu übernatürlich stark ist - nun, da er sich fallenlässt, soll Vincent ihn ruhig auffangen, jenseits des neunten Kreises der Hölle. Er verlagert sein Gewicht auf einen Arm, legt den anderen um Vincents Hals und zieht ihn näher, drängt sich ihm entgegen und begegnet den Bewegungen seiner Hüfte, sodass Vincent an seinem Schwanz spüren muss, was das hier mit Karow macht. Das zufriedene Lachen ist es wert. Gott, er will mehr davon. Mehr von Vincent.

Mit den Fingern greift Karow in Vincents Kragen, das Leder des Mantels seltsam weich und warm an seinen Fingerspitzen. “Zieh den aus.”

“Gute Idee.” Vincent beißt ihn noch einmal leicht in die Lippe, leckt das hervorquellende Blut auf und grinst Karow an, während er sich wieder etwas aufrichtet. “Wir sollten uns ein wenig beeilen - Mitternacht ist nicht mehr weit…schau genau hin.”

Karow schaut. Und dann blinzelt er, denn Vincent hat sich keinen Millimeter bewegt und doch sind sie plötzlich vollständig nackt, ihre Kleider nirgends zu sehen. 

“Was zum…”

“Ich finde das sehr praktisch.” Vincent legt den Kopf schief. “Es erspart einem so viele Diskussionen über Socken im Bett.”

“Wir sind nicht im Bett.” Sie befinden sich mitten im Winter auf einem Stein im Wald. Es sollte ihm nicht warm sein. Aber die Gänsehaut, die sich über Karows Arme und Brust zieht, rührt nicht von der Kälte her. Und praktisch ist es tatsächlich.

“Lässt du dich trotzdem von mir ficken?”

“Ja, verdammt!” Karow greift in Vincents Haare und zieht ihn wieder zu sich her, knurrt gierig gegen seine Lippen. “Ich denk, das war der scheiß Deal. Also mach endlich.”

Im nächsten Moment liegt er flach auf dem Rücken, auf diesem warmen Felsen, und Vincents Finger streichen über seinen Schwanz, seine Eier. Karow kann nur die Augen aufreißen und sich auf die Lippe beißen, als Vincent sich über ihn beugt und beginnt, feuchte Küsse auf seiner Brust zu verteilen, mit der Zunge seine Brustmuskeln nachzufahren und diese scharfen Zähne vorsichtig um einen Nippel zu schließen. Keuchend drückt Karow den Rücken durch, reckt sich Vincent entgegen und schmeckt Blut, als dessen Finger seine Öffnung erreichen und darüberreiben. 

“Mund auf, Lämmchen. Der Wald soll hören, wie sehr du mich willst.”

Karow will nicht gehorchen, doch seine Lippen öffnen sich ohne sein Zutun und sein Stöhnen hallt laut und schamlos über die Lichtung. Vincents Finger schieben sich unnachgiebig in sein Loch - und seit wann ist er eigentlich so glitschig feucht, beinahe nass, er hat sich garantiert nicht auf diese Art und Weise vorbereitet, ehe er in den Wald gegangen ist - aber vielleicht sollte er einfach aufhören, das hier noch zu hinterfragen. Ebenso, wie er nicht hinterfragt, dass Vincent seine Finger schließlich zurückzieht, Karows Oberschenkel gegen seine Brust drückt und mit einem einzigen langsamen Stoß vollständig in ihn eindringt.  

Fuck, Vincent ist fast zu viel, so groß und prall in ihm. Karows Finger suchen vergeblich Halt auf dem Felsen, irgendetwas, das ihn verankern kann trotz der Flut an Reizen, die sein Gehirn gerade überströmt - Vincents Schwanz in seinem Arsch, das Echo von Vincents Lippen und Zähnen auf seiner Brust, Vincents Hände, die heiß auf seinen Oberschenkeln liegen und über die Muskeln streichen, die auf die beste Art und Weise anfangen zu brennen, als Vincent sich bewegt und Karows Beine mal mehr, mal weniger weit hinunterdrückt. Er will - er braucht - sein eigener Schwanz steht hart und dunkel ab, er tropft auf seinen eigenen Bauch, und Karow will danach greifen, will sich selbst zur Erlösung bringen und diese Hitze in sich loslassen, doch mit einem Grollen aus Vincents Kehle drehen sich seine Handflächen nach oben und unsichtbare Riemen fixieren seine Arme auf dem Stein. Ein frustrierter Schrei entfährt ihm. Sofort sind Vincents Hände an seinem Gesicht, streichen ihm über die Wangen und die Lippen. 

“Noch nicht.”

Karow stöhnt auf, hebt das Becken, fickt sich Vincents Schwanz entgegen, macht sich eng. Das Ziehen in seinen Beinen und der Druck auf seine Schultern lenken ihn kaum von seiner Erregung ab. So sehr er die Arme anspannt, er kann sie nicht bewegen, liegt hier ausgestreckt wie ein Opfertier auf diesem Altar, Vincent völlig ausgeliefert. Doch auch Vincents Atmung geht unregelmäßig, die Laute, die sich seiner Kehle entringen, wild und animalisch in seiner Lust. Noch immer hält Vincent Karows Gesicht in seinen Händen, sieht ihn an, als hätte er noch nie etwas Kostbareres gesehen, neigt sich so weit herunter, dass sich ihr Atem vermischt, dass Karow mit seiner Zunge Vincents feuchte Lippen erreichen kann und darüberleckt - denn verdammt, er spürt diesen Hunger ebenso - 

Vincents Hüfte zuckt heftig vor, einmal, zweimal, und Karow fühlt den Schwanz in seinem Arsch pulsieren, spürt, wie Vincent in ihm kommt, wie sein Loch nass wird. 

Vincents Sperma tropft aus ihm heraus, als Vincent sich langsam und schwer atmend zurückzieht. Karow wimmert. Er ist so hart, dass es schmerzt, er will kommen, doch noch immer kann er seine Hände nicht bewegen und nun ist auch die Stimulation in seinem Arsch weg. “Bitte…”

“Ganz ruhig, Lämmchen, ich kümmere mich um dich”, wispert Vincent und lässt seine Hände über Karows Oberkörper gleiten, während er ein Stück nach hinten rutscht. Das Ziehen in Karows Schenkeln lässt nach, doch sie brennen und zittern umso mehr. Vincent reibt über Karows Nippel, grob und fest, wie er es mag. Es ist zu viel und gleichzeitig zu wenig. Die klagenden Laute, die ihm entfahren, sind ihm nicht einmal mehr peinlich, alles in ihm konzentriert sich auf seinen Körper und die unerträgliche Hitze in seinem Unterleib. 

Als Vincents Lippen sich um ihn schließen, kann er nicht einmal mehr schreien, atmet nur noch heiser und zitternd aus und gibt sich ganz dem heißen, feuchten Mund und dieser geschickten Zunge hin, die seinen Schwanz und seine Eier liebkosen und reizen und an seiner Eichel saugen. Plötzlich kann er auch seine Arme wieder bewegen, sucht Halt an Vincents Hörnern, und das zufriedene Brummen, das dieser darauf um seinen Schwanz herum ausstößt, gibt Karow den Rest. 

Er wirft den Kopf in den Nacken und sieht Sterne, die echten und die vor seinen Augen. 

 


 

“Da ist er ja.”

Leo blinzelt in das warme, gelbliche Licht der Deckenlampe. Zwei spiegelnde Brillengläser blinzeln zurück. 

“Dr. Wenzel?”

“Guten Morgen.” Als das Bild seiner Gastgeberin schärfer wird, kann er ihr Lächeln erkennen. “Wie geht es Ihnen?”

“Ich…weiß nicht.” Er dreht den Kopf leicht nach links und rechts. Keine Kopfschmerzen. Etwas Anspannung im Nacken vielleicht. Draußen ist es so hell, wie es bei dichtem Schneefall eben geht. “Gut, denke ich.”

“Wunderbar. Schauen Sie mich nochmal direkt an -” ein Licht scheint direkt in seine Augen “- nee, Gehirnerschütterung wohl nicht. Hätte mich auch gewundert. Sie waren zwar bewusstlos, aber Sie sehen nicht so aus, als hätten Sie sich geprügelt oder wären überfallen worden.”

Vor seinem inneren Auge ziehen die letzten Erinnerungen vorbei. Der Wald, schwarz und schweigend, der Schnee und die Sterne, klirrende Kälte und das Wesen am Felsen. Dessen sanfte, gefährliche Worte. Der Priester. Der Kuss des Wesens…

“Wie…wie bin ich hier hergekommen?”

Dr. Wenzel dreht sich zur Seite und wendet den Kopf, als suche sie etwas. Mit einem leisen Schnauben steht sie von dem Schemel neben Leos Bett auf und geht zur Tür. “Nun komm schon rein”, sagt sie zu jemandem, der offenbar im Treppenaufgang herumlungert. “Du hast ihn doch nicht den ganzen Weg hierher geschleppt, um dich jetzt zu verkrümeln, oder? Der beißt heute sicher nicht.”

Sie lächelt Leo noch einmal aufmunternd zu, ehe sie den Raum verlässt. Statt ihrer schiebt sich ein Mann durch die Tür, der genau wie Leo ein wenig den Kopf einziehen muss, um nicht an die Deckenbalken zu stoßen. 

Als er in einigem Abstand zu Leos Bett stehenbleibt und den Kopf wieder hebt, macht Leos Herz einen Salto.

Er kennt diese blauen Augen. Und er kennt das Gefühl, das von diesem Mann ausgeht, ein vollkommenes Spiegelbild seiner eigenen Energie. Blätterrauschen und ein metallischer Klang und brennendes Benzin. 

Nein, Leo beißt nicht, aber diese Kraft hatte er schon immer, das ist ihm an dem Tag in der Garage klar geworden. Er hat nur das Ausmaß nie begriffen. Bis jetzt. Bis da dieser Mann steht, der so offensichtlich davon gezeichnet ist. Leo spürt, wie ihm die Farbe aus dem Gesicht weicht.

“Adam…es tut mir so leid.”

Die blauen Augen blinzeln ihn verwirrt an. “Was?”

“Du - ich -” Leo gestikuliert, zieht erschrocken die Hand zurück. “Ich hatte ja keine Ahnung, dass ich dich getroffen habe.”

Adam lacht nervös. “Du mich getroffen? Ich dich gefunden, meinst du?”

Leo runzelt die Stirn, ehe er versteht, dass Adam…eben nicht versteht. Doch er bringt nicht mehr heraus als: “Damals.” 

Er schluckt und wendet den Blick ab. Wenn er sich nur besser beherrscht hätte - damals - wenn er nur - dann wäre Adam - hätte Adam nicht unter seinem Zauber leiden müssen. All die Jahre. Fünfzehn Jahre…Heiß treibt die Scham ihm das Blut wieder in die Wangen und  Tränen in die Augen.

“Oh.”

Nur verschwommen sieht er, wie Adam näher kommt, zögert, sich schließlich auf den Schemel setzt, den Rücken zum Kopfende, sodass sie nebeneinander sitzen. Dass Adams Finger auf der Bettdecke nach seinen tasten, merkt er erst, als er die Berührung spürt. 

“Ich hab’s erst gar nicht gemerkt”, sagt er leise. “Nichts gespürt außer Erleichterung. Sicherheit. Endlich.”

Sein Daumen reibt rau über Leos Knöchel. 

“Und dann hat mich in Sri Lanka ein Auto angefahren und…nichts. Da war nichts. Nicht mal ein blauer Fleck. Und weißt du, Leo…auch der Fahrerin ist nichts passiert. Und auch nicht dem Vogel, der ihr vor die Windschutzscheibe geflogen war.” 

“Was…was willst du mir sagen?”

Adam dreht seine Hand um und legt ihre Handflächen aufeinander, verschränkt seine Finger vorsichtig mit Leos. 

“Ich glaube, du hast mich damals vor viel mehr geschützt, als wir geahnt haben. Und so konnte ich gestern Nacht dich schützen.”

Leos Hirn spuckt einen weiteren Erinnerungsfetzen aus - das Wesen, wie es in den Wald lauscht. Leo verschont. Leo belohnt

“Oh.”

“Ja.”

Für einen Moment sehen sie einander stumm an. 

Dann grummelt Leos Magen. 

Adam presst kurz die Lippen aufeinander. “Ähm…Frühstück?”

Leo kommt ein Verdacht. “Hörnchen?”

“Hörnchen.” Adam grinst so breit, dass es Leo vorkommt, als sei im Zimmer die Sonne aufgegangen. “Und Kaffee.”

 


 

Ein Jahr später

 

Der Schnee knirscht unter ihren Schuhen und ihr Atem bildet weiße Wolken vor dem sternenklaren Nachthimmel. Es ist wirklich klirrend kalt in dieser Nacht und so sehr er den Mann an seiner Seite liebt und auf dessen Schutz und seine eigenen Fähigkeiten vertraut, Leo ist doch froh um die vielen Taschenwärmer und die beiden großen Thermoskannen, die sie eingepackt haben. 

An der Lichtung bleiben sie für einen Moment stehen. Leo weiß nicht, was er erwartet hat, aber außer ihnen ist hier niemand. 

Adam macht ein paar Schritte auf die Lichtung und dreht sich einmal langsam um die eigene Achse. Leo spürt den Schutzschild wie warmes Wasser, das ihn überspült. 

“Keiner da.”

Leo schließt zu ihm auf. Gemeinsam legen sie die letzten Schritte bis zum Felsen zurück, legen ihre Rucksäcke darauf ab, ehe Adam Leo die Räuberleiter macht und Leo ihn zu sich auf den Stein hochzieht. 

“Der ist warm”, stellt er erstaunt fest. “Fühl mal.”

Adam zieht einen Handschuh aus und legt die Hand auf die glatte Oberfläche. “Hm. Ziemlich warm. Und weich.”

Sie sehen einander an. 

An Adams langsamem Grinsen erkennt Leo, dass sie den gleichen Gedanken haben. Wie perfekt das für ihr Vorhaben ist. Für das Opfer, das sie heute Nacht hier darbringen wollen.

Er streckt die Hand nach Adam aus, zieht ihn zu sich heran und küsst ihn, hellwach und verheißungsvoll, und um sie herum rauscht der Wald wie ein Echo ihrer Kraft.

Notes:

serpens callidissime = hinterlistige Schlange

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