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Severus Snape und eine verrückte Quidditch-Weltmeisterschaft

Summary:

Snarry! Nachkriegsgeschichte! Als Severus sich von seinem Patensohn Draco zu diesem Finale der Quidditch-Weltmeisterschaft mitschleppen ließ, da tat er das eigentlich nur, um diesem einen Gefallen zu tun. Wie hätte er je damit rechnen sollen, dass er und Harry Potter nur wenige Stunden später vom ganzen Weasley-Clan in flagranti in der Dursche der Umkleidekabine erwischt werden würden? Aber wirklich bereuen kann er es auch nicht!

Notes:

(See the end of the work for notes.)

Work Text:

Deutlich genervt schnalzte Severus mit der Zunge und beschleunigte seine Schritte.
Sie waren zu spät dran. Wirklich viel zu spät!
Draco hatte sich zuhause bestimmt noch dreimal umgezogen, bevor er mit seinem Outfit endlich zufrieden war. Als ob es irgendwen interessieren würde, was der Kerl trug. Als ob Draco heute irgendwie im Rampenlicht stehen würde. Sowas albernes.
Am liebsten hätte Severus Draco durch die Tür durchgeschoben, als sie endlich die Loge der Spieler-Partner erreicht hatten.
Und natürlich betrat Draco die Loge auch nicht leise. Nein, er machte ein riesen Aufhebens und lenkte damit die Aufmerksamkeit der Anwesenden auch noch gezielt auf die Tatsache, dass sie zu spät waren!
Severus hasste es sich zu verspäten! Es gab nur sehr wenig, was in seinen Augen noch unhöflicher war.
„Hallöchen zusammen!“, rief Draco laut und etwas überdreht in die Runde. „Ich bin Draco Malfoy und das ist mein Patenonkel Severus Snape. Wir gehören zu Ginny Weasley, meiner Verlobten.“
Die restlichen Anwesenden, hauptsächlich Frauen und keine bekannten Gesichter, begannen ebenfalls sofort damit sich vorzustellen und ihnen die Hände zu schütteln.
Severus versuchte dem Ganzen auszuweichen, indem er sich in den letzten Sessel ganz links setzte. Möglichst weit weg von allen anderen. Er wollte zwar niemanden in diesem Raum näher kennenlernen, aber wenn Draco tatsächlich Ginny Weasley ehelichen und diese weiter ein Teil der Nationalmannschaft sein würde, dann müsste zumindest dieser mit jenen Gestallten auskommen. Severus sollte es ihm also nicht schwerer machen, indem er sich selbst völlig unsozial benahm.
Trotzdem musste er zugeben, dass er ein bisschen enttäuscht war, dass hier keiner der Weasleys zu sehen war. Einer der Gründe, warum er überhaupt eingewilligt hatte mit zu diesem unnützen Spiel zu kommen, war der gewesen, dass er gehofft hatte mal wieder mit Arthur Weasley quatschen zu können.
„Ihr seid spät dran. Die Maskottchen sind mit ihren Shows schon durch.“, erklärte eine Frau, welche sich selbst als Anita Lewis vorgestellt hatte.
Draco versuchte ein einnehmendes Lachen, doch in Severus Ohren klang es eher überheblich.
„Das ist schade. Aber wir sind ja auch eigentlich nicht wegen den Maskottchen hier, sondern um unsere Lebensgefährten anzufeuern, nicht wahr? Ich denke also, dass wir das überleben werden. Richtig, Severus?“, fragte Draco rhetorisch.
Severus, der da nicht mit reingezogen werden wollte, zuckte etwas nichtssagend die Schultern. Da er Draco schon auf dem Weg hier her mehrfach gesagt hatte, was er von seiner Bummelei hielt, brauchte er dieses Fass jetzt nicht erneut vor Fremden aufmachen.
Er musste aber zugeben, dass die Show der Maskottchen ohnehin kaum noch der Rede wert war. Die vereinigten magischen Regierungen Europas hatten vor knapp acht Jahren ein Gesetz gegen die Ausbeutung von magischen Tierwesen und Halb-Tierwesen beschlossen, welches verhinderte, dass diese zur Belustigung zur Schau gestellt werden konnten. Das beinhaltete Zirkusse, aber eben auch die Shows vor Quidditch-Spielen. Statt also Tierwesen zu irgendwelchen albernen Stunts zu zwingen, hatte sich jedes Land eine ‚Plüsch-Figur‘ ausgedacht, wie man sie von den Fußball-Weltmeisterschaften der Muggel kannte. Das Komitee von Großbritannien hatte sich eine übergroße, tanzende Teetasse überlegt. Das war so kindisch und Klischeebeladen, dass Severus froh war drum herum gekommen zu sein.
Statt also richtig zu antworten, blickte er sich lieber etwas um.

Ihre Loge war recht weit oben im nagelneuen Stadium, welches die Schweden extra für die Quidditch-Weltmeisterschaft hochgezogen hatten. Und sie lag direkt gegenüber der Ehrenloge. Von hier aus konnte man also wunderbar den Stadionsprecher Melker Grönberg sehen.
Severus kniff ein bisschen die Augen zusammen und sah genauer hin. Er war sich nicht sicher, er hatte leider sein Omniglas zuhause liegen lassen, aber er glaubte fast im Schatten der Ehrenloge rote Haare erkennen zu können. Vielleicht saßen die Weasleys ja da drüben.
Das Stadion selbst war riesig und mit Menschen überlaufen. Ein Meer aus russischen und britischen Fahnen wurde in der Menge geschwenkt und die Begeisterung war beinahe zu schmecken. Eine Begeisterung, welche Severus nicht so richtig teilte.
Mittig über dem Stadium und somit auch über dem Spielfeld hing eine Anzeigetafel, welche Werbung in einem Mischmasch aus Russisch, Schwedisch und Englisch anzeigte.
In dem Bereich, in welchem er mit Draco saß, gab es einige plüschige Sitze, eine Getränkebar und ein Büffet mit allerlei Früchten. Severus fand den Aufwand übertrieben, aber die anderen Spielerpartner hatten sich bereits reichlich bedient. Viele von Ihnen hatten auf dem langfaserigen Teppich sogar ihre Schuhe ausgezogen. Severus bemühte sich, über dieses groteske Verhalten nicht zu offensichtlich seinen Ekel zu zeigen. Und als ihm ein Hauself einen Sekt anbot lehnte er selbstverständlich dankend ab.
Rechts von ihnen waren sie durch eine Wand von den ‚normalen‘ Fans abgetrennt, aber nach links kam eine dicke Glasbarriere, welche sie von den Partnern der russischen Mannschaft separierte.
Severus nickte freundlich, als eine blonde Frau mit einem kleinen Mädchen auf dem Schoss dort seinen Blick auffing und ihn neugierig musterte. Sie prostete ihm als Antwort mit einer Tasse Tee zu.

Severus zuckte zusammen, als Draco sich auf den Sessel neben ihm fallen ließ und ihm kräftig auf den Oberschenkel schlug.
„Es geht los!“, rief der blonde Mann begeistert. „Da kommen sie!“
Und auch der Kommentator fing lauthals an zu schreien. Severus zückte flott seinen Zauberstab um einen Übersetzungszauber auf sich selbst zu wirken. Schwedisch konnte er nämlich leider nicht.
Grönberg verkündete enthusiastisch: „Und hier kommt die Mannschaft aus Russland! Weithin bekannt als die Mannschaft mit den gefährlichsten Stunts und der meisten Risikobereitschaft. Hier kommen Gerasim Blinov, Marat Rabinovich, Mariya Strekalova, die Geschwister Anna und Anton Kuvayeva, Alexei Bershov und Torfin Tkachenko!“
Sieben dunkelblaue Farbschleier rasten in den Himmel, bevor sie sich zu einem Halbkreis formten und den jubelnden Russland-Fans zuwinkten. In der Loge neben ihnen waren alle aufgesprungen und tanzten regelrecht mit den Händen über ihren Köpfen.
„Und nun zu der Mannschaft mit der höchsten Tortrefferquote seit Beginn der Weltmeisterschaften im Jahre 1473. Hier kommt die britische Mannschaft. Hier kommen Nicholas Owen, Johnny Gibson, Ginny Weasley, James Hart, Lexi Rogers, Noah Rees und Bradley Lewis!”
Die Britten trugen alle Uniformen aus einem Kastanienbraun, welches recht gut zu Ginevras rotem Haar passte, sich daher aber furchtbar mit dem türkisfarbenen Haar des Hüters Nicholas Owen biss.
Severus hatte letztes Wochenende zwei Stunden seiner Lebenszeit verloren, als Draco ihm ewig lang erklärt hatte, was er von dieser furchtbaren modischen Farbentscheidung hielt. Dracos Meinung nach hätte man sich für Kupfer oder Bronze entscheiden sollen, also einen hochwertigen, schimmernden Stoff. Nicht für stumpfe Kastanie. Seiner Ansicht nach war das farblich zu nah an Schlamm dran, oder eben Fäkalien.
Severus hatte sich zwar gedacht, dass dafür echte Schlammflecken weniger stark auffielen und ein schimmernder Seidenstoff unmöglich sauber zu halten wäre, gesagt hatte er es aber nicht.
Und gleich im Anschluss hatte Severus weitere zwei Stunden verloren, als Draco sich über die neue Besengeneration aufregte. Alle Spieler saßen auf dem Shadowclaw Zero, einem Besen, welcher erst seit vier Monaten auf dem Markt war und dessen Hersteller aus dem Nichts aufgetaucht war. Die Werte und Kritiken des Besens waren innerhalb von Stunden durch die Decke gegangen. Man konnte nicht mehr durch die Winkelgasse gehen, ohne an jeder Ecke Menschen darüber sprechen zu hören.
Draco hatte natürlich versucht ebenfalls an einen ranzukommen. Aber der Hersteller hatte ihn freundlich und bestimmt abgewiesen. Angeblich war die aktuelle Auftragslage ausgebucht. Ein Fakt, welchen Draco gar nicht nachvollziehen konnte. In seiner beschränkten Welt konnte man halt jederzeit alles mit Geld kaufen.
Severus fragte sich nur, warum man überhaupt so viel Geld für ein Reisemittel ausgeben wollte, welches so unbequem war. Und als Sportinstrument würde er es erst recht nicht nutzen!

Reichlich desinteressiert sah Severus dabei zu, wie der Schiedsrichter, seinen Namen hatte Severus schon wieder vergessen, auf das Feld kam und das Spiel anpfiff.
Und los ging es!
In einem früheren Leben hätte er sich vielleicht zumindest halbwegs für das interessieren können, was dort draußen vor sich ging. Allein schon, um seinen Slytherins vielleicht noch den einen oder anderen Trick gegen die Gryffindors mit auf den Weg zu geben.
Aber seine Zeiten als Lehrer lagen lange hinter ihm. Der Krieg war vor zwölf Jahren geendet und seit zehn Jahren arbeitete er nun bereits im St. Mungos in der Abteilung zur Erforschung von Zaubertrankunfällen und experimentellen Heiltränken. Vor knapp neun Monaten hatte man ihn sogar zum Abteilungsleiter ernannt. Unglaublicher Weise hatte er sich, trotz seiner dunklen Vergangenheit, einen verdammt guten Ruf im Umgang mit fast aussichtslosen Fällen erarbeitet.
Manchmal konnte er das immer noch nicht fassen.
Was er aber tatsächlich noch viel weniger fassen konnte, dachte Severus bei sich, als er Ginny Weasley dabei zusah, wie sie den Quaffel elegant durch den rechten Torring der Russen beförderte, war, dass sein Patensohn, der früher so anti-Gryffindor gewesen war, nun ausgerechnet die Ex-Freundin vom Ober-Gryffindor heiraten würde!

Severus erinnerte sich noch, wie er vor etwas mehr als zwei Jahren an einem seiner seltenen freien Tage zum Frühstück die Zeitung aufgeschlagen hatte und ihm ein Foto von dem Pärchen beim Candlelight Dinner entgegengesprungen war. Die Überschrift lautete: „Betrug an Harry Potters Herz! Ginny Weasley steigt mit Potters Erzfeind ins Bett!“
Als Ergebnis hatte Severus seinen Tee über besagtes Foto gespuckt.
Niemand hatte damals gewusst, dass Potter und Weasley getrennt waren!
Dementsprechend war Severus umgehend nach Malfoy Manor gereist, um seinen Patensohn zu fragen, was zum Teufel er sich dabei dachte, sich ausgerechnet mit Harry Potter anzulegen. Wie konnte man nur so blöd sein? Potter war zwar beim Ministerium in Ungnade gefallen, aber die Bevölkerung liebte diesen Kerl mehr als je zuvor! Severus befürchtete ernsthaft man würde Draco lebendig häuten!
Doch es war anders gekommen.
Während Draco sich gegenüber Severus rechtfertige, war Potter bereits damit beschäftigt über den Tagespropheten herzufallen.
Severus hatte von Draco erfahren, dass Potter und Weasley bereits seit acht Jahren getrennt waren, weil Ginevra sich damals auf ihre Karriere konzentrieren wollte. Was ganz gut passte, da Potter zu dem Zeitpunkt kurz vor seiner Abschlussprüfung zum Auror gestanden hatte und ebenfalls wenig Zeit zu entbehren hatte.
Der Rest der Welt erfuhr diese Tatsachen zwei Tage später aus dem Klitterer. Und der Tagesprophet? Der war von Potter wegen übler Nachrede und Rufmord verklagt worden, hatte eine Entschuldigung sowohl für Ginevra als auch für Draco veröffentlichen und 10.000 Galleonen als Strafe an ein Kinderheim spenden müssen.
In den folgenden Monaten wurde die Bindung zwischen Draco und Ginevra immer enger. Und Potter betonte bei jedem Interview, dass er den beiden nur das Beste wünschte und sie voll und ganz unterstützte.
Severus beobachtete das ganze zunächst etwas misstrauisch, musste aber irgendwann einsehen, dass er in der Beziehung kein Mitspracherecht hatte. Trotzdem hatte Severus irgendwie nicht damit gerechnet, dass das alles in einer Ehe enden würde.
Manchmal fragte er sich sogar, ob Draco vor allem deswegen Interesse an Ginevra hatte, weil sie eine gute Investition in seinen Ruf darstellte.

Mit unsehenden Augen blickte Severus weiter auf das hektische Spielfeld, ohne auch nur einen Spielzug mitzubekommen und dachte an die Vergangenheit.
Der Name der Malfoys hatte am Ende des Krieges wirklich sein Fett wegbekommen. Lucius hatte vergeblich versucht seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen, was Potter zu verhindern gewusst hatte. Der Held der Briten hatte zwar genug Anstand Narzissa und Draco zu helfen, aber Lucius hatte er eiskalt vor die Wand aller Anschuldigungen laufen lassen.
Draco hatte sich im Anschluss alle Mühe gegeben ihren Ruf wieder zu verbessern. Er hatte große Feste geschmissen, zu denen kaum einer kam. Er hatte große Summen gespendet, war dafür in der Presse aber wegen der Zahlung von Schweigegeld niedergeschrien worden. Und dann hatte Lucius versucht eine Revolte in Askaban vom Zaun zu brechen. Dabei waren Lucius selbst und fünf weitere Insassen getötet worden und Draco hatte das bisschen an Boden wieder verloren, welchen er bis dahin gewonnen hatte.
Danach hatte er sich eine ganze Zeit lang ruhig verhalten und eine niedere Stelle in der Abteilung zur Aufsicht und Führung magischer Geschöpfe im Ministerium angenommen. Bis er eben vor über zwei Jahren anfing Ginevra Weasley zu daten.
Mit einer der besten Quidditch-Spielerinnen des ganzen Landes in Verbindung gebracht zu werden, die kurz danach auch noch in die Nationalmannschaft berufen wurde, konnte wirklich Wunder für den Rufe bewirken.
Und zumindest musste selbst Severus zugeben, dass die Frau wirklich was drauf hatte.
Er beobachtete, wie sie einem der Russen den Quaffel mit einem Looping abluchste und diesen dann kopfüber durch den mittleren Torring beförderte. Das Stadion tobte.
„Erneut trifft Weasley!“, rief Grönberg. „Man könnte meinen diese Frau hätte einen Glückstrank vor Spielbeginn eingenommen. Aber nein, sie ist einfach so gut! Und wenn das hier so weiter geht, dann müssen sich unsere Russen noch warm anziehen!“
Severus klatschte höflich, während Draco aufsprang und sich halb über die Brüstung hing.

Die Briten waren schnell in Führung gegangen. Es stand nach gerade mal zehn Minuten bereits 60:10, was Severus hoffen ließ, dass die ganze Misere hier nicht allzu lange dauern würde. Aber letztlich kam halt alles auf den Schnatz an.
Und zumindest ließen die russischen Fans sich von dem Rückstand in keinster Weise entmutigen. Immer wieder erklang aus allen Ecken Sprachgesänge und die eigenen Spieler wurden mit einer Leidenschaft angefeuert, von der sich die Briten wirklich mal eine Scheibe abschneiden konnten.
Gerade jetzt waren die russischen Jäger im Angriffsmodus. Severus konnte sie bei der Geschwindigkeit schwer auseinander halten und wusste daher nicht wer genau, auf dem Weg zu den britischen Ringen war. Und das Geschrei der Fans war so laut, dass Severus den Stadionsprecher nur noch undeutlich hören konnte.
Was er dafür aber sehr deutlich hörte, war der Aufschrei, welcher durch die Menge ging, als der Hüter Nickolas Owen eine falsche Entscheidung traf und nach rechts hechtete, um den Torschuss zu verhindern. Der russische Jäger entschied sich jedoch den ganz linken Ring ins Visier zu nehmen und in dem Versuch seinen Fehler wieder gut zu machen, machte Owen eine seltsame Abwärtsrolle nach links rüber und schlug dabei so hart mit dem Schädel gegen die mittlere Torstange, das der Aufprall im ganzen Stadion zu hören war. Der Mann verlor sofort das Bewusstsein, rutschte seitlich vom Besen runter und stürzte 15 Meter in die Tiefe.
Zu seinem großen Glück stand am Spielfeldrand gerade einer der patrouillierenden Medi-Zauberer und dieser war geistesgegenwärtig genug den Sturz des Hüters mit Magie aufzufangen.
„Aijajai! Auszeit!“, verkündete Grönberg. „Und das, meine verehrten Zuschauer, ist der Grund, warum nicht jeder Hinz und Kunz auf einen Shadowclaw gehört! Auf einem so feinfühligen Besen sollte man schon wissen, wie man sich bewegen kann und muss, um nicht verletzt zu werden. Liebe Kinder, bitte macht das nicht zuhause nach!“
Severus fühlte sich sofort in Dracos drittes Schuljahr zurückversetzt. Vor seinem geistigen Auge sah Severus, wie Potter inmitten von Blitzen, prasselndem Regen und dunklen Gestalten zu Boden raste. Dem sicheren Tod entgegen, wäre Albus nicht schnell genug gewesen. Er erinnerte sich noch an die Panik, welche er an diesem Tag empfunden hatte, auch wenn er sich selbst nichts hatte anmerken lassen.
Daher konnte er auch sehr gut nachvollziehen, dass die kleine Frau mit den kastanienbraunen Haaren und dem Babybauch, welche fünf Sitzen rechts von ihm saß, angstvoll aufschrie und sich ihr Gesicht vor Grauen verzog.
„Niki, nein!“, schrie sie und fing an zu schluchzen.
Selbst von hier oben konnte Severus das Blut sehen, welches über das Gesicht des Hütters lief und auf eine schwere Verletzung hindeutete.
„Uiuiui!“, verkündetet der Stadionsprecher, während der Schiedsrichter neben dem verletzten Spieler landete. „Das sieht aber gar nicht gut aus. Die Medi-Zauberer tun ihr Bestes, um Nickolas Owen zu verarzten, aber bei so viel Blut sollten sich die britischen Fans schon mal auf schlechte Nachrichten einstellen!“
„Ich muss da runter. Ich muss sofort zu ihm!“, rief die Frau mit Babybauch und drehte sich zu ihren Mitstreitern um. „Ich darf nicht apparieren. Ihr müsst mich zu ihm bringen. Bitte!“
„Ganz ruhig, Sunny. Ich bring dich hin.“, sagte Anita Lewis mit bemühter Ruhe in der Stimme. „Komm her, Schatz.“
Die beiden Frauen disapparierten und tauchten nur Sekunden später unten auf dem Feld neben dem Stand des Trainers auf. Beide rannten zu dem Verletzten rüber.
„Und da kommt Sunny Owen, die hochschwangere Ehefrau des Hüters, auch schon angelaufen. Man kann es ihr nicht verübeln, dass sie sich Sorgen macht. Das sah wirklich gar nicht gut aus!“, rief der Sprecher über das schockierte Gemurmel der Zuschauer hinweg.
Die Frau fiel neben ihrem Gatten auf die Knie und versuchte ihn zu berühren. Die Heiler drängten sie jedoch sofort wieder zurück.

„Meinst du, er hat sich wirklich was getan?“, fragte Draco und reckte den Hals, um besser sehen zu können. In seiner Stimme klang wenig Sorge und viel mehr morbides Interesse mit.
Severus rümpfte angeekelt die Nase.
Draco hatte in seinem Leben noch nie eine wirklich ernsthafte Verletzung erlitten. Ja, da hatte es diesen kleinen Zwischenfall mit dem Hypogreifen gegeben, aber eigentlich war das nicht viel mehr als eine große Schürfwunde. Echten körperlichen Schmerz kannte Draco nur vom Cruciatus-Fluch. Er hatte nie erlebt, wie sehr eine Wunde oder Verletzung einen aus der Bahn werfen konnte und das merkte man ihm an seinem Verhalten auch an.
Als Severus damals nach dem Krieg mehrere Wochen gebraucht hatte, um wieder auf die Beine zu kommen, war Draco mehr als nur ein bisschen ungeduldig gewesen. Er hatte Severus Faulheit unterstellt und laut vermutet, dass er nur keine Lust hatte bei Dracos Verhandlung auszusagen. In Wahrheit hatte Naginis Gift permanent neue Blutgerinnsel überall in Severus Körper ausgelöst und ihm zwei Lungenembolien, einen Herzinfarkt und eine tiefe Beinvenenthrombose beschert. Auch heute musste Severus noch regelmäßig einen Trank zur Blutverdünnung einnehmen, damit ihn die Folgeschäden des Giftes nicht umbrachten!
Aber Draco verstand sowas nicht, hatte er es doch nie erlebt. Und beim Quidditch war das einzige, was an Draco jemals Schaden genommen hatte, sein Ego. Und das hatte ihm auch mehr als gut getan. Irgendwer sollte sich für diese Lektionen an Demut mal bei Potter bedanken.
Und Potter gleichzeitig eine Lektion über Risiken und Sicherheitskonzepte angedeihen lassen!
Wenn sich jemand verletzte, war es irgendwie immer Potter gewesen, der sich zu dessen Schulzeit bei Spielen wirklich schlimm verletzte. Der Armbruch mit anschließendem Knochenverlust im zweiten Schuljahr. Wie schon erwähnt der Sturz im dritten Schuljahr. Von den Wunden durch das Trimagische ganz zu schweigen. Und dann hatte Potter natürlich auch noch den Schädelbruch in seinem sechsten Schuljahr gehabt, welcher ebenfalls wirklich gruselig anzusehen gewesen war.

Beinahe war sich Severus aber sicher, dass all diese Wunden für Potter heute kaum noch der Rede wert waren, denn es war jetzt erst ca. fünf Jahre her, da war Potter in seiner Funktion als Auror ernstlich lebensbedrohlich verletzt worden.
Ein Ableger von Fenrir Greybacks Werwolf-Rudel hatte sich damals in Sibirien ausgebreitet, Kinder entführt und Eltern brutal ermordet. Die Russen hatten bei ihren Kollegen in Großbritannien um Unterstützung gebeten und diese in Form von Harry Potter und drei weiteren, wenn auch unerfahrenen, Auroren erhalten.
Wie nicht anders zu erwarten, hatte Potter sich mit aller Energie in den Fall hineingeworfen und auch schnell Fortschritte erzielt. Aber leider nicht schnell genug.
Der Eingriffstrupp hatte das Lager des Rudels erst in einer Vollmondnacht aufgespürt.
Die Meisten hatten sich infolge dessen geweigert sofort einen Rettungsversuch der bedrohten Kinder zu starten. Ihnen war ihre eigene Haut mehr Wert, als die der Kinder.
Aber so war Harry Potter nicht. Die Briten wussten das und die Russen lernten es in dieser Nacht.
Harry Potter war ohne Unterstützung oder Rückendeckung in das Camp eingedrungen. Und als er die Kinder fand, leuchtete der Vollmond schon groß und hell am Himmel.
Bis heute sagte Harry in Interviews, dass er seine Entscheidung nie bereut hatte. Doch Severus konnte sich nicht vorstellen, dass der Mann nicht zumindest ein bisschen bitter über die Konsequenzen seines Handelns war.
Potter war gebissen worden. Natürlich war er das.
Eigentlich hatten die Werwölfe ihn sogar fast zerfleischt. Severus hatte die Wunden gesehen, arbeitete er doch damals auch schon im St. Mungos. Und seine Kollegen und er hatte nichts tun können, um die Infektion mit Lykanthropie aufzuhalten.
Wie durch ein Wunder hatte Harry es aber gleichzeitig geschafft alle vier entführten Kinder zu retten, ohne dass diese ebenfalls gebissen wurden. Etwas, dass die russische Bevölkerung als wahre Heldentat Wochenlang gefeiert hatte. Soweit Severus sich erinnerte, hatte man Potter dafür sogar einen Orden verleihen wollen.
Gleichzeitig kämpfte man in England um Potters Leben. Die Heiler im St. Mungos schafften es nach Tagen dem Tod die Seele das Aurors wieder zu entreißen. Doch den Rest seines Lebens würde der Mann als Werwolf leben müssen.
Das wirklich Schlimmste war aber erst danach gekommen.
Es waren nicht die Narben die schlecht verheilten. Nicht die Schmerzen der Verwandlung jeden Monat. Nicht die Angst mancher Menschen vor ihm. Sondern es war die Reaktion von Potters Arbeitgeber!
Das Zauberei-Ministerium hatte Potter nicht nur fristlos gekündigt, sondern hatte auch noch versucht ihm seinen Sitz im Zaubergamot abzunehmen. Ein Sitz, welcher ihm als Lord von Haus Black als sein Geburtsrecht zustand! Und als Harry sich dann auch noch öffentlich über dieses Verhalten beklagte, hatten seine Kollegen ernsthaft versucht ihn festzunehmen und nach Askaban zu stecken.
Naja, tatsächlich hatte man Potter damals wirklich für ungefähr 12 Stunden in dem Zauberergefängnis eingesperrt.
Allerdings nur so lange, bis die halbe Bevölkerung Englands, das Parlament von Russland und der Zauberei-Kanzler der Deutschen persönlich im Ministerium aufgekreuzt waren und einen riesen Aufstand veranstalteten. Auch die Deutschen waren Harry Potter in vielerlei Hinsicht sehr dankbar, hatte dieser ihnen doch eine Weile vorher geholfen eine Dementoren-Plage zu bekämpfen.
Das Ministerium hatte keine Wahl. Wollten sie keinen offenen Bürgerkrieg riskieren, mussten sie Potter wieder freilassen.
Am Ende hatte Potter das Ministerium vor dem M.Eu.Gh verklagt, dem magischen europäischen Gerichtshof, der allerhöchsten Instanz. Und er hatte gewonnen!
Man hatte ihm eine Entschädigung zahlen müssen und er konnte seinen Sitz im Zaubergamot behalten. Aber seinen Job bekam er nicht wieder. Die britischen Gesetze verboten es allen Werwölfen einen Posten im Ministerium zu bekleiden. So, wie auch viele andere Jobs tabu waren.
Severus kannte all diese Fakten nur aus der Zeitung. Es war allerdings Minerva gewesen, welche Severus erzählt hatte, dass Potter sich inzwischen selbstständig gemacht hatte. Wie gut das für ihn lief und in welchem Sektor, wusste Severus allerdings nicht.

Unten auf dem Spielfeld kam Owen unter dem Jubel und Geschrei der britischen Fans gerade wieder auf die Beine. Nach Severus Meinung sah der Kerl nicht fit genug aus, um weiter am Spiel teilzunehmen. Seine Ehefrau hielt ihn eisern am Oberarm fest, als er schwankend zu seinem Besen rüber torkelte.
Bevor Owen jedoch auch nur versuchen konnte ein Bein über den Besenstiel zu schwingen, brach der Hüter ein weiteres Mal zusammen. Seine Frau war clever genug schützend ihre Hände unter seinen Kopf zu schieben, als er zu Boden ging.
„Und damit ist nun wohl klar, dass Owen raus ist.“, rief der Sprecher. „Vermutlich ist es das, was die Heiler unserem Schiedsrichter und dem Trainer gerade mitteilen. Und ja, hier kommt auch schon die Bestätigung!“
Der Schiedsrichter pfiff vier Mal kurz und auf dem riesigen Bildschirm, welcher Mittig über dem Stadion schwebte, erschien ein Countdown.
„Spielerwechsel!“, verkündete der Sprecher laut. „Der neue Hüter hat nun fünf Minuten, um seinen Posten einzunehmen oder die britische Mannschaft muss ohne Hüter weiterspielen!“
Die britische Mannschaft scharrte sich um ihren Trainer zusammen, während Owen von den Heilern und seiner Ehefrau ins Innere des Stadions getragen wurde.
Severus behielt den Verletzten im Blick und machte sich Sorgen. Er hoffte, dass sie ihn direkt von hier aus weiter ins Heilungs-Institut Uppsala verlegen würden. Mit Schädelverletzungen war nicht zu spaßen.
Der Schiedsrichter stieg zurück in die Luft und richtete seinen Zauberstab auf seine Kehle. „Logan Watson ersetzt Nickolas Owen!“
Dann pfiff er und das Spiel ging weiter.
Das war eine Änderung der Spielregeln, welche erst seit knapp fünf Jahren existierte.
Selbst wenn noch nicht wieder alle Spieler auf dem Feld waren, wurde das Spiel so schnell wie möglich fortgesetzt. Diese Anpassung war nötig geworden, nachdem vermehrt Mannschaften Auszeiten durch Kleinigkeiten provoziert hatten, um ihrem Sucher ein entspanntes Ausschauhalten nach dem Schnatz zu ermöglichen.
Trotzdem waren die meisten Fans von der neuen Regelung nicht sonderlich begeistert. In dieser Weltmeisterschaft war es mehrfach passiert, dass die Auswechselspieler es nicht rechtzeitig auf das Feld geschafft hatten.
Im Viertelfinale hatte der Sucher der Deutschen von dem gegnerische Treiber der Franzosen mit Absicht den Schläger auf die Nase geknallt bekommen. Die gebrochene Nase war schnell geheilt, aber der Sehnerv des Suchers hatte ebenfalls etwas abbekommen, weshalb der Mann nicht hatte weiterspielen können. Leider hatte der Ersatz-Sucher es nicht rechtzeitig geschafft. Was besonders unfair war, weil diese schlimme Verletzung durch ein Foul zustande gekommen war.
Das Spiel war 690:580 für Franzreich ausgegangen.
Dafür hatten die Russen die Franzosen dann im Halbfinale einfach platt gemacht.

Glücklicherweise war es hier anders.
Logan Watson, ein blonder Hüne mit riesigen Händen, war schon nach knapp neunzig Sekunden auf seiner Position vor den Torringen. Leider hatten die Russen in der Zwischenzeit trotzdem schon zwei Tore geschossen.
Das Spiel ging weiter. Anita Lewis tauchte kurz später wieder auf und erklärte, dass Nickolas Owen mit einem Schädelbruch und einer Hirnschwellung eingewiesen worden war, bevor sie sich wieder dazu setzte, um das Spiel weiter gespannt zu verfolgen.
Wie sich allerdings zu ihrer aller Unmut innerhalb von wenigen Minuten herausstellte, machte es kaum einen Unterschied, ob Watson vor Ort war oder nicht. Mit seinen riesigen Schaufeln als Hände hätte es für ihn eine Leichtigkeit sein müssen den Quaffel aufzuhalten. Stattdessen ließ er in nur acht Minuten drei weitere Tore zu. Der Kerl war nicht bei der Sache.
„Vielleicht sollte jemand dem britischen Hüter mal eine eiskalte Dusche angedeihen lassen, um ihn aufzuwecken!“, höhnte Grönberg. „So kann man sich seine Chancen auf den Pokal auch zerstören! Und wieder ist Mariya Strekalova auf dem Weg zum Tor. Wird Watson dieses Mal halten?“
Die Antwort war nein!

Die britischen Fans mussten nun ein echtes Wechselbad der Gefühle durchmachen.
War der Quaffel bei den russischen Jägern, stöhnten die Fans sorgenvoll und vergruben ihre Gesichter in den Händen. War der Quaffel bei den britischen Jägern, frohlockten sie mit Gesängen und Geklatsche.
Ginevra, Gibson und Hart waren so gut aufeinander abgestimmt, dass es wirkte als könnten sie die Gedanken voneinander lesen. Hin und wieder hörte Severus sogar den bekannten Song ‚Weasley ist unsere Queen‘ erklingen, wann immer Ginevra Richtung Tor rauschte.
Draco neben ihm wirkte reichlich selbstgefällig. „Ich weiß, dass sie den Song umgedichtet haben. Aber es ist trotzdem meine Idee gewesen! Ich hab zwei Tage gebraucht, um mir den Text auszudenken und dann hab ich einen ganzen Abend mit den Slytherins geübt, bis wir den Song auch wirklich alle drauf hatten!“
Diese Geschichte hatte Severus inzwischen bestimmt auch schon 30 Mal gehört, daher nickte er nur und sah weiter dabei zu, wie die Jäger beider Mannschaften einen erbitterten Kampf um den Quaffel führten.
„Weasley, nein Rabinovich, wieder Weasley. Jetzt Gibson. Und Weasley. Und zurück zu Rabinovich.“, rief Grönberg hektisch, als der Quaffel im Sekundentakt den Besitzer wechselte. „Leute, entscheidet euch mal. Wie soll ein einzelner, kleiner Kommentator da mitkommen?“
Gelächter drang aus den Reihen der Fans.
Inzwischen stand es 130:100 für Großbritannien.
Bei Watsons schlechter Leistung würde das allerdings nicht lange so bleiben!
Leidend sahen die Briten dabei zu, wie Rabinovich und Strekalova auf die Torringe zu preschten. Das Ergebnis war allen schon klar, bevor Strekalova auch nur ausholte.
Vermutlich war es auch Watson klar. Zumindest war das der einzige Grund, den Severus für das Verhalten finden konnte, welches Watson nun an den Tag legte.
„Und nun? Was sehen meine Augen hier?“, fragte Grönberg irritiert. „Ein Hüter der nicht hüten möchte? Sind wir hier bei ‚Wünsch dir was‘?“
Ungläubig sahen alle dabei zu, wie Watson in einem Anfall von Größenwahnsinn seinen Posten verließ um auf den Jäger Rabinovich zuzufliegen. Offenbar wollte Watson den Mann blocken. Dabei achtete er jedoch in keinster Weise auf seine Umgebung und flog direkt in die Bahn des Klatschers, welcher von Noah Rees oder Lexi Rogers eigentlich für Rabinovich gedacht war.
„Und Watson sollte sich jetzt besser schnell mal ducken! Ooje, zu spät!“
„Bei Merlin und Morgana!“, entfuhr es Severus schockiert, als der Klatscher Watson direkt im Genick traf und auch dieser wie ein Stein zu Boden fiel.
Dieses Mal schrie die Menge nicht. Es hatte sich eine Art Schockstarre bereitgemacht und Severus sah viele Leute mit tränennassen Augen, als er sich umblickte.
„Auszeit.“, sagte der Stadionsprecher bedrückt. „Was eine unglückliche Verkettung von Umständen. Sowas hat sicher noch keiner von uns gesehen. Man mag ja eigentlich nicht schlecht über Verletzte reden, aber was sollte das denn werden? Eindeutig ein Fall von Selbstüberschätzung und wie sagt man so schön: Hochmut kommt vor dem Fall.“
Anita Lewis disapparierte nach einem tiefen Seufzen erneut.
Mit angehaltenem Atem sah das ganze Stadium dabei zu, wie die Medi-Zauberer sich vorsichtig um den Hüter kümmerten. Es war dieses Mal kein Blut zu sehen, aber das machte es nicht unbedingt viel besser. Watson bekam eine Halskrause umgelegt und wurde dann mit einem Schwebezauber auf eine Trage befördert.
Es ertönten erneut vier kurze Pfiffe und ein weiterer Countdown startete auf dem Bildschirm.
„Spielerwechsel!“, sagte der Sprecher, hielt sich aber darüber hinaus bedeckt.
Der Schiedsrichter verkündete: “Roswetta Stuart ersetzt Logan Watson!“
„Ohoh.“, rutschte es Draco raus.
Nicht nur Severus, sondern auch die anderen Spieler-Partner in der Loge drehten sich zu ihm um.
„Was ist? Kennst du Roswetta Stuart?“, fragte eine Frau, von welcher Severus glaubte, dass sie zu dem Jäger mit dem Nachnamen Hart gehörte.
Draco nickte. „Sie war vor vier Jahren die Ersatzhüterin der Holyhead Harpies. Ginny hat sich oft über sie beklagt. Sie hatten die Vermutung, dass sie eine Alkoholikerin sein könnte und hatten sie daher gebeten zu kündigen, damit kein Skandal entsteht. Ich wusste nicht Mal, dass sie überhaupt noch spielt, ganz zu schweigen davon, dass sie ein Teil der Nationalmannschaft ist.“
„Naja, so war das ja eigentlich auch nicht geplant!“, sagte Anita Lewis, die gerade wieder auftauchte. „Watson hat sich mehrere Wirbel gebrochen. Sie versuchen zu verhindern, dass er dauerhaft Querschnittsgelähmt bliebt, aber zumindest lebt er.“
„Wie meinen Sie das, dass das eigentlich anders geplant war?“, fragte Severus nach und starrte auf den Timer, welcher bereits drei von fünf Minuten runtergezählt hatte.
Anita zuckte die Schultern. „Eigentlich hätte die Teamaufstellung ganz anders aussehen sollen. Aber das Zaubereiministerium hat sich eingemischt und den ursprünglichen Kada verboten. Und das haben wir jetzt davon.“
Verwundert wandte Severus sich an Draco, denn davon hörte er nun zum ersten Mal. Doch auch Draco sah reichlich überrascht aus, weshalb Severus davon ausging, dass Ginevra ihm von den Schwierigkeiten nichts erzählt hatte.
„Und wie genau-“, bevor Severus dazu kam detaillierter nachzuhaken, wurde er von dem Jubel der britischen Fans unterbrochen.
Mit etwas mehr als einer Minute als Puffer auf der Uhr kam eine Frau auf das Feld geschlendert.
Sie war recht groß, bestimmt gute 1,85m, und hatte kurze stachlige Haare in einer giftgrünen Farbe. Und sie trug ihre Uniform falsch herum!
„Ohoh.“, sagte Draco erneut.
Severus musste ihm zustimmen. Ein Blick reichte um zu erkennen, dass diese Frau jetzt schon nicht fit genug war, um an diesem Spiel noch teilzunehmen. Doch wenn Schiedsrichter oder Trainer das ebenfalls bemerkten, griff keiner von ihnen ein, um das nahende Unheil aufzuhalten.
Unruhig sahen sie dabei zu, wie Miss Stuart auf ihren Posten vor den Torringen flog, wenn man das denn so nennen wollte. Sie schlingerte so sehr, dass die ersten Zuschauer im Publikum schon nach Sekunden anfingen zu lachen.
„Nanu, da scheint ein ganz schön steiler Wind vor den britischen Torringen zu wehen. Zumindest hat Stuart ordentlich Probleme geradeaus zu fliegen.“, kommentierte Grönberg schalkhaft.
Lustig war das Ganze aber nur so lange, bis Alexei Bershov mit dem Quaffel auf sie zu flog. Der Mann warf den Quaffel weder sonderlich hart, noch sonderlich präzise. Severus fand, dass Bershovs Wurf sogar beinahe als behutsam bezeichnet werden konnte. Jeder Anfänger hätte einen solchen Wurf aufhalten können. Sogar Severus wäre dazu in der Lage gewesen.
Stuart nicht! Wie ein verschreckter Pandabär schlug sie wild mit den Armen um sich. Sogar ihre Beine zappelten konfus herum. Und der Quaffel rauschte einfach ungehindert an ihrer rechten Schulter vorbei ins Tor hinein.
Die ersten Buuh-Rufe kamen nicht von den russischen Fans, sondern von den britischen!
„Was für eine Blamage!“, rief der Stadionsprecher. „Meine Damen und Herren, wenn ich sie erinnern darf, dass hier ist das Finale der Weltmeisterschaft! Und das hier ist das Beste, was uns Großbritannien zu bieten hat? Erst Watson und nun das hier? Was für eine Schande! In all meinen Jahren in diesem Sport habe ich niemals etwas so erbärmliches gesehen!“
Nicht nur Grönberg war sauer! Die Stimmung im ganzen Stadium war einfach gekippt.
Unterhalb ihrer Loge sang eine Gruppe Briten wiederholt lautstark: „Du hast die Haare schön! Du hast die Haare schön! Nur fliegen kannst‘e nich‘!“
Von weiter rechts kam aber genauso laut und Vielstimmig: „Verarschen können wir uns alleine! Wir brauchen keine fliegenden Schweine! Verarschen können wir uns alleine! Wir brauchen keine fliegenden Schweine!“
Severus fand das ziemlich hart. Andererseits sollte man als Profisportler am besten vorher wissen, dass man sich dem Urteil von hunderten Hobby-Schiedsrichtern aussetzte. Und es gab halt einfach Sachen, die sollte man komplett bleiben lassen.
Komplett betrunken Quidditch zu spielen gehörte auf jeden Fall dazu!
„Kann man ihr nicht wenigstens einen Ausnüchterungstrank an den Kopf werfen?“, fragte der einzig andere Mann, der neben Draco und Severus hier oben dabei hockte. Er hatte einen ziemlich üppigen Bart und war bestimmt schon Mitte sechzig. „Snape, Sie sind doch ein Zaubertrankexperte. Haben Sie zufällig was Passendes dabei?“
„Dabei schon, aber das wird vermutlich nichts bringen.“, antwortete Severus sachlich und blickte zu dem Mann rüber. „Bei Alkoholmissbrauch gewöhnt sich der Körper auch an die Wirkung des Ausnüchterungstranks. In dem Versuch den Missbrauch zu verstecken, nehmen die Erkrankten diese Notfalllösung viel zu oft und in zu hohen Mengen ein. Bis er gar nicht mehr wirkt. Leider verlassen sich die Erkrankten bis zu diesem Punkt schon so stark auf diese einfache und schnelle Lösung, dass sie es irgendwann komplett übertreiben. Dann wollen sie den Ausnüchterungstrank nehmen, welcher nicht wirkt. Nicht selten endet das im Tod durch Alkoholvergiftung.“
Mrs. Hart kaute an ihrer Unterlippe herum und blickte auf ihren Lebensgefährten, welcher inzwischen nur wenige Meter über dem Trainer der britischen Mannschaft in der Luft schwebte und hitzig mit diesem zu diskutieren schien. Das seine Teamkollegen eigentlich seine Hilfe gebrauchen konnten, ignorierte der Jäger dabei komplett. Ginevra und Gibson gaben zwar weiter ihr Bestes, aber das brachte wenig, wenn die russischen Jäger im Grunde ungehindert punkten konnten.
„Sollen wir es nicht trotzdem versuchen?“, fragte sie aufgebracht. „Das ist gefährlich! Wir hatten schon genug Verletzungen.“
Severus zuckte die Schultern und zog ein kleines Fläschchen aus seinem Notfall-Sack. „Tun Sie sich keinen Zwang an.“
Er wollte es an Mrs. Hart reichen, doch Anita Lewis griff zuerst zu.
„Ich mach das. Ich weiß schon, wo ich am besten hin apparieren kann. Bis gleich.“ Und wieder verschwand sie mit einem leisen Ploppen.
Sie tauchte direkt neben dem Trainer wieder auf und mischte sich in das Gespräch ein, welches dort unten standfand.
Unterdes wurden die Schmähgesänge der Zuschauer immer lauter.
„Und wieder verhauen!“, seufzte Grönberg, als die Russen zum achten Mal seit Stuarts Einwechslung trafen. „Vielleicht wäre es wirklich besser, wenn sich die Briten dazu entscheiden würden ganz ohne Hüter weiterzuspielen. Schlimmer kann es nicht werden!“
Draco lehnte sich zu Severus rüber und fragte flüsternd: „Meinst du, sie haben noch einen Hüter in der Hinterhand? Oliver Wood vielleicht?“
Severus schüttelte sofort den Kopf. „Nein. Wood ist immer noch in Behandlung, nachdem er sich sein Knie komplett demoliert hat. Der ist es auf jeden Fall nicht.“
Severus wusste das genau, da er selbst den Trank entwickelt hatte, welcher das Knorpelgewebe in Woods Knie regenerieren sollte.
Unten auf dem Feld gab Anita Lewis gerade Severus Zaubertrank an James Hart weiter, welcher damit sofort zu den Torringern rüber sauste. Dort entstand direkt der nächste Streit. Auch ohne die beiden Spieler hören zu können, konnte man klar erkennen, dass Stuart sich weigerte den Trank zu nehmen.
„Liebe Zuschauer, man kann fast nur darauf hoffen, dass der Jäger James Hart Roswetta Stuart ein bisschen Verstand und am besten auch Talent einreden kann. Aber ein gezielter Kinnhaken kann eigentlich auch nicht schaden.“, schlug Grönberg fies vor.
In Wahrheit passierte nichts von beidem.
Tatsächlich bekam Stuart einfach nur einen kolossalen Wutanfall!
Angestachelt durch ihre eigene getrübte Urteilskraft, die demütigenden Gesänge, die gemeinen Sprüche des Kommentators und die schlecht unterdrückte Wut ihres Teamkollegen, zog Stuart ihren Zauberstab und griff an! Mehrere Flüche schossen auf Hart zu, verfehlten ihn aber glücklicherweise alle. Dafür schossen sie auf direktem Wege auf die Zuschauer-Tribünen zu. Die Leute ließen sich schreiend zu Boden fallen. Kinder begannen schrill zu weinen.
Der Schiedsrichter ließ einen Pfiff ertönen, der es irgendwie schaffte besonders hoch und genervt zu klingen.
„Auszeit! Das Sicherheitspersonal betritt das Spielfeld, um Roswetta Stuart in Gewahrsam zu nehmen. Ladys und Gentlemen, solche Szenen habe ich noch nie erlebt! Bei jeder Amateur-Liga geht es sittsamer zu. Nach diesem Benehmen sollte der Verband absolut über ein lebenslanges Spielverbot für Miss Stuart nachdenken.“
Severus konnte nicht behaupten, dass er da anderer Meinung war.
Roswetta Stuart war völlig außer Rand und Band! Sie kreischte, sie schrei, sie trat nach dem Sicherheitspersonal und versuchte den Schiedsrichter zu beißen. Der Schiedsrichter verteidigte sich selbst, indem er der Frau eine schallernde Backpfeife verpasste. Doch auch das brachte die betrunkene Frau nicht zurück auf den Boden der Tatsachen.
Alle anderen Spieler waren in der Zwischenzeit gelandet und sahen mit absolutem Unglauben dabei zu, wie Stuart es irgendwie schaffte sich ihre Uniform auszuziehen. Dummerweise hatte das Sicherheitspersonal die Frau an eben jener festgehalten. Stuart nutzte ihren Besen, um damit die letzten Security-Männer los zu werden und lief dann hysterisch lachend über die Rasenfläche davon.
Überall auf den Rängen hielten Eltern ihren minderjährigen Kindern die Augen zu, denn Stuart hatte unter ihrer Uniform keine weitere Kleidung getragen und ihre Brüste hüpften nun frei fröhlich umher. Severus hätte wirklich auf das Wissen verzichten können, dass diese Frau einen Kobold auf dem Bauch tätowiert hatte, welcher beide Mittelfinger erhoben hatte.
Der Sprecher machte ein würgendes Geräusch. „Das hier ist ein Sportevent! Keine billige Piep Show! Kann sie jetzt bitte endlich mal jemand mit einem Schockzauber belegen?“

Während das Sicherheitspersonal bemüht war die verrückt gewordene Frau wieder einzufangen, hatte der Rest des britischen Teams sich um ihren Trainer herum versammelt.
Es sah sehr danach aus, als versuchte das Team ihren Coach von irgendwas zu überzeugen. Alle gestikulierten wild umher, nur der Trainer hatte die Arme fest vor der Brust verstränkt. In einer Geste von absoluter Frustration warf der Treiber Noah Rees seinen Besen auf den Boden, bevor auch er sich auf den Rasen niederließ. Der Rest des Teams folgte seinem Beispiel.
„Das wird einfach immer besser und besser hier!“, höhnte Grönberg kalt. „Die britische Mannschaft veranstaltet nun offenbar einen Sitzstreik und einer der Sicherheitsmänner wurde von Stuarts linker Brust niedergeschlagen. Ganz ehrlich, gebt den Russen einfach den Pokal. Das bringt hier doch alles nichts!“
Diese Aussage wurde von den russischen Fans mit großem Beifall kommentiert.
Tatsächlich hatte die Security inzwischen die Situation aber halbwegs im Griff. Irgendwer hatte Stuart mit einem Fesslungsfluch außer Gefecht gesetzt und nun trug man sie zu viert vom Feld.
Das bedeutete aber auch, dass der Schiedsrichter sich nun wieder mit der britischen Mannschaft auseinandersetzen konnte. Mit eisernem Gesichtsausdruck trat er auf den Trainer zu und forderte Antworten dazu, wie es jetzt weitergehen sollte. Es war jedoch nicht der Coach, der antwortete, sondern Ginevra. Mit einer ziemlich rüden Handgeste bedeutete sie dem Mann den Mund zu halten und trat dann selbst auf den Schiedsrichter zu.
Mit klaren und präzisen Gesten deutete sie auf ein paar ihrer Teamkollegen, welche daraufhin nickten oder einen Daumen hoch hielten. Einen Augenblick lang schien der Schiedsrichter noch zu überlegen. Dann nickte er und gab Ginevra die Hand drauf.
Die rothaarige Jägerin zückte ihren Zauberstab, schwang ihn und vor ihr erschien ein riesiger leuchtender Patronus in der Form eines Pferdes. Sie sagte nur wenige Worte zu dem Schutzgeist, bevor dieser auch schon davon galoppierte.
„Ich bin so gespannt, wenn sie jetzt noch aus der Mottenkiste ziehen!“, sagte Draco neben Severus und hopste etwas auf seinem Sessel herum.
Mrs. Hart schnaubte. „Wenn sie nur ein bisschen Verstand haben, dann kehren wir jetzt zum ursprünglichen Kada zurück. Alles andere macht keinen Sinn!“
Severus wollte gerade erneut dazu ansetzen nachzuhaken, da ertönte hinter ihnen ein Ploppen.
Alle drehten sich zu Anita Lewis um.
„Und?“
Die Frau strahlte über das ganze Gesicht. „Sie machen es. Sie holen Harry!“
„Harry wer?“, fragte Draco und sein Gesicht war irritiert verzogen.
In Severus Brust hatte sich allerdings schon eine Vermutung breitgemacht.
Es war aber nicht Lewis welche antwortete. Stattdessen schwang sich der Schiedsrichter zurück auf seinen Besen und richtete seinen Zauberstab auf seine Kehle.
„Multiple Spielerwechsel!“, verkündete der Mann sachlich. „Johnny Gibson ersetzt Roswetta Stuart als Hüter. Bradley Lewis ersetzt Johnny Gibson als Jäger. Und die Position des Suchers wird übernommen von…“
Es war ganz klar, dass der Kerl die dramatische Pause machte, um die Wirkung seiner Worte genießen zu können. Und tatsächlich schien das ganze Stadion die Luft anzuhalten.
„Von Harry Potter!“
Auf dem Bildschirm tauchte der übliche Timer auf und drum herum explodierte das Stadion vor Jubelrufen!
Allerdings nicht nur durch die britischen Fan. Dort unten freute sich nicht nur Großbritannien!
Severus sah rüber zu den Spieler-Partnern der Russen und betrachtete, wie die blonde Frau mit ihrer Tochter auf die Hüfte gestützt tanzte. Das ca. vierjährige Mädchen klatschte so gut es Kinder in dem Alter halt konnten.
Nur einer war nicht begeistert. Draco!
„Was ist das denn für eine seltendämliche Idee?“, fragte er miesepetrig.
Mrs. Lewis und Mrs. Hart warfen Draco einen entsetzten Blick zu. „Wie bitte? Gehörst du etwas auch zu diesen engstirnigen Menschen, die einfach aus Prinzip was gegen Werwölfe haben?“
Draco rümpfte die Nase. „Blödsinn! Ich hab etwas dagegen, dass MEINE Verlobte lieber ihren Ex-Freund zur Hilfe ruft, anstatt mich! Ich bin ein genauso guter Sucher wie Potter.“
Das war faktisch einfach falsch. Wenn Draco Potter gefährlich geworden war, dann nur weil Draco irgendwelche fiese Tricks genutzt hatte.
Severus verdrehte die Augen und schüttelte sachte den Kopf. Das sah Draco jedoch nicht. Er war zu sehr damit beschäftigt die beiden Frauen wütend anzustarren, welche lauthals über seine Aussage lachten.
„Das ist nicht witzig!“, fauchte Draco.
„Doch das ist es!“, kicherte Anita. „Als ob du irgendeine Art von Gewalt über Ginnys Entscheidungen hättest, nur weil du zufällig mit ihr verlobt bist. Sie ist eine clevere, selbstständige Frau!“
Mrs. Hart nickte eifrig. „Und dich habe ich noch nie irgendwo fliegen sehen! Harry hingegen ist ein Gott auf dem Rennbesen!“
„Woher wollt ihr denn das wissen? Potter fliegt schon seit Jahren nicht mehr.“, schimpfte Draco. „Und selbst wenn er noch so gut wäre, wie zu unserer Schulzeit, ändert das nichts daran, dass er immer nur ein Amateur war. Mehr nicht.“
Die Frauen wechselten einen Blick und lachten noch lauter.
Mr. Vollbart versuchte zu schlichten. „Tina, Anita, gönnt dem armen Kerl mal ein bisschen Ruhe. Er weiß es ganz offensichtlich nicht besser!“
Severus hatte kein Interesse mehr dem Gespräch zu folgen. Seine Aufmerksamkeit lag auf dem Spiel und den anderen Zuschauern.
Er selbst war auch neugierig darauf zu sehen, was aus Potter geworden war. Der Klitterer benutzte jedes Mal, wenn sie ein Interview mit dem Mann veröffentlichten ein Foto aus dessen Schulzeit. Das war inzwischen natürlich über zehn Jahre alt und garantiert nicht mehr aktuell.
Und der Tagesprophet wurde jedes Mal mit Klagen überhäuft, wenn man dort versuchte sich in Potters Privatleben einzumischen. Daher hatten sie damit aufgehört Fotos von dem Mann zu drucken. Die letzten Bilder, die Severus daher gesehen hatte, waren jene von Potters schlimmen Wunden gewesen. Und diese hatten sich natürlich auf die Wunden in Nahaufnahme konzentriert und waren nicht gerade ein druckfähiges Portrait gewesen. Selbst besucht hatte Severus Potter damals auch nicht, da er sich sicher gewesen war, dass der Mann seine Ruhe brauchte und Severus nicht sehen wollte.

Der Timer war inzwischen schon gut zur Hälfte abgelaufen.
Das Spiel ging bereits weiter. Irgendwie hatte man aber fast den Eindruck, dass sich die Spieler beider Seiten zurückhielten und warteten.
Unter den Zuschauern echoten die Rufe nach: „Potter! Potter! Potter!“
Gepaart wurde das mit rhythmischem Klatschen. Doch es dauert nicht sehr lange und die Anfeuerungsrufe veränderten sich. Das Klatschen wurde immer gleichmäßiger. Und dann drangen die ersten Zeilen eines Liedes an Severus Ohren, welches er nicht kannte.

Each and every day
Hiding from the sunshine
Wandering in the shade
Not too old, not too young

Every night again
Dancing with the moonlight
Somewhere far away
I can hear your call

Das Lied wurde durch vielstimmiges Wolfsgeheul unterbrochen, nur das dieses natürlich aus menschlichen Kehlen stammte. Trotzdem krabbelte Severus eine Gänsehaut den Nacken hoch.
Er hielt sich wirklich nicht für den emotionalsten Mann der Welt. Eher im Gegenteil. Aber es war einfach nicht möglich nichts zu fühlen, als noch mehr Leute in das Lied einstimmten und enthusiastisch sangen:

I’m out of my head
Of my heart and my mind
'Cause you can run but you can’t hide
I’m gonna make you mine

Out of my head
Of my heart and my mind
'Cause I can feel how your flesh now
Is crying out for more

“Whoaauuu-Auuu-Auuuu!”, heulten die Frauen neben Severus und warfen die Köpfe in den Nacken, obwohl dort oben kein Mond am Himmel stand. Es war schließlich gerade einmal Nachmittags.
Der zynische Teil in Severus fragte sich, ob ein solch romantisierender Song, welcher sich ganz klar auf die Lykanthropie bezog, nicht wahnsinnig beleidigend für jeden Werwolf sein musste. Lykanthropie war eine infektiöse, schmerzhafte Erkrankung. Kein Fluch wie in die Schöne und das Biest, welcher durch wahre Liebe gebrochen werden konnte. Statt Potter also anzuspornen, sollte es ihn eigentlich abschrecken.
Der realistische Teil in Severus wusste aber, dass Potter sich davon vermutlich eher geschmeichelt und angestachelt fühlen würde.
„Hören Sie das, Minister Silver?“, rief Grönberg, als die nächste Strophe erklang.

Ain’t no fairytale
What I see in your eyes
Awaiting your mistake
Not too close, not too far

Sneaking in the pain
Every truth becomes lie
I won’t trust myself
Once I hear your call

Auch Grönberg stimmte in das Wolfsgeheul ein, bevor er verlangte: “Hören Sie hin, Minister! Sehen Sie die Begeisterung, mit der Ihre Bürger diesen von Ihnen vergrämten Mann bejubeln und feiern? Die Menschen dieser Welt sind schon lange nicht mehr so rückständig, dass sie eine Person nur aufgrund einer Krankheit ausschließen. Ihr Volk liebt Harry Potter und der einzige, der noch immer nicht über seine Erkrankung hinwegsehen kann sind Sie! Eine Erkrankung wohlgemerkt, welche er sich im Dienst für Ihre Regierung zugezogen hat! Schande über das britische Ministerium und seine Entscheidungsträger!“
Prinzipiell sah Severus das ähnlich. Eine Krankheit definierte einen Menschen nicht. Es kam ihm allerdings reichlich albern vor die aktuelle Szenerie für Politik zu nutzen. Außerdem war Minister Silver, welcher der Nachfolger von Shacklebolt war, schon immer ein recht sturer Esel und würde auf eine solche Provokation vermutlich eher wütend, als einsichtig reagieren.
Die Ehrenloge war allerdings zu weit weg und zu dunkel, als das Severus den Gesichtsausdruck des Ministers hätte erkennen können.
Dafür konnte er sehr gut erkennen, dass es Zeitlich langsam sehr eng wurde. Die letzten zwanzig Sekunden waren angebrochen.
„Er wird es nicht rechtzeitig schaffen!“, sagte Draco und klang dabei recht selbstzufrieden.
Severus schnaubte. „Er wartet bis zur letzten Sekunde, um einen möglichst dramatischen Effekt zu erzeugen.“
Severus hatte Recht, auch wenn er seinen fiesen Kommentar nur halb ernst gemeint hatte. Und die Tatsache, dass Potter zwei Sekunden vor Ablauf der Uhr in vollem Sprint und nur mit einem Arm in der Uniform auf das Feld gerannt kam, war eigentlich eher ein Hinweis darauf, dass der Mann einfach wirklich weit weg gewesen war, als Ginevras Patronus ihn erreicht hatte. Trotzdem war er schon in der Luft, bevor er sich zu Ende angekleidet hatte.
Der Applaus im Stadion war so laut, dass Severus sich sicher war, dass man diesen Radau auch noch in Stockholm hören konnte.
„Und hier kommt Harry Potter!“, rief Grönberg gönnerhaft. „Guter Mann, ziehen Sie sich erstmal richtig an. Wir hatten heute schon genug nackte Haut!“
„Och, muss nicht sein!“, murmelte Tina Hart erhitzt und wedelte sich selbst Luft zu. „Ich bin wirklich glücklich verheiratet, aber bei Merlins Unterhose, Harry ist heiß. Schaut euch diese Schultern an!“

Oh ja, Severus schaute! Und er schluckte, weil er plötzlich einen sehr trockenen Mund hatte.
Normalerweise waren Sucher klein, leicht und flink.
Potter war das genaue Gegenteil!
Während Potter peinlich berührt lachte und seine Uniform hastig zuknöpfte, erhaschte Severus einen Blick auf muskelbepackte Schultern, welche noch immer von tiefen rosigen Narben gekennzeichnet waren. Genau, wie auch sein bärtiges Gesicht auf der rechten Wange zwei tiefe Furchen trug.
Als der Mann sich leicht drehte, um der Treiberin Lexi Rogers die Hand zu schütteln, fiel sein Blick außerdem auf Potters freiliegende Brust. Eine sehr haarige, breite Brust.
Draco keuchte und schlug Severus hart gegen den Oberarm.
„Das Tattoo!“, sagte er verblüfft. „Sieh dir das Tattoo an seinem Hals an! Das ist das Symbol von Grimms Besen, dem Hersteller von Shadowclaw.“
Mr. Vollbart brummte. „Hast du es endlich verstanden, ja?“
Severus sah den Mann mit hochgezogener Augenbraue an und dieser erläuterte: „Harry Potter ist der Mann, der hinter Grimms Besen steht! Er ist der Eigentümer der Firma. Er stellt jeden einzelnen Besen in Handarbeit her und er hat sie alle individuell auf die Flieger eingestellt. Natürlich hat er daher auch mit jeder einzelnen Mannschaft, die an dieser Weltmeisterschaft teilgenommen hat, Zeit verbracht um sicher zu stellen, dass Besen und Reiter harmonieren. Und dadurch hat auch jeder von uns ihn schon auf einem Besen gesehen. Denn wir kommen auch zum Training, um unsere Familie zu unterstützen, und nicht nur zum finalen Spiel!“
Draco reagierte auf diesen versteckten Vorwurf nicht unbedingt gut. Severus hörte seinen Kiefer knacken und sah wie sich seine Fäuste ballten.
Severus ahnte schon, dass Draco nun anfangen würde sich heftig zu streiten und er hatte kein Interesse daran teilzuhaben. Er stand daher auf und holte sich von der Getränkebar einen Kürbissaft. Im Anschluss stellte er sich ganz rechts ans Geländer und lenkte seinen Blick zurück aufs Spiel.

Mit Potters erscheinen hatten sämtliche Spieler neue Motivation erhalten.
Der Quaffel wechselte so schnell die Hände, dass Severus ihn nur als undeutliche rote Scheibe aufblitzen sah. Eine solche Geschwindigkeit hatte er zuletzt bei einem Eishockey-Spiel gesehen zu welchem Minerva und Rolanda ihn vergangenen April mitgeschleppt hatten.
Grönberg hatte keine Zeit mehr, um bissige Kommentare einzuwerfen, da er vollauf damit beschäftigt war die Namen der Jäger runter zu rattern.
Trotzdem hatte sich die auch die Atmosphäre komplett geändert. Als Bershov ein Tor schoss, obwohl Gibson sich an einem Bein von seinem Besen hängen ließ um den Quaffel noch aufzuhalten, klatschten nicht nur die russischen Fans. Als Noah Rees es mit einem gezielten Schlag gegen den Klatscher schaffte den gerade geworfenen Quaffel von Rabinovich aus der Bahn zu kicken, jubelten nicht nur Briten.
Severus Augen aber klebten an Potter. Er hätte nicht einmal sagen können wie genau das Spiel gerade stand.
Er war wie hypnotisiert. Hoch oben drehte Potter seine Kreise und bei jeder weiteren Drehung wurde Severus heißer und schwindliger.
Selbst durch den hässlichen kastanienbraunen Stoff hindurch konnte Severus das Spiel seiner Rückenmuskulatur erkennen. Die massiven Oberschenkel spannten sich auf beiden Seiten des Besenstiels und ließen Potter Hinter aussehen wie einen übergroßen reifen Pfirsich, in welchen Severus nur zu gerne reinbeißen würde.
Potters grüne Augen, erregt durch die Aufregung des Spiels und beeinflusst durch die Lykanthropie, leuchteten hell und durchschnitten die Umgebung wie ein Skalpell. Der Zaubertrankmeister wünschte sich, dass Potter mit seinen Augen die Kleidung von Severus Körper brennen würde.
Potter legte sich auf seinen Besen, um wie eine Kanonenkugel nach vorne zu schießen und Severus stellte sich vor, dass er vor Potter auf dem Besen saß und von dessen harter Brust niedergedrückt wurde.
Erhitzt öffnete er die zwei obersten Knöpfe seiner Robe.

Severus kannte dieses Verhalten von sich selbst schon.
Es war immer so gewesen, dass er sich zu den gefährlichsten Männern hingezogen fühlte. Sebastian Flint war sein Erster gewesen. Severus hatte gewusst, dass der ältere Schüler eine brutale Ader hatte, aber gerade das hatte ihn gereizt. Bis er die ersten Verletzungen davongetragen hatte. Tom Riddle war der Zweite. Leider war Severus damals noch dumm genug die Realität nicht zu erkennen, in welche er sich dadurch begab. Aber wenigstens hatte er mit diesem Monster keinen Sex gehabt.
Auch danach waren die Männer, welche ihn anzogen, nicht unbedingt besser.
Drogendealer, Schwarzmagier und Kriminelle. Je Gefährlicher der Mann, desto größer Severus Erregung. Aber er war klug genug sich nicht darauf einzulassen. Wenn er es ganz dringend nötig hatte, suchte er sich einen Prostituierten, aber er ging nie das Risiko ein von einem so gefährlichen Mann zerstört zu werden.
Harry Potter gehörte in die Kategorie ‚Gefährlicher Mann‘.
Er war ein Werwolf und Werwölfe waren immer gefährlich. Obendrein hatte er Geld wie Heu, welches er nach jedem Problem werfen konnte, um es im Keim zu ersticken, Einfluss der einen in den Ruin treiben konnte und so viel Magie, dass er unter Umständen eine Kernschmelze des Planeten damit verursachen könnte.
Gleichzeitig konnte Severus sich aber kaum einen Menschen vorstellen, welcher ihn in einer Beziehung fairer behandeln würde, als Potter. Der Kerl hatte einen Helfer-Komplex sondergleichen! Er war treu bis in den Tod und hatte keinerlei aggressive Tendenzen. Zumindest hatte Severus ihn als Schüler nie so wahrgenommen. Auch wenn er natürlich wusste, dass Potter nicht perfekt war. Stur und dickköpfig und engstirnig konnte er sein. Und so unglaublich dumm!
‚Und so heiß, dass er den Permafrost in Sibirien schmelzen könnte!‘, dachte Severus, als er dabei zusah, wie Harry sich kopfüber von seinem Besen hängen ließ, um einem Klatscher zu entgehen. Bei lösten sich seine langen, wilden Locken aus dem Dutt in welchem er sie bis dahin getragen hatte und hingen herunter wie ein wirrer Vorhang.
Severus spürte es in seinem Schritt begierig pochen, als Potter sich wieder aufrichtete und ihm seine Locken nun um die Schultern fielen und sachte im Wind herumwirbelten.
In seinen Teenager-Jahren hatte Severus mal einen Porno-Film gesehen, in welchem es um Tarzan gegangen war. Ein halbnackter Mann, welcher unter Affen aufgewachsen war und der sich selbst die Hälfte der Zeit wie ein Tier benahm. In dem Porno hatte er sich Frauen und Männer gleichermaßen genommen und sie wie ein wildes Tier gefickt. Severus hatte sehr oft zu diesem Film masturbiert und dachte auch heute noch ca. zwei Mal im Jahr daran. Und Potter sah in diesem Moment dem Hauptcharakter sehr ähnlich!
‚Vielleicht sollte ich herausfinden, wo man einen Lendenschurz kaufen kann?‘, überlegte er und verwarf den Gedanken dann sofort, als ihm wieder einfiel, dass Potter für ihn ungefähr so erreichbar war, wie der Mond. Aber die Vorstellung hatte trotzdem etwas.
Potter hob die Arme über den Kopf um einem der russischen Spieler zu einem kunstvollen Tor zu gratulieren und Severus Augen hingen an seinen kräftigen Oberarmen. Damit wäre er sicher auch stark genug, um sich an einer Liane durch die Gegend zu schwingen.
Und wenn man dann noch Magie dazu nahm waren die Möglichkeiten schlicht endlos!

Vermutlich hätte Severus sich nun gedanklich in eine Endlosspirale aus sexuellen Fantasien hineingesteigert, wenn Dracos wütendes Geschrei ihn nicht unterbrochen hätte.
„Es ist mir schleiß egal, dass Potter fünf Tage in der Woche auf dem Besen verbringt!“, schrie er. „Ginny ist meine Verlobte und wenn dieser Hurensohn es auch nur wagt sie anzufassen, dann hacke ich ihm seine Hände ab! Mal sehen, womit er dann den Schnatz fängt.“
„Na, mit dem Mund! Ist ja nicht das erste Mal.“, rutschte es Severus raus und er brachte damit die restlichen Spieler-Partner zum Lachen.
Wütend starrte Draco nun ihn an. „Auf wessen Seite bist du eigentlich?“
Severus verdrehte die Augen. „Immer auf der Seite, welche mir weniger auf den Geist geht.“
‚Oder deren Schwanz ich lutschen möchte!‘, dachte er sich im stillen.
Draco starrte ihn aufgebracht an, doch Severus sah einfach nur ganz ruhig zurück. Sein Patensohn hätte in all den Jahren, die sie einander jetzt schon kannten, wirklich lernen müssen, dass Severus nicht lügen würde, nur um sein Ego zu streicheln.
Bevor ihr Disput jedoch weiter eskalieren konnte, ging ein Aufschrei durch die Meute der Zuschauer und als Severus den Kopf wieder dem Spiel zudrehte, sah er, wie Potter und der russische Jäger Tkachenko in einem irren Tempo auf die südliche Fankurve zurasten. Kurz vorher machten sie einen dramatischen Schlenker nach links und damit direkt auf Severus zu. Potter hatte ganz klar die Nase vorne, obwohl er mindestens doppelt so breit gebaut war, wie sein Gegner.
Severus versuchte den Schnatz zu entdecken, fand ihn aber nicht. Stattdessen erregte eine andere Bewegung seine Aufmerksamkeit. Doch diese kam von oberhalb der Sucher. Auch hier erkannt Severus nicht, was es war, bis es Potter direkt in die ausgestreckten Arme fiel. Abrupt bremste der Mann ab. Und Tkachenko musste ebenfalls anhalten, sonst wäre er ungebremst in Potter reingeknallt.
Verwirrt starrten die beiden Männer auf den Klatscher-Schläger in Potters Armen.
Potter kratze sich sogar nachdenklich am Kopf.
Dann hielt Anna Kuvayeva mit hoch rotem Gesicht neben ihnen an und lachte peinlich berührt.
„So kann man den Fang des Schnatzes natürlich auch aufhalten, wenn man gerade keinen Klatscher in der Nähe hat. Man wirft einfach seinen Schläger nach den Suchern!“, stichelte Grönberg.
Die beiden Sucher nahmen es aber mit Humor. Als Anna Kuvayeva nach dem Schläger griff, um diesen wieder an sich zu nehmen, drehte Potter sich leicht von ihr weg, als wolle er ihn behalten. Doch Tkachenko schlug ihm spielerisch gegen die Schulter, woraufhin Potter lachte und seine Beute doch wieder rausrückte.

Das Spiel ging weiter, aber der Schnatz war natürlich wieder verschwunden.
Severus Augen folgten Potter, als dieser seinen Besen in die Höhe peitschte und dann über allen kreiste wie ein Raubvogel auf Beutezug.
Schon als der Kerl noch ein winziger Erstklässler gewesen war, hatte Severus sich gewundert, wie mühelos Potter das Fliegen aussehen ließ. Und selbst als Kleinkind hatte er schon ausgesehen, als gehöre er einfach auf einen Besen. Das hatte Severus sogar auf diesem einzigen Foto sehen können, welches er damals bei der Durchsuchung des Grimmauld Platzes in Blacks altem Schlafzimmer gefunden hatte.
Dennoch war nicht zu leugnen, dass Potter in den vergangenen Jahren noch an Geschick, Selbstbewusstsein und Eleganz dazu gewonnen hatte.
Gezielt blickte Severus zum gegnerischen Sucher Tkachenko rüber und versuchte diese beiden so ungleichen Männer zu vergleichen. Harry war breitschultrig und Muskelbepackt, Tkachenko war sehnig und zäh. Da wo Harrys Bewegungen gleitend und fließend waren, wie Wasser in einem Fluss, waren Tkachenkos Bewegungen kantig und zackig, wie ein geladener Blitz. Harry strahlte ruhige Kraft aus und Tkachenko ungezügelten Elan.
Harrys Augen suchten das Spielfeld in ruhigen Mustern ab, ließen nichts aus und verweilten im Zweifel auch Mal einen Moment. Die Augen von Tkachenko zuckten so schnell über die Umgebung, wie ein Tennisball bei einem Meisterschaftsspiel. Sie zuckten weg und kehrten zurück, nur um sofort wieder auf etwas anderes gelenkt zu werden.
Die zwei waren vollkommen gegensätzlich.
Trotzdem waren beide Methoden ganz klar effektiv, denn nur wenige Minuten später war es Tkachenko, welcher sich zuerst flach auf seinen Besen legte und in einer irren Geschwindigkeit vorwärts raste. Potter ließ sich aber gar nicht lange bitten.
Das Publikum schrie erschrocken auf, als Harry sich wie ein Stein aus der Höhe von 40 Metern in die Tiefe fallen ließ. Für viele sah es vermutlich aus, als hätte er die Kontrolle über seinen Flug verloren, aber Severus wusste es besser. Er sah die leuchtenden Augen und auch wie Potter konzentriert auf seine eigene Unterlippe biss. Durch den Sturzflug holte Harry sehr schnell auf. Tkachenko war ihm aber dennoch ein paar Meter voraus.
„Und das könnte ganz knapp für Potter werden. Kann er seinen Gegner noch einholen?“, rief Grönberg.
Severus spürte, wie sich seine eigenen Muskeln anspannten und er die Luft anhielt, als der Russe den Arm vom Besenstiel löste und die Finger nach dem Schnatz ausstreckte. Nur noch wenige Handbreit trennten ihn von der goldenen Kugel und Harry war noch immer gute drei Meter hinter seinem Gegner.
Und dann wurde Tkachenkos Besen aus dem Nichts heftig von einem Klatscher am Schweif getroffen!
Grönberg johlte: „Guter Treffer von Lexi Rogers! Einen Klatscher bei diesen Geschwindigkeiten so präzise zu lenken, ist ein echtes Talent. Das muss nun leider auch Tkachenko feststellen!“
Der Sucher verlor die Kontrolle, als sein Besen sich wie ein riesiger Kreisel zu drehen begann.
Allein vom Zusehen wurde Severus schon schlecht. Und Tkachenko schien es ähnlich zu gehen, denn Severus konnte sehen, wie dieser mit jeder Umdrehung etwas grüner im Gesicht wurde und schließlich rutschte er seitlich von seinem Besen ab. In allerletzter Sekunde schaffte er es noch den Stiel zu packen, doch er hing nur noch an wenigen Fingern an seinem Besen. Und noch während Severus sich fragte, ob dieses Spiel vielleicht verflucht war, rutschte auch der letzte Halt des Russen ab und er fiel.
Doch dieses Mal sahen nicht einfach alle unbeteiligt dabei zu!
Potter, welcher die Situation seines Gegners zu seinem eigenen Vorteil hätte nutzen können, um selbst den Schnatz zu fangen, endschied sich anders. Im Bruchteil einer Sekunde wendete er und stürzte seinem Gegner hinterher.
Sein Arm schoss hervor und die Hände der beiden Männer fanden sich mitten in der Luft. Der Griff sah selbst von Severus Platz aus schmerzhaft aus. Potters Fingerknöchel traten weiß hervor und vermutlich protestierten auch dessen Ellbogen und Schultergelenk bei so viel Gewicht an nur einer Hand. Aber das Rettungsmanöver war gelungen. Tkachenkos Fall war aufgehalten und eine weitere schwerwiegende Verletzung verhindert worden.
In der Spielerpartner-Loge der Russen war das Geschrei groß und die blonde Frau mit dem kleinen Mädchen hatte sogar Tränen in den Augen.
Unter dem ohrenbetäubenden Jubelgeschrei der Fans, zog Potter den anderen Mann zu sich auf den Besen, bevor er diesen zurück zu seinem eigenen Fluginstrument brachte. Severus konnte sehen, wie Potter sich besorgt zu seinem Gegner rüber beugte und mit ihm sprach, als dieser wieder sicher auf seinem Besen saß. Tkachenko nickte etwas zittrig, bevor er Harry fest an beiden Oberarmen packte und ihn in eine kurze, aber kräftige Umarmung zog.
„Das ist echter Sportsgeist!“, rief Grönberg. „Guter Mann, Potter! Sowas möchten wir gerne mehr sehen!“
Potter sagte noch ein paar beruhigende Worte und klopfte dem Russen tröstlich auf den Rücken. Dann trennten sie sich und begannen beide wieder nach dem Schnatz zu suchen.

Unterdessen war das Spiel weitergegangen, auch wenn die anderen Spieler sicherlich nicht verpasst hatten, was sich gerade zwischen ihnen abgespielt hatte.
Severus musste einen Blick auf die Anzeigetafel werfen, da er mal wieder den Überblick über den Punktestand verloren hatte. Aktuell lag Großbritannien mit 330 zu 290 vorne, auch wenn Severus sich nicht erklären konnte, wann so viele Tore gefallen waren.
Er warf einen weiteren Blick auf Potter, der wieder seine Position oben im Himmel eingenommen hatte. Aber für den Moment sah es aus, als wäre Ruhe eingekehrt. Eine Ruhe, die Severus gut gebrauchen konnte, denn ihm war immer noch zu warm und er brauchte dringend ein abkühlendes Getränk.
Während er an der Getränkebar stand, sah er sich kurz nach Draco um. Dieser saß noch immer auf seinem ursprünglichen Platz und hatte seinen Kiefer so fest zusammengepresst, dass es aussah, als könnten seine Muskeln jederzeit verreißen. Aber wenigstens hielt er seine Klappe. Trotzdem hatte er die anderen Partner eindeutig gegen sich aufgebracht, denn alle Plätze auf Dracos Seite der Loge waren evakuiert worden.
Wenn Severus ein mitfühlender Teddybär gewesen wäre, dann hätte er sich nun wieder zu seinem Patenkind gesetzt. Hätte vielleicht sogar versucht Draco zu beruhigen. Aber er war kein Teddybär und Draco hatte sich diese Grube selbst gegraben.
Also nahm Severus sich vom Buffet eine kühle Flasche Mineralwasser mit und hockte sich dann zwischen Mr. Tim Vollbart und Anita Lewis.

Tina Hart, welche auf Anitas andere Seite saß, seufzte entzückt, als Harry hoch oben im Himmel einen Schlenker machte und nun mit dem Rücken zu ihrer Loge zeigte.
„Bei meinem Herz, dieser Hintern!“, sabberte die Frau.
Anita schnaubte. „Ich schwöre, seit du schwanger bist, bist du einfach dauern spitz. Dabei bist du gerade mal in der zwölften Woche.“
„Vierzehnte Woche!“, korrigierte Tina und grinste ungeniert. „Und ich kann nichts dafür. Beschwer dich bei Jamie. Er ist hieran schuld.“
„Du wirst Severus mit deiner Art noch verschrecken.“, meinte Anita, bevor sie sich zu Severus drehte. „Hör ihr einfach nicht zu. Ihre Hormone spielen einfach komplett verrückt.“
Der Zaubertrankmeister zuckte die Schultern. „Lieber dauerhafte Erregung, als ständige Übelkeit.“
Mr. Vollbart schnaubte. „Cheers dazu!“
Er hob seine Teetasse und ließ diese feierlich gegen Severus Wasserflasche klirren, ohne dabei seinen Aufmerksamkeit von Lexi Rogers zu nehmen, welche gerade mal wieder ihren Schläger gegen einen Klatscher krachen ließ.
„Von Harrys Hintern einmal abgesehen, wie siehst du den Kritikpunkt von Mr. Malfoy?“, fragte Anita, welche den Blick stets auf ihren Ehemann gerichtet hielt. „Findest du auch, dass Harry ein mittenmäßiger Spieler ist?“
Severus schnaubte belustig, und tat es ihr und auch allen anderen Spielerpartnern unbeabsichtigt gleich. Seine Augen klebten unablässig nur an diesem einen Menschen, welcher seine Gedanken beherrschte und um dessen Spiel und auch dessen Gesundheit er sich in diesem Moment Sorgen machte.
„Natürlich nicht.“, sagte er recht trocken. „Potter ist fürs Fliegen geboren. Die Art, wie er sich schon in seinem ersten Schuljahr auf dem Besen bewegen konnte, hat lange Zeit dafür gesorgt, dass ich nicht glauben konnte, dass er unter Muggeln aufgewachsen ist.“
Verwirrte blicke trafen ihn von beiden Seiten.
„Ich meine, dass jemand, der schon mit elf Jahren so fliegen kann, eigentlich auf dem Besen aufgewachsen sein muss.“; erklärte er sich. „Draco ist schon mit zwei auf seinem ersten Besen geflogen und er flog in Potters Alter deutlich schlechter. Also war ich die ersten paar Schuljahre überzeugt, dass Potter in seiner Kindheit exzessiv mit einem privaten Trainer geflogen war. So gut war er schon damals. Einfach geboren fürs Fliegen. Und um ehrlich zu sein, wirkte er in seiner Schulzeit manchmal nur dann wirklich glücklich, wenn er auf dem Besen saß.“
Das hatte er gar nicht sagen wollen. Eigentlich war es einen Ticken zu privat und er war normalerweise nie so auskunftsfreudig. Doch als er so dabei zusah, wie Harry oben am Himmel einen Looping drehte und sich dann nur knapp zwei Meter über der Rassenfläche links von den russischen Torringen platzierte, ein entspanntes Grinsen auf dem gebräunten Gesicht, wusste er, dass es die Wahrheit war.
Hin und wieder hatte Severus sich sogar gefragt, ob Harry nur deswegen im Krieg nicht wahnsinnig geworden war, weil ihm das Fliegen mehr half und ausglich, als der beste Therapeut dies gekonnt hätte. Naja, und Granger und Weasley hatten vermutlich auch ihren Teil dazu beigetragen. Aber wer rechnete schon so genau mit.
Mrs. Hart beugte sich etwas vor und lächelte ihn an. „Du magst ihn. Man hört es an deiner Stimme.“
Wieder zuckte Severus die Schultern. „Ich kenne diesen idiotischen Kerl seit bald 20 Jahren. Ich habe ihm das Leben gerettet. Er hat mir das Leben gerettet. Wir haben einander angeschrien, beschimpft und verflucht. An manchen Tagen hätte ich ihm den Dickschädel einschlagen können und keinerlei Reue dabei empfunden. Aber er hat nie aufgehört mich zu überraschen. Und sollte ich jemals in die Situation kommen, dass ich dringend schnellstmöglich Hilfe brauche, weiß ich, dass er sofort einspringen würde. Ganz egal worum es geht.“
Das war erneut eigentlich viel zu persönlich. Diese Menschen waren Fremde. Er wusste nicht, warum er ihnen das alles überhaupt erzählte. Vielleicht wurde er im Alter doch langsam weich. Oder aber sein Multitasking war nicht mehr so gut wie früher. Offenbar konnte er sich nicht gleichzeitig auf Harrys Körper und dessen Bewegungen konzentrieren und dann seine Gedanken vor dem Aussprechen filtern. Andererseits war das nichts Neues. Wenn es um Potter ging, hatte er schon immer Dinge aus seinem Mund purzeln lassen, welche er sonst lieber für sich behalten hätte.
„Das hast du sehr schön gesagt.“, flüsterte Tina und wedelte sich mit der Hand Luft an die Augen, um ein paar Tränen zu verscheuchen, welche sich da zu bilden drohten. „Sorry, die Hormone.“
„Harry spricht auch sehr liebevoll von dir.“, brummte Tim leise.
Severus prustete. „Liebevoll, ah ja. Sicher. Ich wüsste nicht, warum er überhaupt noch über mich sprechen sollte. Wir haben einander ewig nicht gesehen.“
Der andere Mann schüttelte den Kopf. „Es ist nicht so, als würde er sich hinsetzen und einfach über dich erzählen. Es ist eher beiläufig. In einem Moment erzählt er von seinem Kräutergarten, von da aus macht sein Gehirn einen Schlenker zu Zaubertrankzutaten und plötzlich fragt er einen, ob man mitbekommen hat, dass du vor kurzem den Zaubertrank zur Behandlung von Osteoporose um 75% in der Wirksamkeit verbessert hast. Oder er erfährt davon, dass man einen sehr kranken Angehörigen hat, wie meine Schwester, und fragt, ob er helfen kann. Und wenn man das verneint, fragt er als nächstes, ob man dich schon um Hilfe gebeten hätte und das er gerne ein gutes Wort bei dir einlegen würde, wenn man das wünscht. Er hält sehr viel von dir und deinen Fähigkeiten, soviel ist klar.“
Verwundert blinzelte Severus den bärtigen Mann an und spürte ein eigenartiges Ziehen in der Brust, welches er nicht recht deuten konnte. Aus den Augenwinkeln sah er, wie die zwei Frauen rechts von ihm einen komischen Blick miteinander tauschten, doch sie sagten nichts zu dem Thema.

Und selbst wenn Severus hätte nachfragen wollen, so wäre er nicht dazu gekommen, da genau in diesem Moment draußen auf dem Spielfeld fünf schrille Pfiffe direkt hintereinander ertönten.
„Unterbrechung“, rief Grönberg. „Eine Notfall-Pause angeordnet durch unseren Schiedsrichter, welche alle Spieler sofort dazu verpflichtet zu landen. Doch was könnte dies nur ausgelöst habe, fragen Sie sich, liebe Zuschauer? Das Spiel lief doch gut, denken Sie sich? Dann sehen Sie besser noch mal genau hin. Denn dort draußen schweben auf einmal zwei Schiedsrichter in der Luft!“
Nicht nur die Zuschauer sahen sich verwundert um, auch die gerade gelandeten Spieler blickten irritiert in den Himmel und stellten fest, dass der Stadionsprecher recht hatte. Dort oben flogen zwei Gestallten in dunkelroten Schiedsrichterroben umher. Die Roben waren exakt gleich und die Pfeifen auch. Verwirrend war nur, dass sie auch beide das gleiche Gesicht hatten!
Tatsächlich war das einzige, was sich unterschied der Besen! Einer saß auf einem Shadowclaw, der andere auf einem Feuerblitz.
„Dieses Finale wird ohne jede Frage in die Geschichte eingehen!“, grölte Grönberg. „Die Sicherheitsmagier betreten das Feld. Doch welcher von beiden Schiedsrichtern ist nun der Echte und wer hat sich das Gesicht von Ingmar Ekberg so frech ausgeliehen?“
Während sich der Stadionsprecher laut darüber belustigte, wie die beiden Schiedsrichter und die Sicherheitsmagier ein Katz- und Maus-Spiel in der Luft veranstalteten, belustigte die Zuschauer etwas ganz anderes.
Der russische Hüter Gerasim Blinov hatte aus seinem Umhang ein Kartenspiel herausgezogen und nun saßen alle Spieler wild durcheinander gewürfelt in einem Kreis auf dem Gras und spielten Zauber-UNO.
Die Partie wurde offenbar reichlich wild gespielt, auch wenn es von so weit weg, schwer zu erkennen war. Das schien auch die Stadion-Leitung so zu sehen, denn nach ein paar Augenblicken flackerte der Bildschirm und schon wurde das Kartenspiel in Großaufnahme über den Köpfen aller übertragen.
Das Publikum johlte und grölte, jedes Mal, wenn einer der Spieler eine neue Karte ziehen musste und sich diese in seinen Fingern verdoppelte und verdreifachte. Oder wenn einer der Spieler eine Karte ablegen wollte und sich die Farbe auf dem Ablage-Stapel spontan änderte.
Noah Rees schien ein besonders Händchen für dieses Spiel zu haben. Beinahe wirkte es, als wäre er dazu in der Lage die Reaktionen der Karten vorherzusehen und so hatte er schnell die erste Runde gewonnen.

Severus seufzte.
Das war ja alles schön und gut. Aber dafür war er wirklich nicht her gekommen. Außerdem saß Potter an einer Stelle im Kreis, wo Severus ihn im Grunde nicht sehen konnte. So ein Mist!
Unterdessen hatte das Sicherheitspersonal damit begonnen Abfangnetze in der Luft zu spannen, um den vermeintlich falschen Schiedsrichter auf dem Feuerblitz einfangen zu können. Dieser erwies sich allerdings als unerwartet wendig und geschickt. Außerdem war sein Besen, selbst wenn das Model gute fünfzehn Jahre alt war, immer noch meilenweit besser, als die Besen welche die Sicherheitsfirma zur Verfügung gestellt hatte.
„Fliegen die ernsthaft den Twigger 90?“, wunderte sich Severus laut, als einer der Männer dicht an ihrer Loge vorbei flog. Er beugte sich vor und folgte mit dem Blick dem wabbeligen Besen und dessen Flieger, nur um seine Vermutung bestätigt zu sehen.
Severus war sicherlich kein Experte, ganz im Gegenteil. Aber als der Twigger 90 damals 1990 herausgekommen war, hatten sie in Hogwarts einige Probleme mit diesem Stück Schrott gehabt. Gerade in Slytherin.
Die Dichte an wohlhabenden Reinblütern war in Slytherin schon immer am Höchsten und als der Twigger raus kam, war er reichlich teuer. Leider war das in diesem Fall kein Zeichen für Qualität. Je schneller dieser Müll flog, desto stärker verbog sich der Besenstiel. Das führte wiederum dazu, dass die Spieler nicht die angepeilte Richtung beibehalten konnten. In dem Jahr hatten sie sehr viele unschöne Zusammenstöße und Verletzungen von ganzen Mannshaften auf einmal gehabt. Im Folgejahr hatten sie den Besen in Hogwarts verboten. Auch wenn das kaum relevant gewesen war, da in diesem Jahr auch der Nimbus 2000 erschien.

„Was ein sinnentleerter Irrwitz!“, fauchte Draco und sprang auf die Beine. „Ich gehe da jetzt runter und kläre das mit Ginny!“
Severus verdrehte die Augen. „Hmm, hervorragende Idee! Die Leute werden dich lieben, wenn du mitten im Spiel anfängst eine der besten Jägerinnen des ganzen Landes anzuschreien.“, merkte er sarkastisch an und kassierte dafür neuerlich einen bösen Blick von seinem Patenkind.
Der Tränkemeister warf einen kurzen Seitenblick aufs Spielfeld, aber das Chaos war kein bisschen näher daran gelöst zu werden als zuvor, und stand dann auf.
„Ich denke, du solltest dich ein bisschen abkühlen, Draco. Wo sind die Badezimmer?“
Tina Hart sprang auf die Beine. „Ich bring euch hin. Ich kann ohnehin ständig pinkeln.“
Es hätte ihn nicht überraschen sollen, dass die Loge für die Spieler-Partner ein eigenes Privat-Bad hatte. Letztlich war Severus aber dankbar, dass er sich nicht in einer langen Schlange anstellen musste oder die mangelhafte Zielfähigkeit von zahllosen Idioten zu ertragen hatte.
Und vielleicht war es auch gut, dass das hier ein Uni-Sex Bad war, denn so kam er zumindest nicht in Versuchung sich um seine immer noch viel zu harten Tatsachen zu kümmern. Nicht solange Tina Hart im Toiletten-Stall direkt nebenan hockte und jede seiner Regungen hörte.
Er spritzte sich beim Händewaschen ein wenig kaltes Wasser ins Gesicht. Das kalte Nass war angenehm auf seiner Haut, doch es ärgerte ihn, dass sein Kragen dabei Feucht wurde. Draco hingegen stand einfach nur stocksteif und mit verschränkten Armen da.
Mrs. Hart wusch sich zuletzt die Hände und zwang sich dann mit einer mitleidigen Miene an Severus vorbei zurück zu den anderen.
„Draco, hör mir zu-„
„Nein, du hörst mir zu, Onkel Severus! Sowas geht einfach nicht!“, sagte Draco wütend. „Ich bin mit ihr verlobt und was macht sie? Wie lange läuft das schon? Im Geheimen hinter meinem Rücken? Wie lächerlich klischeehaft mich mit ihrem Ex zu betrügen!“
„Merlin, nur weil Ginevra scheinbar schon ein Weilchen mit Potter zusammen in der Nationalmannschaft trainiert, bedeutet das noch lange nicht, dass sie auch miteinander ins Bett hüpfen. Das ist nicht Potters Stil!“, widersprach Severus.
„Warum verteidigst du ihn und nicht mich?“, erboste sich Draco weiter und schlug Severus dabei mit der flachen Hand auf die Brust. „Warum bist du immer auf seiner Seite, statt mich zu unterstützen? Ich bin dein Patenkind, aber du hältst immer nur zu ihm!“
Vollkommen unerwartet stellte Severus fest, dass Tränen in den grauen Augen des jüngeren Mannes standen und nun regte sich in seinem inneren doch Mitgefühl. Etwas unbeholfen zog er Draco in seine Arme und klopfte ihm beruhigend auf den Rücken.
„Du weißt, dass ich die Dinge im Krieg tun musste, Draco. Ich habe das nicht getan, weil mir Potter mehr bedeutet hat, als du das tust.“, sagte Severus ruhig und drückte einen kleinen Kuss auf das blonde Haar, so wie er es oft getan hatte, als Draco noch klein gewesen war. „Du bist mein kleiner Drache und ich liebe dich. Das weißt du. Aber es gab nun mal im Krieg ein paar Dinge, die ich geheim halten musste, wenn ich für uns alle, auch für dich, die Zukunft gewährleisten wollte, die ich mir für uns gewünscht habe. Richtig?“
Draco schniefte und rieb sich grob über das Gesicht. „Ich weiß. Ja, ich weiß. Wir hatten das alles schon. Keine Ahnung, wo das jetzt auf einmal her kam.“
„Von deinen verletzten Gefühlen. Aber Draco, denk kurz nach. Denk darüber nach, was für ein Mensch Ginevra Weasley ist. Mit was für Moralvorstellungen und Familienwerten Molly und Arthur ihre Tochter aufgezogen haben.“, versuchte Severus erneut die Situation zu entschärfen. „Du hättest dich nicht in sie verlieben könne, wenn sie kein gutes Herz hätte. Ein gutes Herz, das zu deiner loyalen Slytherin-Seele passt. Ich weiß nicht, was genau hier passiert ist. Ob ihr einfach schlecht kommuniziert habt oder was. Aber ich bin mir sicher, dass es anders ist, als du denkst. Und deswegen solltest du deinen verletzten Stolz jetzt mal hinten anstellen und einfach abwarten. Dieses Getöses kann schließlich nicht mehr ewig dauern!“

Wie, um seine Worte zu untermalen, nahm mit einem Mal das Geschrei außerhalb vom Badezimmer so sehr zu, dass sie beide automatisch zur Tür sahen, bevor sie einen kurzen Blick tauschten und dann nach draußen stürzten. Sie rannten zum Geländer und starrten hinaus aufs Spielfeld.
Severus Augen fanden die beiden Gestallten sofort, welche dort draußen, Kopf an Kopf, steil in den Himmel rasten. Der Schnatz war ihnen nur knappe zwei Meter voraus. Beide Sucher lösten gleichzeitig die Hände von ihren Besenstielen und streckten sie nach dem kleinen goldenen Ball aus. Doch dieser machte in der letzten Sekunde einen 180° Schlenker abwärts, rutschte an den Körpern der Sucher in absurder Geschwindigkeit vorbei und sauste hinunter zum Boden.
Tkachenko kam da einfach nicht mit. Aber Potter machte eine Rolle rückwärts, bevor er zum dritten Mal am heutigen Tag aus dem Himmel zu fallen schien, wie ein Stein.
Es dauerte nur wenige Sekunden, dann schloss sich die große Hand des Mannes fest um das goldene Glitzern und Severus sah, wie die winzigen, funkelnden Flügel nutzlos gegen die sonnengeküsste Haut von Potters Finger strichen.
„Großbritannien gewinnt!“, schrie Grönberg.
Das Stadion explodierte unter dem jubelnden Geschrei der Zuschauer, als Harry den Arm siegesgewiss in die Luft riss und in einer eleganten Spirale in die Höhe stieg. Aus allen Himmelsrichtungen rauschte sein Team auf ihn zu und knubbelte sich zu einem unförmigen, schlamm-farbenen Haufen zusammen, der taumelnd zu Boden sank.
Severus konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen, als sein Blick für einen Augenblick auf Harrys ungläubiges, aber freudetrunkenes Gesicht fiel. Wie schon als Schüler wirkte er auch jetzt beinahe überrascht gewonnen zu haben. Mit einem warmen Gefühl in der Brust stimmte Severus in das Klatschen ein. Jedoch lange nicht so wild und euphorisch, wie das die anderen Spieler-Partner taten.
„Ihr hättet es beinahe verpasst!“, kreischte Anita über den Lärm hinweg und mit tanzenden Armen zu ihnen rüber. Ihr nächster Satz ging allerdings in dem Gebrüll des Kommentators unter.
„Was für ein Spiel! Liebe Leute, was für ein chaotisches, abenteuerliches, verrücktes und großartiges Spiel! Großbritannien gewinnt mit 520 zu 380 Punkten. Obwohl sie drei Hüter verloren haben und obwohl er eigentlich nicht mal an dem Spiel hätte teilnehmen dürfen, holt Potter den Schnatz für England. Ich bin mir sicher, daran hätte keiner von uns auch nur im Traum gedacht.“, sinnierte Grönberg fassungslos, wenn auch verzückt.
Da war Severus sich auch ziemlich sicher, als er den Spielern seiner National-Mannschaft dabei zusah, wie sie Arm in Arm im Kreis hüpften und tanzten.
Draco knurrte leise. „Sein Arm liegt viel zu tief um ihre Hüfte!“
Severus folgte seinem Blick und Harrys Hand lag tatsächlich eher auf Ginevras Po, als an ihrer Taille. Severus sah aber auch, dass der Mann seine Hand eher über dem Körper der Frau schweben ließ, als herzhaft zuzupacken, und das er regelmäßig versuchte sie weiter nach oben zu verlagern. Aber bei jedem gemeinsamen Hüpfer drückten die Gliedmaßen seiner Teamkollegen ihn wieder abwärts.
Kurz um: Das sah nicht nach Absicht aus!
Sagen tat Severus das nicht.

„Der Pokal der Quidditch-Weltmeisterschaft des Jahres 2010 wird in diesem Moment in die Ehrenloge gebracht, wo in kürze die Verleihung stattfinden wird.“, sagte Grönberg und gegenüber in der Ehrenloge erstrahlte festliches Licht.
Nun konnte Severus erkennen, dass er mit seiner Vermutung recht gehabt hatte. Dort drüben saßen verdammt viele Leute mit roten Haaren, welche einander alle in den Armen lagen und ausgelassen feierten.
Und dann erkannte Severus den Zaubereiminister. Selbst auf die Distanz konnte man das gequälte Lächeln und die steife Körperhaltung ausmachen.
„Und hier kommen unsere ehrenvollen Vize-Weltmeister!“, rief der Kommentator und machte eine ausfallende Geste in die Ehrenloge hinein, welche nun auch auf der Anzeigetafel über dem Feld gezeigt wurde. „Gerasim Blinov, welcher uns mit einem abwechslungsreichen Pausenspiel beschenkt hat. Marat Rabinovich, Mariya Strekalova und Alexei Bershov, welche nun schon seit sieben Jahren gemeinsam in der Nationalmannschaft Russlands spielen und auch heute wieder bewiesen haben, das sie noch lange nicht auf das Abstellgleis gehören. Die Geschwister Kuvayeva, welche wie zwei Seiten einer Münze sind und unser aller Herzen mit ihren perfekten Schlägen zum Erzittern gebracht haben. Und Torfin Tkachenko, welcher absolut der einzige Sucher auf dem ganzen Erdball ist, welcher gegen Harry Potter überhaupt eine Chance hatte. Applaus für die Russische Nationalmannschaft!“
Die russischen Fans stimmten ein Lied an, welches Severus nicht verstand, dass aber einen fröhlichen Klang hatte und den geschlagenen Spielern zumindest ein kleines Lächeln auf die Lippen zauberte, während sie durch die Reihen liefen und erst ihrem eigenen Minister und dessen Familie und danach dem britischen Minister die Hand schüttelten.
Im Anschluss hängte eine hübsche brünette Frau allen Spielern eine silberne Medaille um den Hals.
Innerlich verdrehte Severus die Augen. Dieser Drang allem und jedem einen Preis zu überreichen, selbst wenn diese nicht gewonnen hatten, war so eine absonderliche Entwicklung, welche aus der Muggelwelt zu ihnen überschwappte.
„Und nun bitte ein ganz besonders donnernder Applaus für unsere neuen Weltmeister!“, grölte Grönberg. „Angeschlagen und in komplett geänderter Aufstellung, aber trotzdem Siegreich! Hier kommen Johnny Gibson! Ginevra Weasley! James Hart! Lexi Rogers! Noah Rees! Bradley Lewis und Harry Potter!“
Die Zuschauer schrien sich die Kehlen rau und klatschten sich die Hände wund, als die Mannschaft mit breitem Grinsen und federnden Schritten in die Ehrenloge schritt.
„Natürlich nicht zu vergessen Nicholas Owen, Logan Watson und ja, auch Roswetta Stuart, welche ebenfalls zu diesem Spiel- oder dessen Unterhaltungswert- beigetragen haben!“
Aller Augen lagen auf der Ehrenloge, als die Spieler nach und nach durch die Reihe liefen. Als Potter, der letzte in der Reihe, den britischen Zaubereiminister erreichte, streckte Minister Silver mit fest zusammengebissenen Zähnen die Hand aus, um Potter zu gratulieren. Dieser starrte den Mann zwei Sekunden lang kalt an und machte dann einen Schritt rückwärts. Die Ablehnung klar erkennbar.
Die Leute auf den Rängen johlten und höhnten.
Dies wurde noch lauter, als Potter sich stattdessen dem russischen Minister zuwandte und sich von diesem sogar in eine herzliche Umarmung ziehen ließ, bevor Potter der Gattin des Minister links und rechts ein Küsschen auf rossige Wangen hauchte. Silver sah aus, als hätte er am liebsten einen Fluch in Harrys Richtung abgeschossen.
Severus hingegen musste zugeben, dass er unfreiwillig beeindruckt war. Er wusste ziemlich sicher, dass er nicht den Schneid gehabt hätte dem Zaubereiminister so zu verschmähen. Er hätte zu viel Angst vor den Konsequenzen gehabt.
Ein stolzes Lodern machte sich in Severus Brust breit und ganz kurz stellte er sich vor, wie es sich wohl anfühlen würde der Lebensgefährte von einem Mann zu sein, welcher zu jeder Sekunde so gefährliche Einfälle haben könnte. Ein erregter Schauer krabbelte ihm über den Rücken. Ein Leben an Potters Seite wäre ein ständiges und sehr turbulentes Abendteuer, soviel war klar.

Nachdem er mit den Politikern durch war, nahm sich Harry auch noch die Zeit, mit den gegnerischen Spielern einzeln einen Augenblick zu sprechen. Severus vermutete, dass das nur logisch war, denn wenn Potter wirklich mit jedem einzelnen dieser Menschen individuell die Besten eingestellt hatte, dann kannte er diese ohnehin auf persönlicher Basis und nicht nur als Konkurrenten, deren Karriere man verfolgte. Und als Geschäftsmann wäre es sicherlich auch klug von Potter noch einmal mit allen zu sprechen und nach Problemen mit seinem Produkt zu fragen. So viel Geschäftssinn hätte Severus dem Mann zwar nicht unbedingt zugetraut, aber sinnvoll wäre es dennoch.
Trotzdem fiel Severus auf, dass Potter sich gerade für seinen gegnerischen Sucher Tkachenko besonders viel Zeit nahm. Die Art und Weise, wie er seine Arme beim Unterhalten benutzte, ließ den Tränkemeister vermuten, dass es um die Bewegungsmöglichkeiten auf dem Shadowclaw ging. Tkachenko hörte mit gerunzelter Stirn zu und nickte gelegentlich. Als Harry dem Russen auf die Schulter klopfte und dieser begeistert nickte, war sich Severus plötzlich sicher, dass Harry gerade angeboten hatte, mit dem Mann noch Mal eine private Trainingsstunde abzuhalten.
Das war so typisch für Potter.
Die restlichen Mitglieder der britischen Mannschaft hatten unterdes den riesigen goldenen Pokal in Empfang genommen. Irgendjemand ließ über den Köpfen der tanzenden Gruppe immer wieder Konfetti explodieren, sodass auf ihren verschwitzten Gesichtern allzu bald Papierschnipsel in allen Farben klebten.
Es war James Hart, der eine ganze Hand davon aufhob und diese dann Potter in die Haare strubbelte. Der Zopf des Kerls löste sich unter der groben Behandlung erneut auf und schon bald hingen ihm seine schwarzen Locken, dieses Mal geschmückt mit Konfetti, wieder lose um die Schultern.
Severus erschauderte bei der Vorstellung die bunten Fremdkörper mit vorsichtigen Bewegungen wieder aus Potters Mähne herauszuziehen. In seiner Fantasy bedankte Harry sich im Anschluss für seine Mühe mit einem tiefen Kuss.
Etwas wehleidig sah er dabei zu, wie stattdessen Ginny Weasley ihrem Exfreund ruppig in den Haaren herumfuhrwerkte. Von Draco kam neuerlich ein dunkles Knurren, was Severus an dieser Stelle vielleicht sogar ein kleines bisschen unterstützte. Er war auf jeden Fall nicht unbedingt traurig, als die Frau sich endlich von Harry abwandte und sich mit ihren Teamkollegen zurück auf die Besen schwang, um eine Ehrenrunde durch das Stadion zu fliegen.
Unter dem Gejubel der Fans, und bedrohlich schlingernd, flogen die sieben Gewinner eine große Runde durch das Stadion. Noah Rees, in der Mitte, hielt den Pokal dabei über ihre Köpfe.
“Der Bastard fummelt schon wieder an ihr rum!”, mopperte Draco. “So notgeil kann er doch gar nicht sein, dass er Ginny hier vor allen Leuten begrapschen muss.”
Severus sagte nichts, denn sonst wäre ihm vermutlich rausgerutscht, dass er dafür sehr notgeil war und nur zu gerne bereit wäre sich von Potter anfassen zu lassen. Wenn es nicht anders ging, auch in aller Öffentlichkeit.
Ein weiterer Schauer der Erregung durchzuckte ihn, als die Truppe über ihre Köpfe hinweg flog und Severus einen Blick aus der Nähe auf Potters Prachthintern werfen konnte.
Bei dem Überflug sah der Mann zwar nicht in die Richtung ihrer Loge, was vielleicht auch ganz gut war, sonst hätte er wahrscheinlich Dracos Todesblick bemerkt, aber dafür passierte etwas anderes wunderbares. Einer der Konfettischnipsel, ein lilaner, löste sich aus den langen Zotteln und segelte direkt auf Severus zu. Mit einer flinken Bewegung fing Severus ihn aus der Luft und ließ ihn im nächsten Moment in seiner Umhängetasche verschwinden.
Er wusste gar nicht so Recht, wieso er das tat, aber er tat es.

Nach und nach ebbte der Tumult ab. Die Briten drehten noch eine zweite Runde mit dem Russen zusammen über die Ränge und landeten dann. Unten aus dem Feld warteten schon diverse Fotographen und Reporter, welche alle versuchten das beste Foto zu ergattern, dabei aber vom Sicherheitspersonal in Schach gehalten wurden.
Auch hier standen die Spieler wieder Arm in Arm. Eigentlich Selbstverständlich, aber Draco rauchte vor Zorn. Vielleicht hatte Severus seinen Patensohn doch falsch eingeschätzt. Möglicherweise war er doch viel stärker in die rothaarige Furie verliebt, als der Tränkemeister geschätzt hatte. Anders ließ sich diese Eifersucht nicht erkläre.
Das Stadion begann sich zu leeren. Die Zuschauer sangen und schwatzten munter, aufgekratzt durch das Spiel und die übersprudelnden Emotionen.
Gleichzeitig erreichte Dracos Wut ein Level kurz vor der Kernschmelze! Seine Augen blieben eisern auf Ginevra gerichtet, welche Arm in Arm mit Potter und ihren anderen Teamkollegen sich glücklich schwatzend auf den Weg zu den Umkleiden machten. Draco drehte sich sofort zum Ausgang.
„Komm mit, Severus. Ich will das jetzt sofort klären!“, fauchte sein Patenkind.
Severus seufzte. „Muss ich? Das hat nichts mit mir zu tun!“
„Beweg dich. Sofort!“, befahl Draco kalt und Severus, der einfach keine Nerven hatte um weiter zu diskutieren, gab nach.
Träge schlenderte er hinter Draco her. Die anderen Spieler-Partner warfen ihm mitfühlende Blicke zu, als er an ihnen vorbei kam und schlossen sich ihrer Prozession in tiefere Gefilde dann an.
Draco stürmte ihnen mehrere Meter voraus und knurrte Severus auf dem weiten Weg nach unten immer wieder ungehaltene Halb-Drohungen entgegen, wenn dieser zu weit zurück fiel. Da Severus wusste, dass er in einem direkten Kampf mit seinem Patensohn aber auf jeden Fall die Oberhand haben würde, ließ er sich davon nicht einschüchtern und schwelgte in Gedanken daher lieber in den Bildern, welche sich heute über ihn ergossen hatten.
Insgeheim war er Draco inzwischen Dankbar, dass dieser ihn mitgeschleppt hatte. Potter hatte ihm neues Masturbations-Material für ein ganzes Jahrzehnt beschert und er freute sich schon darauf genau das nachher in der Badewanne zu genießen!
Naja, zumindest, wenn Draco nicht gleich seine eigene Beziehung in Fetzen zerreißen würde und danach Trost brauchte. Severus hoffte wirklich, dass der Kerl nicht so dumm sein würde!

Als sie endlich im Backstage-Bereich des Stadions angekommen waren, dafür hatten sie eine Sicherheitskontrolle durchlaufen müssen, stellte sich recht schnell heraus, dass Draco nicht sofort die Szene vom Zaun brechen konnte, welche er sich erhofft hatte. Hier unten war es brechend voll.
Gefühlt war die Hälfe der Leute von den Rängen nun hier in den engen Gängen verteilt. Darunter auch sämtliche Weasleys, wie Severus freudig erkannte.
„Severus!“, rief Arthur beschwingt, als er ihn entdeckte und kam mit Molly auf ihn zugeeilt.
Er ließ sich von den beiden in eine feste Umarmung ziehen.
„Wie geht es euch, Molly? Arthur?“, fragte er, weil es ihn tatsächlich interessierte.
„Hervorragend!“, frohlockte Arthur.
Auch Molly strahlte. „Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie stolz wir gerade sind. Ein Weltpokal und das gleich von zwei unserer Kinder! Das müssen wir unbedingt groß feiern! Du bist natürlich auch herzlichst eingeladen, Severus. Ginny und Harry werden sich sicherlich freuen, wenn du kommst. Wie wäre es mit nächste Woche Samstag bei uns Zuhause? Sagen wir 18 Uhr.“
„Molly, vielleicht fragst du die beiden erst Mal, ob sie das überhaupt wollen.“, versuchte Arthur seine Frau zu bremsen.
Doch ganz so, wie Severus es erwartet hatte, machte die Frau eine wegwerfende Handbewegung und setzte einen endgültigen Gesichtsausdruck auf.
„Was ein Quatsch. Natürlich wollen sie! Ich werde all ihre Lieblingsgerichte kochen. In unserer Familie werden solche Erfolge gefeiert. Ach, ich freu mich ja so!“
Severus lächelte sie an. „Eigentlich muss ich nächstes Wochenende arbeiten. Aber ich bin der Chef, also werde ich da sicherlich eine Lösung finden können. Zumindest, wenn Potter und Ginevra mich wirklich da haben wollen.“
Natürlich würde er eine Lösung finden, wenn ihm das die Möglichkeit gab Potter noch einmal näher, sehr viel näher, begutachten zu können.
Arthur legte ihm eine warme Hand auf die Schulter. „Du bist in unserem Haus immer willkommen, Severus. Du gehörst zur Familie!“
„Das ist lieb.“, sagte Severus warm und meinte es so. „Trotzdem sollten die Ehrengäste die Gästeliste festlegen. Wo sind die beiden eigentlich?“
„Da drüben.“ Arthur zeigte mit ausgestrecktem Arm in den Gang hinter Severus und dieser drehte sich automatisch rum, um der Geste zu folgen.
Als erstes entdeckte er die roten Haare von Ginny. Direkt neben einem leuchtenden blonden Haarschopf. Draco war bereits dabei Ginny leise wütende Worte ins Ohr zu zischen. Ginny sah ihn nicht an und versuchte sich lächelnd mit ihren begeisterten Freunden zu unterhalten, doch ihre Augen brannten zornig in ihren Höhlen.
Noch ein Stück weiter hinten stand Harry.
Er unterhielt sich mit jener blonden Frau aus der russischen Spielerloge. Ihre Gestik und Mimik drückten Dankbarkeit aus und Severus verstand, wo diese Gefühle her kamen, als Torfin Tkachenko zu ihnen trat. Er war der Spieler gewesen, der vorhin beinahe abgestürzt und von Potter gerettet worden war. Und Tkachenko hielt das kleine Mädchen in den Armen, welches zuvor die blonde Frau auf dem Schoß gehabt hatte. Harry hingegen wirkte von der überschwänglichen Dankbarkeit der Familie eher etwas überfordert und rieb sich ständig unbeholfen den verschwitzten Nacken.
Nur zu gerne wäre Severus rüber gegangen und hätte Potter seine verspannten, überlasteten Muskeln eine Weile massiert.

„Hör auf, Draco! Es reicht.“, rief Ginny laut vernehmbar und schuppste ihren Verlobten ein Stück von sich weg. Viele der Umstehenden drehten sich verwundert um.
Severus seufzte. „Wenn ihr mich kurz entschuldigen würdet. Ich muss kurz verhindern, dass mein allerliebster Patensohn seine Beziehung mit eurer Tochter das Klo runter spült.“
Molly und Arthur blickten verwirrt und besorgt gleichzeitig, dabei ließen sie das Pärchen nicht einen Moment aus den Augen. Genau wusste Severus nicht, was die beiden wohl von ihrem zukünftigen Schwiegersohn hielten. Aber wenn die Gedanken der beiden nur ansatzweise in die gleiche Richtung gegangen waren, wie Severus eigene, dann machte Draco es hier gerade wirklich nicht besser.
Und schließlich wussten sie alle, wie überbeschützend Molly wegen ihrer einzigen Tochter werden konnte. Severus konnte Draco zwar oft genug selbst nicht sonderlich gut leiden, aber er wollte wirklich nicht, dass sein Patensohn implodierte.
Fließend schob Severus sich durch die Meute an Fremden und kam neben Draco zum Stehen, nur um diesen dann grob am Arm zu packen und zu schütteln.
„Ist das hier wirklich der beste Ort für einen Streit, Junge?“, fragte er den anderen Mann zischend.
Zähneknirschend schwieg Draco, nachdem ihm klar geworden war, wie viel Publikum sie hier hatten und das die ersten Reporter schon begannen Fotos von dem streitenden Paar zu machen.
Ginny betrachtete ihren Partner einen Moment mit funken-sprühenden Augen und vorgeregtem Kinn, bevor sie sich einfach rumdrehte und sich weiter mit zwei Frauen unterhielt, welche Severus als ehemalige Jahrgangskameradinnen der Jägerin erkannte.
Da er es für besser hielt ein bisschen Luft zwischen die beiden Streithälse zu bringen, verstärkte Severus seinen Griff um Dracos Arm noch etwas und zog ihn rüber zu einem Durchgang, neben welchem ein Schild mit der Aufschrift ‚Umkleide‘ hing. Das ihn das auch ein wenig näher zu Potter rüber brachte, war natürlich reiner Zufall!
Verstohlen versuchte Severus den Mann aus den Augenwinkeln und durch seine eigenen Haare hindurch im Blick zu behalten.
Es war seltsam. Er erkannte so viel an der Körpersprache des Mannes aus seiner Schulzeit wieder.
Die Art, wie er sich von Menschen wegdrehte, wenn diese ihm zu nahe kamen. Dabei sicherstellend, dass er möglichst eine Wand zum Schutz seines Rückens hinter sich hatte. Die wachsamen, wenn auch verändert leuchtenden Augen. Dieser ganz leicht genervte Ausdruck um die Augen herum und der minimal nach links geneigte Kopf, was Potter immer gemacht hatte, wenn es ihm irgendwo zu laut war. Wie oft hatte Severus diese Haltung an seinem ehemaligen Schüler gesehen, während sich Granger und Weasley direkt neben ihm stritten. Oder der Tumult in der großen Halle zu groß wurde.
Und doch hatte sich so viel verändert.
Zuallererst natürlich, dass Potter kein Kind mehr war. Es war nicht der Körper eines Kindes, zu welchem Severus sich hingezogen fühlte, sondern der eines Mannes. Eines trainierten Mannes, ja. Aber gleichzeitig auch eines Mannes Anfang dreißig. Auf Potters Stirn und um seine Augen begannen sich die ersten Falten einzugraben. Eine der Locken direkt über der berühmten Blitznarbe war durchzogen von Silber, welches im grellen Licht der aufleuchtenden Kameras funkelte.
Seine Haut war gebräunt, aber nicht makellos. Große Poren, Narben und sogar ein oder zwei eingewachsene Barthaare waren oberhalb der Uniform sichtbar. Severus wusste, dass es unterhalb dieser ähnlich sein würde. Vielleicht gab es da sogar etwas hängende Haut oder Dehnungsstreifen.
Doch vor allem sah der Mann aus, als würde er sich in seinem eigenen Körper und mit sich selbst sehr wohl fühlen. Er stand aufrecht, zappelte nicht mehr so viel rum wie früher und vor allem waren seine Augenringe, früher seine ewigen Begleiter, komplett verschwunden.
Severus fragte sich, welche Veränderungen an ihm Potter wohl als erstes auffallen würden, sollte dieser ihn genauer betrachten.
Genau in diesem Moment, als hätte er den Gedanken gehört oder vielleicht hatte er auch Severus Blick gespürt, drehte Potter seinen Kopf. Suchend wanderten seine leuchtenden Augen über die Gesichter der fremden Menschen in dem engen Gang.
Und dann entdeckte Potter ihn.
Severus spürte, wie sich sein Herzschlag beschleunigte, als die grünen Augen sich direkt auf ihn richteten. Sofort machte sich ein erkennendes Leuchten in ihnen breit und Potter Gesicht wurde von einem Lächeln überzogen. Der Kerl hob sogar die Hand um ihm zuzuwinken.
Severus erwiderte die Geste mit einem wohlwollenden Nicken, spürte aber gleichzeitig wie sein rasender Herzschlag ihm die Wangen rosa einfärbte.
Panisch konnte Severus dabei zusehen, wie sich Potters erfreutes Grinsen in einen verwunderten Ausdruck verwandelte.
‚Kommt schon! Irgendwer muss ihn ablenken!‘, dachte Severus besorgt. ‚Wo sind all die aufdringlichen Fans, wenn man mal einen gebrauchen kann?‘
Niemand lenkte den Kerl ab und Severus sah, wie sich die Nasenflügel des Werwolfes ausdehnten, als dieser tief Luft holte und zu schnuppern begann.
‚Oh nein, bitte nicht!‘, schoss es dem Tränkemeister panisch durch den Kopf und er drehte sich mit angsterfüllt-geweiteten Augen weg.

Zu seinem großen Glück entschied Ginevra Weasley, dass jetzt der perfekte Zeitpunkt war, sich ihren Verlobten vorzuknöpfen.
Mit biestigem Gesichtsausdruck und blitzenden Augen, trat sie auf Draco und Severus zu und deutete diesen mit einem ruppigen Vorzucken ihres Kinns an, dass sie in die Umkleidekabine gehen sollten.
Sie hatten die Tür gerade erst hinter sich gelassen, als die Frau auch schon loslegte.
„Was zum Teufel stimmt eigentlich nicht mit dir, Draco Malfoy?“, fauchte die Frau mordlüstern. „Vor allen Leuten? Ist das dein verdammter Ernst? So ein Skandal könnte mich meine Karriere kosten!“
„Es könnte dich auch deine Karriere kosten, wenn die Leute erfahren, dass du eine ehebrechende Hure bist!“, schrie Draco zurück.
„Merlin, Draco!“, murmelte Severus und schüttelte den Kopf. „Was haben wir vorhin besprochen? Ganz davon abgesehen, dass Ginevra keine Ehe brechen kann, solange sie nicht verheiratet ist!“
„Halt dich da verfickt noch mal raus, Onkel Severus!“
„Warum? Er hat doch recht!“, meinte Ginny mit in die Hüften gestemmten Händen. „Und nur um das klar zu stellen, ich habe weder einen Ehebruch begangen, noch dich sonst wie betrogen. Und das würde ich auch nie. Alleine die Unterstellung ist schon eine riesige Unverschämtheit! Und wenn ich dich nicht wirklich ziemlich doll lieben würde, dann würde ich dir dafür jetzt deinen Arsch auf links drehen.“
Aus dem hinteren Teil der Umkleide kam Gekicher und Severus wurde klar, dass sie hier drin noch immer nicht ungestört waren. Aber vermutlich war auch das bei einer Umkleidekabine zu erwarten.
Neugierig lugte Severus um die Ecke und erkannte Ginnys Spielgefährten. Immerhin etwas. Es hätte ja auch sein können, dass sie aus Versehen bei den Russen gelandet waren.
Sich darauf einrichtend, dass das jetzt länger dauern würde, lehnte Severus sich mit der rechten Schulter gegen die Wand und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Lügnerin!“, flüsterte Draco giftig und drängte seine Verlobte körperlich tiefer in den Raum hinein. „Ich habe gesehen, wie Potter dich angefasst hat. Immer wieder! Glaubst du, das würde mir nichts ausmachen? Glaubst du, deine Heimlichtuerei würde mir nicht auffallen?“
Beinahe rauchte die rothaarige Frau vor Zorn. „Nur weil ich dich heiraten werde, heißt das noch lange nicht, dass mich nie wieder ein anderer Mann berühren darf, Malfoy! Wenn du solche Vorstellungen von unserer Beziehung hast, dann kenne ich dich viel schlechter, als ich dachte, und wir sollten das Ganze besser hier und jetzt beenden!“
„Es geht mir nicht um irgendwelche Männer, sondern um Potter! Deinen Ex! Das Klischee der Klischees ist es doch, dass die Frau weiter Gefühle für ihren Ex hat und am Ende ihren neuen Partner mit dem Verflossenen betrügt. So wie du jetzt!“
Severus hätte gerne die Augen verdreht. Ginny verdrehte tatsächlich die Augen.
„Nicht schon wieder!“, murrte sie. „Hatten wir nicht eine ganz ähnliche Diskussion schon zu Beginn unserer Beziehung? Und dann vor einem Jahr noch mal, nachdem ich auf Harrys Geburtstag war? Und vor drei Monaten auch, als die Hexenwoche dieses Foto von dem Spendenball von uns beiden gedruckt hat? Ich komme mir langsam vor, wie in einer Zeitschleife.“
Verwundert hob Severus eine Augenbraue. Davon hatte Severus nichts gewusst!
Wie tief saßen Dracos wahnwitzige Desillusionierungen bezüglich Potter eigentlich?

Ein Geräusch direkt hinter ihm lenkte ihn ab, bevor er genauer darüber nachdenken konnte.
Severus verspannte sich, als ihn warmfeuchte Atemluft im Nacken traf und über die vernarbte Haut an seinem Hals kitzelte.
Normalerweise hätte er sich jetzt umgedreht und denjenigen attackiert, der es gewagt hatte ihm so auf die Pelle zu rücken. Aber Severus brauchte sich nicht einmal halb rumdrehen, um zu wissen, wer genau da hinter ihm stand. Nur Harry Potter wäre furchtlos genug ihm so nahe zu kommen.
Severus Augen schlossen sich und ein begieriges Pochen breitete sich in seiner Lendengegend aus, als er hörte, wie Potter hinter ihm tief einatmete. Er schien die Luft, welche Severus umgab, geradezu in seine Lungen einzusaugen. Dann entwand sich seiner Brust ein so tiefes, dunkles Brummen, dass es gegen Severus Rücken vibrierte und seinen ganzen Körper in Schwingungen versetzte.
Der Tränkemeister schluckte heftig.
Es konnte einfach nicht sein. Es war so gut wie unmöglich, dass Harry Potter sein Interesse tatsächlich erwidern würde. Und doch spürte Severus nur zu deutlich, wie Potters Hand warm über seinen Rücken streichelte, bevor der Mann selbst an ihm vorbei trat und weiter in die Umkleidekabine schritt.
Über die Schulter warf Potter Severus einen Blick zu. Einen Blick aus leuchtenden grünen Augen und mit geweiteten Pupillen, der Severus Knie weich werden ließ.
Ein verschmitztes Lächeln umspielte Potters Mundwinkel.
Der Kerl wusste ganz genau, was er für eine Wirkung auf Severus hatte!
Severus muss sich daran erinnern, dass Potter seine Erregung als Werwolf riechen konnte und er nicht tatsächlich so gläsern war, wie er sich gerade fühlte.
Außerdem hatte Lupin sich damals, als er den Posten als Lehrer für Verteidigung innegehabt hatte, sehr deutlich darüber geäußert, wie verstörend er es fand an seinen Schülern riechen zu können wer auf wen stand und wer direkt vor dem Unterricht noch unartig gewesen war. Damals war Severus sehr dankbar gewesen, dass man ihm diese Informationen nicht per Geruch aufdrängte, da er schon genug aus den Gedanken der Kinder aufschnappte.
Nun hingegen fragte er sich, wie seine Erregung wohl für Potter riechen musste. Gefiel ihm, was er da roch? Roch Severus überall gleich?
Aber noch viel wichtiger, wie roch Potter? Vor allem jetzt gerade, nachdem er eine kleine Ewigkeit auf dem Besen verbracht und geschwitzt hatte. Severus erschauderte, als er sich vorstellte Potter mit seiner Zunge sauber zu lecken.
Zu schade, dass er soweit niemals kommen würde, denn Potter konnte ihn einfach nicht wollen. Es war nicht möglich! Weder in diesem Universum, noch in einem anderen.

Harry nahm die Bank hinter der von Ginevra und war damit komplett in Dracos, aber auch in Severus Blickfeld.
„Verpiss dich, Potter! Das hier ist eine private Unterhaltung!“, fauchte Draco wütend.
Ginny machte ihm allerdings sofort einen Strich durch die Rechnung. „Privat, ja? Dein Pech, denn das hier ist eine Gemeinschaftsumkleide und soweit ich weiß, steht dein Name tatsächlich nicht auf der Liste mit Leuten, die hier rein dürfen. Wenn sich also einer verziehen sollte, dann bist du das, Draco! Ehrlich, du kotzt mich gerade sowas von an!“
James Hart und Lexi Rogers, welche bereits mit duschen fertig waren und sich gerade langsam ankleideten, warfen einander belustigte Blicke zu und kicherten leise. Vermutlich waren sie Ginevras Streitlust gewöhnt und fanden die ganze Situation daher höchst unterhaltsam.
Severus hingegen fand etwas ganz anderes Unterhaltsam.
Harry hatte, noch immer mit diesem verschwörerischen Grinsen im Gesicht und den Blick fest auf Severus gerichtet, damit angefangen sich langsam auszuziehen. Die Stimmen des streitenden Paares wurden zu einem dumpfen Säuseln, als Severus Herz bei jedem Millimeter freier, nackter Haut immer lauter zu schlagen begann.
Er hatte gewusst, dass auch Harry unter seinem Umhang kein T-Shirt getragen hatte, aber das änderte nichts daran, dass Severus regelrecht zu sabbern anfing, als die breite Brust mit der dunklen Behaarung erneut sichtbar wurde. Die Behaarung nur unterbrochen durch rosige Narben und noch rosigere Nippel.
Begierig sah er dabei zu, wie Harry als nächstes die Schleifen seiner Stiefel aufzog, bevor er sich die Schuhe und anschließen die Socken von den Füßen streifte.
Severus hatte keinen Fußfetisch, wirklich nicht. Für ihn waren Fuße normalerweise so wie Hände: sie waren nützlich und unabdingbar für einen normalen Alltag. Aber, bei Merlin, Harry hatte wunderschöne Füße. Schlank, helle und weiche Haut, getrimmte Nägel und auch hier ein paar dezente Haare auf dem Fußrücken. Severus konnte sich vorstellen, sein hartes Glied zwischen diesen sehnigen Zehen zu reiben oder von Harry mit einem dieser Füße heimlich unter einem Esstisch in der Lendengegend massiert zu werden, bis er in aller Öffentlichkeit, aber versteckt vor fremden Blicken, kommen würde.
„Natürlich habe ich dir davon erzählt, du hast nur nicht richtig zugehört!“, schrie Ginevra und schlug wütend mit einer Faust gegen ihre Umkleidebank.
Das Geräusch lenkte Severus kurz ab, aber nur solange, bis Harry ganz langsam aufstand und dann, wie in Zeitlupe, erst seinen Gürtel und dann den Reißverschluss von seiner Reiterhose öffnete.
Als der Kerl seine Hose samt der Unterwäsche in einem Rutsch herunterzog, gaben Severus Knie nach und er rutschte seitlich auf wie Bank, welche zum Teil schon durch Bradley Lewis besetzt wurde. Severus konnte spüren, wie der Jäger ihn von der Seite her anstarrte und er war sich auch bewusst, dass Lewis vermutlich einen ebenso perfekten Blick auf Harrys pralle, schwere Erektion hatte, wie er selbst.
Aber ganz ehrlich, es war ihm egal!
In diesem Moment hätte sich direkt neben ihm der Trank des Lebens, das höchste Gut für jeden Heiler und Tränkemeister, materialisieren können und Severus hätte nicht einmal einen einzigen Gedanken daran verschwendet. Nicht, wenn nur zwei-einhalb Meter vor seiner Nase etwas viel, viel Verlockenderes baumelte. Rot und feucht glänzend zuckte Potters Männlichkeit in der aufgeladenen Luft der Umkleidekabine und Severus wollte nichts lieber, als die Erlaubnis, oder gerne auch den Befehl, vor eben dieser auf die Knie zu sinken und sie so lange zu liebkosen, bis kein einziges Spermium in Harrys Hoden übrig war.
Beinahe zu lässig warf Harry, inzwischen Splitternackt, seine Beinkleider auf die Bank hinter sich und ließ dann seine Hand wie beiläufig über seinen unteren Bauch streifen, bevor er sich nur für einen Moment fest umfasste und rieb. Severus entging nicht, dass Harry seine Eichel dabei genau in Severus Blickrichtung drehte, als wohl er seinem ehemaligen Lehrer direkt hier und jetzt ins Gesicht spritzen.
Severus wünschte sich er würde es tun, auch wenn sie dabei Publikum haben würden.
„Uff, ey!“, murmelte Lewis peinlich berührt und drehte sich mit rotem Gesicht weg. „Ehrlich Mal, Harry!“
„Richtig!“, schrie Draco und nun hatte seine Stimme etwas panisches, etwas schrilles angenommen. „Ehrlich Mal, Potter! Was wird das hier? Masturbierst du hier gerade auf den Rücken meiner Verlobten, du asozialer, perverser Freak?“
Doch Harry lachte nur höhnisch, bevor er von sich selbst abließ. „Kein Interesse, Malfoy. Weder an dir, noch an deiner Verlobten, noch an eurem Drama. Sorry, Gin!“
Potters Ex-Freundin zuckte nur nachlässig mit einer Schulter und machte eine wegwerfende Handbewegung, ohne ihren erbosten Blick auch nur eine Sekunde von ihrem Lebensgefährten zu nehmen.
Harry schnappte sich Duschgel und trat dann langsam und mit bedächtigen Schritten auf den Duschraum zu, welcher links neben den Bänken lag. Als er die Tür erreichte und diese öffnete, warf er einen weiteren Blick über die Schulter.
Die leuchtenden Augen glänzten von einer unausgesprochenen Herausforderung und neben ihnen vertieften sich Potters Lachfalten, als dieser sah, dass Severus Aufmerksamkeit noch immer fest auf ihm lag.
Harry ließ die Tür offen!
Severus war sicher, dass das Absicht war. Genauso, wie es absolute Absicht war, dass Harry den Duschkopf wählte, welcher direkt an der Wand hinter Tür und somit in Severus Blickfeld lag.
Mit einer fließenden Bewegung schüttelte Harry seine Haarmähne über die Schultern und fuhr dann mit den Fingern durch, um das letzte Konfetti daraus zu befreien. Nur eine Sekunde später wurden die glänzenden Locken platt gedrückt, als Harry das Wasser anstellte.
Das knurrende Stöhnen, was sich beim ersten Kontakt mit dem heißen Wasser aus Harrys Kehle löste, spürte Severus auch bei dieser Distanz in jeder Zelle seines Körpers.
Seine Hände krallten sich so fest in das Holz der Umkleidebank, dass seine Nägel halbmondförmige Rillen in dem Material hinterließen und seine Knöcheln weiß hervor traten.

„Bradley?“, rief eine Frauenstimme und der Jäger neben Severus sprang sofort auf die Beine.
„Komm bloß nicht hier rein, Anita!“, rief Lewis und eilte seiner Ehefrau entgegen.
„Was? Wieso nicht?“
„Weil ich nicht will, dass du das mit ansehen musst. Und um ehrlich zu sein, ist mir das auch eindeutig zu viel. Wir sollten gehen. Ehrlich!“, drängte der Mann und warf Severus einen perplexen und ungläubigen Blick zu, während er seine Frau an der Hüfte Richtung Ausgang schob.
Anita Lewis lachte. „Was ist denn nur mit dir? Du hast ja noch nicht mal geduscht.“
Bradley zuckte die Schultern. „Das hole ich nach. Dafür gibt es schließlich Hygienezauber. Die Luft da drin ist mir einfach zu dick.“
„Streiten sie immer noch?“, flüsterte Anita verschwörerisch. „Meinst du, sie werden sich trennen?“
„Das ist gerade meine geringste Sorge.“, brummte Bradley und schob seine Ehefrau endlich aus der Umkleidekabine. James Hart und Lexi Rogers folgten dem Paar übereilt.
Bevor die Tür hinter den Vieren zufiel, hörte Severus den Mann noch sagen: „Mehr Sorgen macht mir, dass Harry so aussieht, als wolle er Severus Snape mit Haut und Haaren auffressen. Und zwar nicht auf die gewalttätige Art, sondern auf die sexy Art! Und Snape sieht aus, als wäre er gewillt das zuzulassen!“
Auch durch die geschlossene Tür war die Neugierde in Anita Lewis Stimme zu hören, selbst wenn Severus ihre genauen Worte nicht ausmachen konnte.
Aber auch das war Severus egal. Sollten sie sich doch ihre Mäuler zerreißen.
Das war es Wert, wenn Harry nur nicht aufhörte mit diesem sinnlichen, kleinen Wassertanz, welchen er da unter dem harten Strahl der Dusche für ihn aufführte. Schwelgend und mit geschlossenen Augen glitten seine großen, kraftvollen Hände über seinen muskulösen Oberkörper. Der Schaum der Seife verfing sich in den Brusthaaren und verzog diese auf der glatten Haut zu komischen Mustern, welche Severus nur zu gerne nachgezeichnet hätte. Besondere Aufmerksamkeit erhielten auch Potters Nippel, welche steif und stolz aus ihrem dunklen Nest hervor leuchteten, bis sie gänzlich unter weichem, weißem Schaum verschwunden waren.
Severus hatte den Akt des Haare-Waschens immer als etwas Lästiges empfunden. Aber Harry nun dabei zuzusehen, wie dieser mit kreisenden Bewegungen seine eigene Kopfhaut massierte und dabei genießerische das Wasser in kleinen Bächen über sein Gesicht laufen ließ, änderte seine Meinung zu diesem Thema unumstößlich. Nichts würde Severus lieber tun, als seine eigenen Hände in die dicken Locken zu schieben und diese Aufgabe für Harry übernehmen.
Gleich darauf stellte er sich vor, wie es sich anfühlen würde, wenn Harry ihm auf diese Weise die Haare wusch. Severus könnte sich dabei mit dem nackten Rücken an diese breite Brust lehnen. Harrys hartes Geschlecht dabei drängend zwischen Severus Pobacken eingezwängt. Oder noch besser, tief in ihm versenkt!

Der Drang aufzuspringen und auf Potter zuzustürzen wuchs inzwischen stark in Severus.
Er bewegte sich jedoch nicht einen Millimeter, wagte es kaum zu atmen.
Sein Gehirn war fieberhaft damit beschäftigt jede von Harrys Bewegungen für immer in sein Gedächtnis einzubrennen. Severus Körper war hart am Kämpfen, um nicht an einem Hitzekoller zu sterben.
Und Severus Herz konnte noch immer nicht glauben, dass Harry diese Show tatsächlich für ihn abzog. Es versuchte hartnäckig Gründe für eine Falle oder ein Missverständnis zu finden. Doch wie sollte das sein? Inzwischen waren nur noch er, Harry, Draco und Ginny in dieser Umkleide. Und Severus weigerte sich zu glauben, dass Harry nur mit ihm spielte, um Draco eins auszuwischen.
Dafür war der Mann einfach zu erwachsen. Zu integer!
Severus kam nicht dazu eine endgültige Entscheidung zu treffen, denn Harry war damit fertig sich die Haare zu waschen und hatte die Augen wieder geöffnet, nur um Severus mit einem lodernden Blick zu verbrennen.

Es hätte ihm nicht möglich sein sollen Harrys ruhige Stimme über das Geräusch der rauschenden Dusche, dem Donnern seines eigenen Herzes und dem Gekeife des Streites neben sich zu hören.
Und doch hörte er ganz deutlich, wie Harry schnurrte: „Sieht aus, als hätte ich vergessen mir ein Handtuch mitzunehmen. Wärst du so lieb mir eines zu bringen, Severus?“
Der Zaubertrankmeister war so schnell auf den Beinen, dass ihm kurz schwindelig wurde. Er konnte sich auch nicht daran entsinnen, wo er auf einmal das Handtuch in seiner Faust her hatte. Vielleicht hatte er es herbei gerufen, vielleicht hatte er es von Lewis geklaut oder vielleicht hatte er es auch in einem Anfall von brennender sexueller Begierde aus dem Nichts heraufbeschworen, selbst wenn Verwandlung immer ein wenig seine Schwäche gewesen war.
Er war sich nicht sicher und es kümmerte ihn nicht. Seine Füße trugen ihn bereits in die feuchte Luft des Duschraums hinein, bevor er richtig verstanden hatte, dass er überhaupt ein Handtuch in der Hand hatte.
Seine dunklen Augen klebten regelrecht an Harrys warmen Augen und dem offenen, ehrlichen Lächeln, dass immer breiter wurde, je näher Severus dem Mann kam.
Zu seiner absoluten Scharm, rutschte Severus jedoch auf den letzten zwei Metern auf den feuchten Fliesen einfach weg. Seine glatten Ledersohlen waren für einen solchen Untergrund einfach nicht gemacht.
In Gedanken sah er sich schon vor Harry auf den Boden knallen. Vermutlich würde er sich dabei den Schädel so schlimm aufschlagen, dass er danach Bewusstlos werden würde und Potter wäre so angeekelt von seiner Schusseligkeit, dass er nie wieder in seine Richtung gucken würde!
Zu seinem großen Glück kam es anders.
Harrys Sucherreflexe funktionierten scheinbar auch auf festem Grund hervorragend, denn er hatte seine Arme schon um Severus geschlungen und ihn gegen seine Brust gezogen, bevor dieser dem Boden auch nur nahe gekommen war.
Erschrocken und erregt gleichermaßen zischte Severus, als er plötzlich mit so viel nackter Haut in Berührung kam.
„Na, na!“, brummte Harry schmunzelnd. „Du brauchst dich mir nicht gleich zu Füßen werfen, Severus. Zumindest noch nicht.“
„Oh Merlin…“, stöhnte Severus und eine Gänsehaut ließ ihn heftig erschauern.
Harry lachte leise und beugte sich vor, um hörbar an Severus Nacken schnuppern zu können. „Nicht ganz. Nur Harry.“
Potter machte eine Bewegung mit der rechten Hand und Severus hörte deutlich, wie sich die Duschtür in seinem Rücken schloss und versiegelte.
„Danke für das Handtuch.“, säuselte Harry direkt neben Severus Ohr, wodurch seine Lippen über Severus Haut kitzelten und einen weiteren Schauer durch seinen Körper jagten.
Severus hatte keine Ahnung, wo das Handtuch war. Er hatte es irgendwo fallen lassen. Trotzdem antwortete er heiser: „Natürlich.“
„Hmm-hm. Du bist unerwartet sensibel.“, brummte Harry lustvoll und ließ seine Hände von Severus Hüfte runter zu seinem Po wandern. „Sag mir wie du mich willst, Severus. Hart und Schnell? Langsam und tief? Willst du von mir verschlungen werden? Sag mir, was du von mir willst!“
Severus entging nicht, dass das ‚Ob‘ hier gar nicht erst zur Auswahl stand, sondern nur das ‚Wie‘. Die Bitte um das Handtuch war nun im Nachhinein ganz klar Potters Art gewesen, eine offene Einladung auszusprechen. Und Severus war darauf sofort angesprungen. Seiner Meinung nach genug Konsens auf beiden Seiten. Immerhin waren sie beide erwachsen.
Und als logischer und vernunftbegabter Erwachsener entschied er sich daher mit erstickter Stimme für: „Alles!“
Harry lachte mit zurückgeworfenem Kopf, bevor er ihn anstrahlte. „Für ‚alles‘ reicht ein einzelner Abend nicht, Hase.“
Severus versteifte sich ein wenig. Zum einen wegen dem ungewohnten Spitznamen und zum anderen, weil ihm hätte klar sein müssen, dass das hier etwas Einmaliges war. Aber er wollte jetzt auch nicht bereuen, wenn er einfach mal kurz das Glück genießen konnte, welches er ausnahmsweise hatte.
„Und irgendwo müssen wir schließlich anfangen.“, sagte Harry leise.
Seine Finger hatten damit angefangen, bedächtig Severus Umhang zu öffnen.
In der Sekunde, in der Harrys feuchte, raue Finger sich unter seine Kleidung schoben, brannte in Severus Kopf die allerletzte Sicherung durch und er zuckte vorwärts. Seine schmalen Lippen trafen recht hart auf die von Harry. Dieser erwiderte den Kuss jedoch ebenso hart und seine Hand verkrallte sich in Severus Hintern, um ihn daran so nah wie möglich ziehen zu können. Harrys hartes Glied presste sich fest gegen Severus Bauch und er konnte nicht widerstehen seine Finger um das heiße Fleisch zu schlingen.
„Ah, fuck!“, keuchte Harry und unterbrach den Kuss. „Scheiß auf langsam. Du riechst einfach zu verlockend. Ich will dich jetzt!“
Er schnipste nur ein einziges Mal mit den Fingern und in der nächsten Sekunde war Severus genauso nackt, wie der Mann vor ihm. Gleich darauf griff Harry ihn mit beiden Händen an der Hüfte.
„Hoch!“, befahl Harry und hob Severus auch schon an, als würde er täglich mit Menschen Bodybuilding-Übungen machen. Severus schlang seine Beine fest um Harrys Becken und erschauderte, als Harrys Penis sich sofort an die Unterseite seiner Hoden schmiegte.
„Schneller, verdammt!“, beschwerte Severus sich und überdeckte Harrys Hals mit Küssen und kleinen Bissen.
Harry machte eine fließende Drehung und schon wurde Severus mit dem Rücken an die Fliesen unter der Dusche gepresst. Das warme Wasser floss über ihre Körper und heizte Severus ohnehin schon überdrehte Körper weiter. Langsam war er sich nicht mehr sicher, ob er Sex mit Harry ohne Herzinfarkt überstehen würde. Aber das war es vermutlich Wert!
„Ich hab nichts anderes, also werde ich mein Duschgel als Gleitgel nehmen.“, sagte Harry ernst und blickte ihm forschend ins Gesicht. „Wenn das zu sehr brennt oder nicht ausreicht, dann wirst du mir das sagen. Verstanden?“
„Ich bin nicht aus Watte, Potter!“, meinte Severus nur und wollte den Mann erneut küssen, um ihn anzuspornen.
Aber Harry drückte ihn mit einer Hand gegen seine Brust fester zurück gegen die Wand. „Nein! Ich finde Schmerz nicht sexy, Severus. Unterwürfigkeit? Ja! Fesselspiele? Sehr gerne! Rollenspiele? Her damit! Schmerz? Niemals! Du wirst es mir sagen!“
Etwas aus dem Konzept starrte er einen Moment in die leuchtenden, grünen Augen. Darin konnte er nur zu deutlich erkennen, dass Harry diese Aussage zu hundert Prozent ernst nahm. Also nickte er stumm.
„Gut!“, knurrte Harry, bevor sich seine Züge glätteten und er sich vorbeugte, um seine Zunge über die Narben an Severus Hals tanzen zu lassen.
Das war ein seltsames Gefühl. Die ramponierte Haut war nicht wirklich empfindsam. Um ehrlich zu sein, war sie größtenteils taub und recht unelastisch, weshalb sich Severus Hals seit dem Zusammentreffen mit Nagini oft steif anfühlte. Aber Harrys Zunge war warm und stark. Sie brachte seine unebene Haut zum Summen und massierte die verhärteten Muskeln zu einer weichen Masse.
Entspannt ließ Severus den Kopf zurück gegen die Fliesen fallen, um Harry mehr Platz zu geben. Dabei behielt er den Mann fest im Blick. Fasziniert beobachtete er dieses Mal aus der Nähe, wie die warmen Tropfen aus der Duschbrause auf die goldbraune Haut rieselten, sich dort kurz festsetzten, bevor sie sich mit ihren Nachbartropfen vereinten und auf den Weg den Rücken hinunter machten. Zu kleinen Bächen verschmolzen zogen sie die Konturen der Muskeln und der der Narben nach. Severus ließ seine Finger die gleichen Wege nachziehen.
Aber nur so lange, bis Harry ihm spielerisch ins Ohrläppchen biss.
Ein Schauer jagte ihm über den Rücken, ausgelöst durch eine Mischung aus Erregung und Angst, als er nur zu deutlich die scharfen Zähne und den heißen Atem so dicht an seinem Ohr spürte.
„Zu viel?“, hakte Harry nach und linderte den Schmerz des Bisses dadurch, dass er als nächstes an dem Ohrläppchen saugte.
Severus schüttelte den Kopf und holte zitternd Luft. „Fuck, nein! Könnte sein, dass du gerade einen neuen Kink von mir entdeckt hast.“
Oh ja! Bisse von einem Werwolf, selbst von einem unverwandelten Werwolf, waren gefährlich. Nur ein kleines bisschen zu fest, einen Ticken zu tief und Potter würde ihn mit seinem Speichel infizieren.
Während Severus sich in Harrys Haaren verkrallte und seine Erektion an dem Bauch des Mannes rieb, fragte er sich, wie oft Potter ihn wohl beißen konnte, bevor er ihn unwiderruflich mit Lykanthropie anstecken würde. Hundert Mal? Tausend Mal?
Das war ein äußerst gefährliches Spiel. Und Severus war allzu bereit es trotzdem zu spielen!
Auch weil er unerschütterliches Vertrauen darin hatte, dass Harry seine Gesundheit niemals absichtlich gefährden würde.
Er keuchte begierig, als Harry ihn ein weiteres Mal biss. Dieses Mal direkt hinter seinem Ohr, knapp unter dem Haaransatz. Gleichzeitig griff der Mann mit einer Hand um Severus Körper herum und führte einen glitschigen Finger an seinen Schließmuskel. Automatisch stieß Severus sein Becken abwärts. Er war äußerst erpicht darauf endlich einen Teil von Harry in sich zu spüren.
Harry knurrte leise.
„Ist das so? Ist dir nicht klar, was ich mit dir machen könnte? Ich könnte meine Zähne so tief in deinem Fleisch vergraben, dass permanente Narben bleiben. Überall und für jeden sichtbar.“, säuselte der Mann heiser und schob seinen Finger gleichzeitig vorsichtig in Severus hinein.
Stöhnend drückte Severus von oben nach bis er spüren konnte, dass der Rest von Harrys Hand im Weg war und er nicht noch tiefer sinken konnte.
„Jeder würde dich anstarren, Severus.“, flüsterte Harry und begann damit ihn mit dem Finger zu ficken. „Alle würden wissen, dass du mein Spielzeug bist und ich mit dir machen kann, was ich möchte.“
„Mehr!“, forderte Severus und verteilte feuchte Küsse auf Harrys nassem Haar und der warmen Haut.
„Mhmm, wieder so ein interessantes Wort von dir.“, schnurrte Harry leise. „Alles. Mehr. So viele Interpretationsmöglichkeiten. Mehr wovon, Hase? Mehr Finger? Mehr Bisse? Mehr Dirtytalk? Sag es mir.“
Wirklich gut funktionierte Severus Gehirn aktuell nicht, denn das einzige, was ihm auf diese Fragen einfiel, war: „Von allem!“
Harry warf den Kopf in den Nacken und lachte warm. „Natürlich! Du bist so gierig. So herrisch. So besitzergreifend und so verdammt sexy!“
Während er sprach, wurde seine Stimme immer heiserer und gleichzeitig gesellte sich zu dem ersten Finger in Severus ein zweiter dazu und Potters andere Hand half dabei, seine Pobacken auseinander zu ziehen, um der ersten Hand mehr Raum für die Penetration zu geben. Erneut stieß Severus sein Becken abwärts und er spürte dabei, wie Harrys schwere Erektion kräftig über seine Hoden rieb. Die stumpfe Eichel schubberte über die warme, faltige Haut und die gekräuselten Schamhaare.
Harry zuckte und taumelte kurz. Die Stirn musste er stöhnend gegen Severus Schlüsselbein lehnen.
„Fuck, das war knapp! Mach das nicht, sonst hat das hier gleich ein ziemlich trauriges Ende!“
„Dann mach endlich voran! Ich will dich in mir haben. Jetzt!“, forderte Severus. Er versuchte zwar dabei genervt und streng zu klingen, aber selbst in seinen Ohren klang es eher flehentlich.
Harry hörte nicht auf ihn. Natürlich tat er das nicht! Hatte er nie getan, also warum sollte er nun damit anfangen? Und ganz ehrlich, eigentlich war auch das Teil der Faszination welche Harry Potter auf ihn ausübte.
Statt also auf ihn zu hören, schob Potter einen dritten Finger so tief in Severus hintern hinein, dass er das Gefühl hatte, der Mann könnte ihn beinahe im Rachen kitzeln. Das ließ gleich im nächsten Moment den Wunsch in ihm aufkommen, dass Harry tatsächlich seinen ganzen Arm in ihm vergraben würde. Doch dafür hatten sie jetzt wirklich keine Zeit. Für Fisten brauchte man wirklich vernünftiges Gleitgel und eine Menge Geduld!
„Reicht! Fick mich endlich!“, forderte Severus begierig.
„Severus….“, knurrte Harry warnend, als Severus seine Oberschenkelmuskeln nutze, um sich von den Fingern loszumachen und dann mit ein bisschen Po-wackeln versuchte Potters Erektion in die richtige Position zu bringen.
„Harry, bitte.“, flehte der Tränkemeister leise und verstärkte sein Drängen dann durch einen tiefen, feuchten Kuss.
Harrys Knie gaben unter ihm nach und sie rutschten gemeinsam einige Zentimeter an der gefliesten Wand hinunter. Dem Mann entkam ein Geräusch, das an ein Wimmern erinnerte und das törnte Severus nur noch mehr an.
„Ich glaube, wir sollten das besser doch nicht im Stehen machen!“, meinte Harry lachend und drehte sie beide, bevor er sich hinkniete und Severus dann vorsichtig auf den Boden legte. „Du lässt mich ganz schwach werden und ich befürchte, ich hab mich nicht genug unter Kontrolle, um dich nicht mittendrin fallen zu lassen.“
Severus schnaubte und versuchte sich nicht völlig wehrlos zu fühlen, während er da so komplett entblößt und nackig vor dem anderen Mann lag. „Du kannst es ruhig sagen, wenn ich zu schwer für dich bin, Potter.“
Harry schüttelte den Kopf, während seine Augen gleichzeitig über jeden Millimeter von Severus gealtertem, geschundenem Körper wanderten.
„Schwer würde ich dich nicht nennen. Wenn überhaupt könntest du zwei oder drei mehr Kuschelpolster gebrauchen.“, sinnierte Harry und ließ eine seiner großen Hände von Severus Rippen hinunter zu seinem flachen Bauch streicheln.
Das kitzelte, weshalb Severus sich leicht unter ihm wandte. Doch er hielt sofort wieder inne, als Harrys Hände ihn fest am Becken fassten und er mit einem kleinen Hüftschwung ihre Erektionen aneinander legte.
Sie waren fast gleich groß, aber Harry war etwas breiter und deutlich dunkler in Farbe.
Ihm lief regelrecht das Wasser im Munde zusammen.
“Jetzt! Bitte!”, forderte Severus mit feuchten Lippen und sehnsüchtigem Blick.
Harry betrachtete ihn hungrig und ließ ihn nicht noch länger warten.
Er löste eine Hand von Severus Körper, um sich selbst zu umfassen und dann an Severus Eingang in Stellung zu bringen. Severus winkelte die Beine an und drückte sich etwas vom Boden hoch, um es Harry einfacher zu machen. Dann spürte Severus die pochende Eichel endlich an seinem Anus und schloss stöhnend die Augen.
„Nein! Sieh mich an!“, flüsterte Harry und hielt in der Bewegung inne. „Sieh mich an, während ich ein Teil von dir werde.“
Wie hätte Severus sich weigern können? Er konnte es nicht, war die schlichte Antwort. Also öffnete er die Augen wieder und erschrak beinahe vor der Intensität, die nun in Harrys Augen lag. Ganz automatisch hoben sich seine Hände und legten sich auf Harry Wangen, bevor er diesen zu einem sanften Kuss zu sich runter zog.
Und als sich Harrys Brust an seine schmiegte, so wie auch ihren Lippen sich aneinander schmiegten, drang Harry endlich in den für ihn fremden Körper ein. Wie in Zeitlupe schob sich sein feuchtes Glied in Severus zitternden Körper und der Tränkemeister konnte nicht anders, als seinen Kopf zurück auf die harten Fliesen fallen zu lassen und selig zu stöhnen.
„Merlin, du fühlst dich so gut an!“, seufzte Severus und drückte sich dem Mann entgegen.
Nach Ewigkeiten der Abstinenz konnte man Severus wohl nicht mehr wirklich Objektiv nennen, aber dennoch fühlte sich das hier für ihn einfach Unbeschreiblich an. Er glaubte nicht, dass schon einmal das Gefühl gehabt hatte, nach Hause zu kommen, als der mit einem anderen Mann Sex gehabt hatte. Doch das war es, was er nun mit Potter empfand.
Es war eine überwältigende Mischung an Emotionen und Eindrücken. Berauschend und Beängstigend zu gleich. Severus liebte jede Sekunde!

Potter holte zitternd Luft, bevor er sich zurück zog und zum ersten Mal zustieß. Severus schrie zwar nicht, aber seiner Kehle entrann sich zumindest ein ersticktes Ächzen, als der Kerl zielsicher seine Prostata fand und ihn Sterne sehen ließ.
Harry zischte etwas. Severus sah, wie sich seine Lippen bewegten und ein Wort formten. Er war sich fasst sicher, dass es sein eigener Name war, auch wenn dieser seltsam verzerrt klang.
Harry stieß erneut in ihn hinein und schon bald traf er Severus Prostata jedes Mal, wenn er erneut in ihn eindrang. Das hier würde leider nicht sehr lange dauern. Dafür war er einfach schon von anfang an zu erregt gewesen.
Severus hatte den Eindruck, der Werwolf war inzwischen auch kaum noch in der Lage seinen Körper zu kontrollieren und das Zustoßen und Zucken waren rein Intuitiv geworden. Seine Augen leuchteten grell und hatten etwas Animalisches. Doch Harry hielt seinen Rhythmus konstant und langsam, egal wie sehr Severus ihn zu drängen versuchte.
Und wenn Severus ehrlich war, würde für nichts auf dieser Welt gerade tauschen wollen!
„Fuck, Harry!“
Severus bäumte sich halb unter ihm auf, als Harry seine Hüfte langsam kreisen ließ und so bis zum Anschlag in ihn eindrang.
“Ich kann nicht mehr!”, zitterte der Tränkemeister heiser. “Bitte! Du bringst mich um den Verstand.”
Harry stöhnte dunkel: „Bitte was? Sag es mir, Hase!“
“Halt dich nicht mehr zurück.”, knurrte Severus stimmlos in das Ohr seines Gespielen. “Bring mich zum Kommen!”
„Himmel, du bist so sexy. Das hier ist echt das Heißeste, was mir je passiert ist. Es ist, als hätte ich gleich doppelt gewonnen!“, murmelte Harry beinahe ungläubig.
Kurz befürchtet Severus schon, er müsste dem Mann erst beweisen, dass dieser nicht träumte. Doch dann erbarmte sich Harry endlich, selbst ohnehin schon zu nah an seinem eigenen Höhepunkt, um es noch länger zu verhindern. Er schloss seine Arme um Severus, hielt ihn fest gegen seine Brust gedrückt und trieb sich dann mit aller Kraft in die feuchte Hitze hinein.
Severus konnte noch dreimal genießen, wie Harry sich in ihm vergrub, dann begann sein Körper bereits zu verkrampfen und er verzog wimmernd das Gesicht, als sein Sperma heiß auf seinen eigenen Bauch spritze. Er kam unberührt und zog Harry gleich mit sich über die Klippe der Erlösung. Pulsierend kam der Mann tief in ihm drin zum Höhepunkt, bevor er schwer atmet über Severus zusammenbrach.

Es war durchaus möglich, dass Severus kurz schwarz vor Augen geworden war, denn als er von seinem Hoch wieder auf die Erde zurückkehrte, hatte Harry damit angefangen sein ganzes Gesicht mit kleinen Küssen zu bedecken.
Der ehemalige Lehrer konnte die Müdigkeit, welche auch er nun verspürte, in jeder trägen Bewegung des Mannes über ihm erahnen. Trotzdem ließ dieser es sich nicht nehmen Severus weiter zu liebkosen und federleicht durch das Haar und über die Flanken zu streicheln.
So musste es sein, oder? In einer echten Beziehung würde es sehr ähnlich aussehen, wie jetzt gerade?
Streicheleinheiten, ohne einen besonderen Grund. Ohne weitere Hintergedanken.
Und während sich Severus Atem langsam beruhigte, wünschte er sich, dass er das hier behalten könnte.
Aber er war nun mal ein Realist!
„Wir müssen uns anders hinlegen, Harry.“, ächzte Severus atemlos, dessen Becken und Schulterblätter die harten Steinfliesen gar nicht mochten und Harrys Gewicht machte es leider nicht besser. „Ich bin entschieden zu alt, um auf dem Boden rumzuliegen.“
Harry schnaubte belustigt. „Ich nicht. Komm her.“
Geschickt rollte Harry sie beide herum, sodass Severus nur wenig später auf der breiten Brust des Suchers zum Liegen kam. Automatisch legte er sein Ohr über Harrys Herz und hörte tief in den Brustkorb hinein auf das gleichmäßige Schlagen eines Organs, welches angeblich der Sitz von so vielen Emotionen war.
Harrys Herz klang stark und ruhig. Severus eigenes hingegen fühlte sich noch immer an, als würde es regelrechte Saltos unter seinen Rippen schlagen.
Doch schon jetzt hatte sich unter das High ein wenig Herzschmerz gemischt. Harry würde ihn nicht ewig auf seiner Brust rumlungern lassen und er bereute den Verlust schon jetzt. Es war vermutlich albern und bei seinen bisherigen Onenight-Stands hatte er einem Abschied nie mit Trauer entgegen gesehen.
Aber vielleicht musste das ja auch nicht sein.
„Das können wir gerne jederzeit wiederholen, Potter!“, sagte er daher hoffnungsvoll. Betteln würde er allerdings nicht. Dafür hatte er eben doch zu viel stolz.
Severus verspannte sich dennoch, als die Brust unter seiner Wange vor Gelächter anfing zu vibrieren.
„Du hättest auch einfach ‚Nein‘ sagen können, statt mich auszulachen, Potter!“, fauchte Severus gekränkt und versuchte sich aufzurichten. Er kam allerdings maximal drei Zentimeter hoch, bevor sich Harrys Arme wie warme, fleischige Seile um seinen Körper wickelten.
„Ich hab doch gesagt, dass wir länger als einen Abend brauchen werden, wenn wir ‚Alles‘ machen wollen, Severus. Bis wir zu Wiederholungen kommen, wird es also noch länger dauern. Und um ehrlich zu sein: Dass ich dich nochmal in einer Umkleidekabine vernasche, nachdem wir die Quidditchweltmeisterschaft gewonnen haben, halte ich statistisch für doch eher unwahrscheinlich. Aber wenn du genau hiervon gerne eine Wiederholung hättest, dann muss ich mich beim Quidditch entweder mehr anstrengen oder wir müssen das mit einem Rollenspiel machen.“, sagte Harry recht nüchtern. „So oder so brauche ich zwei bis drei Stündchen, bevor wir mit dem Rest von ‚Alles‘ anfangen können. So jung bin ich dann leider auch nicht mehr.“
Nach dieser Aussage setzte Severus Herz für gut und gerne drei Sekunden komplett aus, bevor es in dreifacher Geschwindigkeit weiterschlug. Potters Aussage war einfach zu gut, um wahr zu sein. Aber er konnte das nicht so meinen, wie es in Severus Ohren klang.
„Du denkst viel zu hart, Hase. Ich kann die Anspannung in all deinen Muskeln spüren und du riechst wie Sternanis, wenn du dir sorgen machst.“, brummte Harry leiser als zuvor und als Severus hochblickte, stellte er fest, dass Harry obendrein seine Augen geschlossen hatte.
„Schläfst du gerade ein, Potter?“, fragte Severus verwundert.
Wieder brummte Harry. „Hmmhm. Möglich.“
„Passiert dir das oft nach dem Sex?“
„Das wirst du selbst rausfinden müssen, Severus.“, schmunzelte Harry träge.
Da seine Umklammerung etwas erschlafft war, richtete Severus sich auf, bis er rittlings auf Harrys Hüfte saß. Der Mann stöhnte leise und seine großen Hände packten Severus Oberschenkel kräftig, als dessen Hintern dabei sachte über Harrys erschöpfte Männlichkeit strich.
Voller Staunen und Wunder blickte Severus auf den Mann hinunter, welcher sich fast schon unverschämt entspannt unter ihm räkelte und dessen Brust sich inzwischen so langsam hob und senkte, dass er tatsächlich so gut wie eingeschlafen wirkte.
Severus konnte und wollte nicht verhindern, dass er zu dem Kerl runterlächelte. Es war selten, dass sich Menschen in seiner Nähe so entspannen konnten, dass sie einschliefen. Und noch seltener war dies, wenn sie nackt und wehrlos waren.
Trotzdem war das hier jetzt gerade einfach weder der richtige Ort noch der richtige Moment, weshalb er Harry mit der flachen Hand kräftig auf die Brust klatschte. Dieser zuckte zusammen.
„Warum?“, jammerte Harry.
„Weil das hier wirklich der falsche Ort für ein Nickerchen ist.“, entschied Severus. „Außerdem habe ich noch Fragen.“
Harry seufzte. „Das war zu befürchten. Du bist ein Kopfmensch. Menschen wie du und Hermine haben immer Fragen.“
Leicht angeekelt verzog Severus das Gesicht. „Bitte vergleich mich nicht mit Granger, solange wir intim miteinander sind. Sag mir lieber, ob-“

Die Tür zur Dusche gab ein lautes Knacken von sich, bevor das Holz splitternd nachgab und sich kleine Holzfragmente wie Hagel über sie ergossen.
In einem Reflex legte sich Severus über Harrys Brust und versuchte das Gesicht des Mannes mit seinen bloßen Armen zu schützen. Dadurch wurde aber leider sein eigener nackter Rücken von schmerzhaften Einschlägen getroffen, die ihn zusammenzucken ließen.
„Oha!“, ertönte eine erstaunte Stimme aus Richtung der Tür. „Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet.“
Als am Eingang ein kleiner Tumult entstand, mehrere Leute überraschte Laute ausstießen und eine Person sogar erschrocken aufschrie, hob Severus langsam den Blick.
Im Türrahmen stand eine halbe Horde an rothaarigen Menschen, plus eine Brünette und zwei Blondschöpfe, alle mit ganz unterschiedlichen Gesichtsausdrücken. Arthur sah einfach nur peinlich berührt aus, Molly wirkte als wäre sie kurz davor in Ohnmacht zu fallen. Die Zwillinge grinsten einander mit einem seltsam verschwörerischen Lächeln an und Ronald war ziemlich blass um die Nase. Draco, Percy, Bill und Charlie wirkte schlicht sprachlos. Fleur hatte einen gruseligen morbiden Gesichtsausdruck, wie ein Forscher der einen interessanten Pilz beobachtete. Die einzigen beiden Menschen, die nicht überrascht wirkten waren Ginevra und Hermine. Diese beiden Frauen sahen eher so aus, als hätten sie genau mit sowas gerechnet und waren genervt, dass die anderen darüber jetzt so einen Aufstand machten.
„Habt ihr noch nie was von Klopfen gehört?“, knurrte Harry unter Severus, welcher den Kopf nach hinten überstreckt hatte, um seine Ziehfamilie strafend anzublicken.
Arthur rieb sich verlegen über die Stirn. „Nun, ich habe geklopft. Aber als keine Reaktion kam, dachte ich, dass du vielleicht auf dem nassen Boden ausgerutscht wärst, mein Sohn. Ich hatte nie damit gerechnet, dass du und Severus hier drin… funky werdet.“
Die Weasleykinder brachen in Gelächter aus.
„Funky?“, wiederholte Ginevra und sah ihren Vater mit krausgezogener Nase an. „Funky, Dad? Die beiden haben gefickt! Wie zwei wilde, hormongesteuerte Gnome. Es gibt keinen Grund das irgendwie zu zensieren oder zu verpacken. Wir sind alle erwachsen hier.“
„Oh ja!“, nuschelte Fred laut vernehmbar und reckte den Hals um besser sehen zu können. „Das was ich da sehen kann ist auf jeden Fall alles seeehr erwachsen.“
Severus versuchte nach dem fallengelassenen Handtuch zu fischen, ohne die Weasleys dabei noch mehr als ohnehin schon sehen zu lassen. Leider kam er nicht ran und Potter war zu abgelenkt, um auf die Idee zu kommen ihm zu helfen.
„Unser Harry hatte noch mal einen richtigen Wachstumsschub seid unserer Quidditchzeit. Und damit meine ich nicht seine Muskeln!“, witzelte George zurück. „Kein Wunder, dass Snape auch eine Runde auf dem Besenstiel ausreiten wollte.“
„Ha ha, sehr witzig.“, meinte Harry und verdrehte die Augen.
Bill und Charlie, die sich bisher sehr zurückgehalten hatten, brachen in schallendes Gelächter aus, während Percy und Molly einfach nur skandalisiert dreinblickten.
„Merlin, ihr seid einfach unmöglich!“, quietschte Molly und schob ihre Söhne und ihre Schwiegertochter grob zurück in die Untiefen der Umkleide. „Raus, raus, raus. Das hier geht uns nichts an.“
Ihre erwachsenen Kinder brummten unzufrieden irgendwas von Ungerechtigkeit, doch Molly ließ sich gar nicht darauf ein. Auch Ronald machte einen großen Schritt rückwärts.
„Ich denke, mir reicht das für heute auch an nackter Haut. Ich glaube, ich gehe mal die Tür zur Umkleide bewachen, damit sich hier kein Reporter reinschleicht.“, sagte er zu Hermine, welche ihm verstehend zunickte. Sie selbst machte aber keine Anstalten Harry und Severus ein wenig Privatsphäre zu gönnen. In ihren Augen funkelte eine Art von Klatschbegierde, welche Severus nur zu gut von Minerva kannte.
In einem Anfall von Unwohlsein ließ er sein Handgelenk schnippen und war froh, als das Handtuch sofort in seine feuchten Finger gesegelt kam. Dürftig bemühte er sich den Stoff um die Hüfte zu wickeln und versuchte dann sich aufzurichten. Ein stechender Schmerz durchzuckte jedoch seinen unteren Rücken, kaum dass das Handtuch über die Haut seiner Hüfte rieb.
Ein zischender Schmerzlaut kaum ihm über die Lippen und Harrys Kopf drehte sich ruckartig in seine Richtung.
„Was ist los? Hab ich es übertrieben? Bist du wund?“, wollte er sofort wissen und ihm stand echte Sorge im Gesicht.
Severus schüttelte den Kopf und griff nach hinten, um die pochende Stelle zu betasten. Warme, klebrige Nässe ran ihm über die Finger, bevor diese eine raue Stelle fanden, die dort nicht sein sollte. Als er seine Hand wieder vorzog leuchtete diese Rot.
„Severus!“, rief Harry erschrocken und schaffte es irgendwie, ohne Severus dabei groß zu bewegen, sich unter ihm vorzuwinden, nur um besorgt hinter ihm in die Hocke zu gehen. „Merlin, dein ganzer Rücken ist verkratzt und mit Splittern gespickt. Arthur, was hast du getan?“
„Es tut mir sehr leid. Das war wirklich nicht meine Absicht.“, stotterte Arthur und trat bedröppelt näher.
Für Severus Geschmack etwas zu nah, weshalb er abwehrend eine Hand ausstreckte. „Schon gut, nur bitte: Etwas abstand! Mein Ruf kann nicht…Ah, fuck! Verdammt, Potter!“
Harry hatte irgendwas in seinem Rücken gemurmelt, woraufhin alle Holzreste auf einmal aus seiner empfindlichen Haut herausgezogen worden waren.
„Tut mir Leid, Hase. Das war der Zauber, den ich immer benutze, wenn ich mir beim Arbeiten an den Besen Splitter zuziehe. Ich wollte nicht, dass sich das entzündet und anfängt zu eitern. Aber ich schätze dein Rücken ist etwas sensibler als meine abgewetzten Handwerkerhände.“, schnurrte Harry leise und drückte ihm einen kleinen Kuss auf das Schulterblatt. „Hermine, kannst du mir bitte kurz meine Tasche aus der Umkleide bringen? Da ist mein Erste-Hilfe-Kit drin.“
„Das ist nicht nötig. Ich nehme gleich zuhause einfach ein Bad in Diptam-Essenz und gut ist. Es wäre mir wirklich deutlich lieber, wenn du mir meine Klamotten zurückgeben könntest, statt hier so einen Aufstand um nichts zu machen.“
Auf Knien rutschte Harry zu ihm herum, bis sie einander in die Augen sehen konnten. Etwas zu zärtlich strich Harry Severus eine klamme Haarsträhne hinters Ohr. „Du bist nicht nichts und bis du nach Hause kommst, könnte sich das schon längst entzündet haben.“

Severus wusste nicht, was er zu so viel Fürsorge sagen sollte, daher schwieg er und ließ zu, dass Harry ihn mit einer Heilsalbe einrieb, welche Granger ihm anreichte.
Während er so dahockte und versuchte seine Genitalien mit dem Handtuch zu bedecken, ohne Harry dabei mit dem Stoff im Weg zu sein, traf sein Blick auf den von Draco. Seine Wut war nicht komplett verschwunden, aber zumindest schien er nicht mehr rumschreien zu wollen. Immer wieder huschten die grauen Augen zwischen Severus, Harry und Ginevra umher.
„Er ist bisexuell?“, fragte Draco seine Verlobte schließlich.
Ginny grinste. „Nein, Harry ist schwul.“
„Und du wusstest das? Die ganze Zeit über? Warum hast du nichts gesagt?“
Mit einem sehr tiefen Atemzug zwang sich die Frau zur Ruhe. „Weil es dich eigentlich nichts angeht! Wir haben uns damals getrennt, als Harry klar wurde, dass wir auf sexueller Ebene nicht kompatibel sind. Trotzdem sind wir Freunde geblieben. Und Freunde bewahren nun mal die Dinge, die einem anvertraut werden. Du hingegen, als mein Verlobter, hättest die Aufgabe gehabt mir zu vertrauen, wenn ich dir sage, dass zwischen mir und Harry nix läuft, statt hier einen eifersüchtigen Affen zu imitieren.“
„Dir vertraue ich ja!“, meinte Draco kleinlaut. „Aber ihm halt nicht. Und ich denke immer noch, dass ich die Rolle des Suchers genauso gut hätte übernehmen können, wie Potter.“
„Draco, bitte hör endlich auf.“, sagte nun Severus ermattet. „Du hast das letzte Mal in deinem fünften Schuljahr auf dem Besen gesessen. Du verbringst achtzig Prozent deines Tages auf deinem Hintern sitzend und um ehrlich zu sein, bekommst du langsam ein kleines Bäuchlein. Daran ist nichts schlimm, aber du kannst deine Fitness einfach nicht mit der von Potter vergleichen. Sieh dir doch nur seine Rückenmuskeln an.“
Harry ließ ein erfreutes Kichern hören und drückte ihm einen weiteren Kuss auf die Schulter. „Mein Rücken gefällt dir also?“
Severus schnaubte. „Bin ich für unwahre Schmeicheleien bekannt, Potter? Mir gefällt so ziemlich jeder Millimeter an deinem Körper.“
„Das ist absolut das netteste, was du mir jemals gesagt hast! Und das Kompliment kann ich nur zurückgeben. Merlin, sieh dich nur an.“, knurrte Harry, biss ihm leicht in den Nacken und ließ dabei seine Hände von Severus Rücken weiter nach unten und unter das Handtuch gleiten, bevor er fest Severus Hintern packte und diesen massierte. Severus bemühte sich ein Stöhnen zu unterdrücken, als der Kerl auch noch einen Finger zwischen seine Pobacken schob und damit seinen ohnehin schon nachgiebigen Anus neckte.
„Harry, benimm dich!“, ermahnte Granger ihn, wofür Severus der Frau ausnahmsweise dankbar war.
Himmel, vielleicht war das gefährlichste an Harry Potter, dass er sich einen Scheiß um gesellschaftliche Normen und Regeln kümmerte.
Etwas widerwillig ließ Harry von Severus ab und zog ihn stattdessen auf die Beine. Seine Kleidung hüllte seinen Körper nur wenige Augenblicke später ein, nachdem Harry erneut mit den Fingern geschnipst hatte.
„Das ist die einzige Möglichkeit, wie ich der Versuchung wiederstehen kann.“, meinte Harry und grinste ihn an, bevor er auch seinen eigenen Körper magisch ankleidete.
Severus schüttelte etwas belustigt den Kopf. „Hattest du nicht was von zwei bis drei Stunden Erholung gesagt?“
Der andere Mann zuckte die Schultern. „Ich kann nichts dafür, wenn du so sexy bist, Hase.“
Von der Tür kam ein würgendes Geräusch, als Ron wieder dort auftauchte und den Rest ihrer Unterhaltung aufschnappte. „Merlin, nicht auf leeren Magen, bitte! Und damit wir endlich zum Essen gehen können, solltet ihr langsam mal einen Zahn zulegen. Die Reporter wollen auch noch ein paar Fragen loswerden und das müssen wir abfrühstücken, bevor wir hier raus kommen.“
Ronalds Aussagen wurden von einem lauten Knurren durch dessen Magen untermalt.
Harry lachte und huschte zurück in die Umkleidekabine, um sich dort seine Stiefel wieder anzuziehen.

Severus folgte recht langsam.
Er wusste nicht so recht, was nun von ihm erwartet wurde.
Kurz überlegte er sich zu Draco zu gesellen, aber der hatte noch immer den Streit mit Ginevra nicht völlig beigelegt und die beiden flüsterten energisch miteinander. Nach der Peinlichkeit in flagranti erwischt zu werden, war er jetzt auch nicht unbedingt heiß darauf mit Molly und Arthur zu quatschen. Und Grangers Blick war noch immer so seltsam selbstgefällig, dass Severus um sie auf jeden Fall einen Bogen machen würde.
Unbeholfen blieb er daher am Rand stehen und sah dann dabei zu, wie die ganze Gruppe plappernd zum Ausgang eilte, ohne weiter auf ihn zu achten. Nur Harry blieb nahe der Tür stehen und strahlte ihn an.
„Wollen wir dann?“, fragte er, als hätten sie schon vor Wochen Pläne für heute Abend vereinbart.
Severus nickte zögerlich und folgte Harry langsam, doch: „Potter, warte.“
Der Mann blieb stehen und drehte sich wieder zu ihm rum. Seine grünen Augen leuchteten neugierig und voller Leben.
„Ich.. Du…,“ seufzend brach Severus ab und versucht herauszufinden, wie er sinnvoll nach dem fragen konnte, was er wissen wollte, ohne wie ein anhänglicher Trottel rüber zu kommen. „Wenn du ‚Alles‘ sagst, meinst du dann Sex-Alles oder Alles-Alles?“
Harry kam die paar Schritte zu ihm zurück und nahm sanft Severus Gesicht in seine Hände, um ihm dann einen federleichten Kuss auf die Lippen zu hauchen. „Diese Entscheidung überlasse ich dir. Aber ich möchte, dass du weißt, dass ich für Alles-Alles sehr offen bin.“
Doch das reichte Severus immer noch nicht. „Exklusiv?“
Verwirrt zogen sich die Augenbrauen des Suchers zusammen und er legte den Kopf nachdenklich schräg, wie er es schon früher als Schüler getan hatte.
Nervös räusperte Severus sich. „Man könnte auch fragen: Monogam?“
„HA!“, lachte Harry bellend, doch es klang vor allem überrascht. „Im Gegensatz zu dem, was manche Klatschzeitschrift gerne behaupten, bin ich kein Lebemann. Und so wie ich dich kenne, ist eine Beziehung mit dir schon Abendteuer und Arbeit genug. Wie sollte ich mich da noch auf jemand anderen konzentrieren? Und jetzt komm!“
Severus schmunzelte etwas scheu und ließ sich an der Hand dann zurück in den Gang ziehen.

Harry hatte vermutlich recht. Wenn sie Alles-Alles machen wollten, dann sollten sie wirklich besser bald anfangen, wenn sie irgendwann mal fertig werden wollten, um zu den Wiederholungen der Highlights zu kommen!

Notes:

Song: The Wolf by SIAMES

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Salut ihr Lieben,

Hier mal wieder ein Oneshot von mir.
Wie hat es euch gefallen? Ich muss zugeben, dass die Beschreibungen des Spiels sebst mich ziemlich herausgefordert hat, weil es das erste Quidditch-Spiel war, welches ich geschrieben habe.
Wie hat es euch gefallen? Und wie hat euch der Rest der Geschichte gefallen?

Wenn ihr kurz Zeit habt, würde ich mich freuen, wenn ihr mir kurz eure Meinung dalassen könntet und dann lesen wir uns bestimmt bald an anderer Stelle wieder!

eure Mabji

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