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Self Made Man

Summary:

Nach dem Tod von "Susanne" Clemens denkt Boerne noch eine Weile über Clemens, sich selbst und die Gemeinsamkeiten der beiden nach. Ich fand es absolut unverschämt wie S. Clemens in der Folge konstant misgendert wurde und es dann am Ende trotzdem hieß "Geschlecht ist das was man zwischen den Ohren hat", darum hab ich das verbessert. Und Boerne trans gemacht weil ganz ehrlich. Warum nicht.
Da es direkt nach der Episode "Zwischen den Ohren" spielt gab es a) das Selbstbestimmungsgesetz noch nicht einmal als Idee und b) musste man sich zu dem Zeitpunkt noch sterilisieren lassen um sein Geschlecht ändern zu können.
Das und noch viel mehr ist auch der Grund warum Boerne n bisl internal transphobia hat. aber nur so n Schugger.

Thiel/Boerne nur wenn man die Augen zusammenkneift tho.

Notes:

ich hab versucht so realistisch wie möglich zu bleiben. Bin selber seit über einem Jahr auf T und muss sagen dass schon nach dieser relativ kurzen Zeit immer mehr Menschen mich direkt als männlich lesen, und das trotz meiner Körbchengröße E. Daher denke ich dass ein Jahr verschwinden lang genug sein sollte.

Work Text:

Der Gedanke an Susanne, der ja doch definitiv nicht mehr Susanne war, beschäftigte ihn noch eine ganze Weile. Kein Wunder, dass sie sich damals so gut verstanden hatten, Sus- Old Shatterhand und er. Sie hatten anscheinend noch mehr gemeinsam, als ihnen damals bewusst war.

Wie Susanne sich wohl genannt hatte? Er wollte aufhören, so von seinem verstorbenen Freund zu denken, doch außer dieser unhöflichen Biker Gang wusste anscheinend niemand seinen eigentlichen Namen. Das Testosteron, was bei ihm in der Garage gefunden wurde, war höchstwahrscheinlich illegal aus dem Ausland gekommen, und noch dazu in Pillenform. Ganz anders als bei ihm jedenfalls. Er hatte zunächst ein Gel verschrieben bekommen, war nach den OPs dann auf die Spritzen gewechselt. Zu der Zeit war sein Name längst geändert und er hatte mit dem Studium angefangen, sodass er sich das Hormon selbst verabreichen konnte. Das war wirklich praktisch; dadurch musste er nicht alle paar Monate zum Spezialisten in die Schweiz fahren, so wie die anderen in seiner Situation.

 

Insgesamt war Karl-Friedrich schon immer bewusst gewesen, was für ein Glück er hatte, in einer Medizinerfamilie groß geworden zu sein. So bekam er seit seinem Abitur von seiner Tante Testosteron verschrieben, konnte sich auf ein „Auslandsjahr“ in die Schweiz verabschieden und kam mit neuer Stimme und beginnendem Bartwuchs zurück, sodass außerhalb seiner Familie kaum einer mitbekam, dass er nicht nur der Bruder seines früheren Ichs war.

 

Bei... Sebastian? Sascha? Nannte er ihn einfach beim Nachnamen; Bei Clemens war es allen Anscheins nach nicht so einfach gewesen. Nicht nur dass er dank der fehlenden Operationen seinen Namen nie hatte ändern können, nein, sein Umfeld nahm ihn trotz allem sein komplettes Leben lang als Frau wahr. Das mindeste, was Karl-Friedrich für seinen alten Freund tun konnte, war, dafür zu sorgen, dass zumindest der Grabstein sein wahres Ich zeigte.

Er war alles in allem froh, dass seine eigene Umwandlung so schnell und unbemerkt ablaufen konnte; wer weiß ob er sonst auf dem Tisch eines anderen, sicher weniger talentierten Rechtsmediziner liegen würde. Andererseits, hätte er sich vor dem Abitur was anmerken lassen, also mehr als ohnehin, dann hätte er diesen Weg nicht alleine einschlagen müssen. Seine Tante hätte sicher auch bei Clemens nach zwei Jahren Gutachten eine Hormontherapie verschrieben. Dann hätte er jemanden gehabt, der vor und nach den OPs bei ihm gewesen wäre. Und er, er wäre sicher auch für Clemens da gewesen. Trotz aller Unterstützung und Toleranz war das für seine leibliche Familie anscheinend zu viel verlangt gewesen.

Karl-Friedrich seufzte. Es war nun schon mehrere Jahrzehnte her, und doch war die rechtliche Lage kaum leichter für Menschen wie ihn und Clemens geworden. Namensänderung erst nach zwei Gutachten und mit langwierigem Gerichtsverfahren, das sowieso nur dann durchging wenn man sich hat sterilisieren lassen.

Das war damals keine leichte Entscheidung gewesen. Die Erleichterung, nie wieder Angst vor blutigen Unterhosen zu haben versus das Wissen, sich nie direkt fortpflanzen zu können...

Letztendlich hatte die Stimme der Vernunft (und seiner Eltern) gesiegt. Er wollte schließlich nicht nur Doktor sondern auch Professor werden, und wenn auf seiner Urkunde statt Karl-Friedrich Katharina gestanden hätte, er aber mit seinem perfekt frisierten Bart in die Vorlesungen gelaufen kam, würde er den guten Familiennamen in den Dreck zerren.

Nach allem, was seine Eltern für ihn getan hatten, konnte er ihnen den Wunsch, keine Enkel von ihm zu bekommen, ja wohl kaum abschlagen. Immerhin gab es Betty, das einzig gute was seine große Schwester jemals hervorgebracht hatte. Und von der Größe her war Alberich ja auch quasi seine Tochter.

 

Ein Anruf weckte ihn schließlich aus seinen Gedanken. Thiel? Um diese Uhrzeit? Es war sicher etwas neues zum Fall herausgekommen.

„Ich hätte nie gedacht, dass ich das jemals irgendwie zu Ihnen sagen würde, aber ich mag grad nich' alleine sein.“

Wow. Karl-Friedrich war sich nicht sicher, ob er das gerade richtig verstanden hatte, aber nach dem ihm der andere die Worte „alleine sein“ quasi in den Hörer gebrüllt hatte, musste er sich eingstehen, dass es ihm da ähnlich ging.

Also ließ er sich zum Fußball schauen einladen. Er war seit über zwei Jahrzehnten auf dem Papier ein Mann. Vielleicht war es Zeit, sich auch wie einer zu benehmen.