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vivez notre vie

Summary:

"Da ist das Licht in Albrechts Inneren und er fühlt sich warm."

Notes:

"can you write the gang snaking out to a bar, I need fluff"

Des weiteren lose inspiriert durch Déjà-Vu (Sailor V) von Filow & 9INEBRO, aber auch nur weil ich's beim Schreiben hoch und runter gefetzt hab, hatte eigentlich keinen Einfluss auf den Inhalt (glaube ich)

Nur was kurzes Kleines, weil ich beim Schreiben unverhofft brutal krank geworden bin :))

(Bin auch über unzufrieden mit der Summary, aber weil ich lowkenuienly vergessen hab eine zu machen muss das jetzt erstmal so reichen)

(See the end of the work for more notes.)

Work Text:

Albrecht hat die Schnauze voll.

 

Ihm ist kalt, seine Socken sind nass, und er hat sein Feuerzeug vergessen.

Vor ihm ist Christoph am Rumzappeln und Albrecht geht gleich wirklich an die Decke.

 

“Jetzt reiß’ dich zusammen,” zischt auch Tjaden, “Des kann ja sogar Albrecht besser.”

 

“Hey!”

 

Albrechts Ausruf geht ignoriert davon, weil Christoph schon wieder abgerutscht ist und viel lauter flucht. Zu laut. Oh oh.

 

Seit mindestens zehn Minuten stehen sie schon hier, seit neun davon versucht Christoph über den Zaun zu klettern. Tjaden hat Recht, Albrecht könnte das besser.

 

Vor allem, weil Christoph so von sich überzeugt ist, dass kein Anderer vor ihm rüber darf; er muss das jetzt erst schaffen, dann darf der Rest. Friedrich war zumindest schnell genug und ist über den Zaun geklettert, bevor Christoph überhaupt aus seinem Fenster raus war. Hätte Albrecht vielleicht auch machen sollen. Naja. Egal jetzt.

 

“Ey, Digga, streng’ dich mal an.”

 

Albrecht und Friedrich tauschen einen Blick durch den Zaun. Albrecht würd’ wahrscheinlich auch ohne zu Klettern durch das Teil passen.

Friedrich für seinen Teil lehnt dagegen, als hätte er absolut nichts Besseres zu tun. Hat er wahrscheinlich auch nicht, war ja alles Christophs Idee. Als der vor einer halben Stunde an ihre Zimmertür geklopft hatte, war Siegfried schon fast im Bett, Albrecht hatte seine Zahnbürste im Mund und Friedrich war gerade erst vom Training zurück und noch am Stinken.

 

Jetzt kleben jedem von ihnen die Haare am Kopf und die Kleidung am Körper, was alles nicht so wäre, wenn Christoph von Anfang an über den Zaun gekommen wäre. Zumindest redet Wilhelm sich das so ein.

 

Albrecht seufzt. Auf der anderen Zaunseite macht Friedrich es ihm nach.

Als Albrecht diesmal zu ihm herüber schaut, versucht Friedrich gerade sein Bestes, ihm mit seinen Augen eine andere Richtung zu zeigen.

 

Albrecht möchte nicht erwähnen, wie lange es gedauert hat, bis er verstanden hat, was Friedrich von ihm wollte. Deswegen hat er natürlich sofort gecheckt, dass in dem Gebüsch, hinter dem sie sich von den Fenstern der Schulleitung verstecken, der Zaun so verbogen wurde, dass ein Jemand wie Albrecht tatsächlich dadurch passt.

Hat so seine Vorteile, keinen Sport zu treiben.

 

“Hab’ mein Feuerzeug vergessen,” kündigt Albrecht beiläufig an und zieht unter dem Wisper-Gebrüll seiner Freunde ab. Siegfried sieht ihn fast so an, als würde er gleich weinen. Oh Mann.

Das “du dummer Hurensohn” von Christoph kriegt er trotzdem noch mit, Christoph aber leider seinen ausgestreckten Mittelfinger nicht mehr.

 

Albrecht schleicht zügig wieder auf das Schloss zu, aber sobald er außer Sichtweite von seinen Freunden ist, macht er einen Bieger und quetscht sich durchs Gestrüpp. Hier kann er Wilhelm und Tjaden immer noch Fluchen hören.

 

Sollen wir ‘ne Räuberleiter machen?

 

Nein! Ich kann das selbst!

 

Hand am Schwanz is’ des einzige, was du selber kannst. Und jetzt zisch ab oder lass dir helfen, ich will da heut’ auch noch rüber.”

 

Das Loch im Zaun ist gerade breit genug für Albrecht, aber Bauch einziehen muss er trotzdem.

 

Die mörderischen Blicke, die er kassiert, als er neben Friedrich auftaucht, sind es wert.

 

“Und wo ist dein Feuerzeug?” fragt Christoph missmutig, aber Friedrich wühlt schon längst in seiner Hosentasche rum.

 

Das Feuerzeug, das er kurz wie eine Trophäe hochhält und dann Albrecht in die Hand drückt, ist noch warm. Und genau das, das er eigentlich im Zimmer vergessen hat. Was ein Zufall.

 

Tjaden schnalzt die Zunge und schiebt sich an Christoph vorbei und hievt sich mit viel zu vielen Griffen den Zaun hoch und drüber. Das Ding sieht zugegeben aber auch rutschig aus.

Wie Wilhelm das schaffen soll, hinterfragt Albrecht am besten gar nicht. Dann funktioniert es auch, wenn man einfach nicht darüber nachdenkt.

Irgendwie so.

 

“Fick dich,” zischt Christoph und bildet mit Wilhelm endlich die gottverdammte Räuberleiter.

 

“Deene Idee, übrijens,” erinnert Friedrich ihn, als er endlich auf ihrer Seite des Zauns steht und klopft ihm so gewaltig auf den Rücken, dass Christoph fast einen Schritt nach vorn machen muss.

Christoph äfft ihn nur nach, das Gesicht eine regennasse Grimasse.

 

Wilhelm und Siegfried kriegen sie auch noch durch den Zaun gequetscht und dann, endlich endlich, schleichen sie sich durch das Dickicht runter vom Schulgelände und auf die Straße.

Auch, wenn da der Regen stärker fällt und die Straßenlaternen fast schon grell sind.

 

Christoph tänzelt pfeiffend voraus, Wilhelm und Tjaden direkt hinter ihm, sich augenscheinlich darüber streitend, wer ihm den ersten Gehfehler geben darf.

 

Friedrich und Siegfried hingegen bleiben mit Albrecht auf einer Höhe, obwohl Friedrich um sein Bestes bemüht ist, den Schnick-Schnack-Schnuck-Gewinner zwischen Wilhelm und Tjaden zu prophezeien und anzusagen, wie arg Christoph wohl fallen wird.

Könnte Albrecht ja nicht egaler sein.

Aber das muss ja keiner wissen.

 

Was auch keiner weiß, ist, warum ein Elite-Internat ausgerechnet in einem mutterseelenlosen Kaff liegen muss. Das Leben könnte so einfach sein, aber der halbstündige Fußbus von der Schule bis zur Stadt ist eine definitive Hürde, die Albrecht und seinen Freunden schon seit einigen Jahren gehörig auf die Nerven geht.

Muss das denn immer so ungünstig sein.

 

Schule? Internat.

Wo? In einem Kaff.

Was gibt’s da? Nichts.

Nächster aufregender Ort? Zehn Minuten entfernt.

Und ohne Auto? Mindestens dreißig.

 

Seufz.

 

“Lach doch ma’”

 

“Ha ha ha.”

 

“‘N bisschen authentischer.”

 

“Großes Wort.”

 

“Du sagst dit ständich.”

 

“Ich korrigiere: Großes Wort für dich.”

 

“Arschloch.”

 

Albrecht hätte sich zumindest irgendwas mit Kapuze anziehen sollen, der Regen läuft ihm schon den Nacken runter. 

Gibt nichts zu Lachen.

(Vor allem nicht, weil seine Kippen ganz sicher auch längst schon durchtränkt sind und mittlerweile ist er davon überzeugt, dass das alles nur ein Komplott von Friedrich war, um ihn vom Rauchen abzuhalten. Touché.)

 

 

Die Bar, oder eher Kneipe, die seit einigen Jahren ihr Stammlokal darstellt, ist auch heute nur sehr spärlich gefüllt. Nur an Samstagabenden passiert hier wirklich was, aber Christoph bleibt der Bude genauso treu wie Friedrich ihm und wo Christoph und Friedrich zusammen hingehen, lässt der Rest nicht lange auf sich warten. (Dass Albrecht zu diesem Rest gehört, bedauert er zutiefst. Friedrich ist allein sowieso viel lustiger.)

 

Der unbedingt größte Fan vom Allensteiner ist Albrecht jetzt auch nicht, dabei trinkt er bei weitem nicht genug. Aber er, wie auch Christoph, Wilhelm, Friedrich (und die anderen beiden wahrscheinlich auch) kommen sowieso lange nicht mehr wegen dem Alkohol.

 

“Ich hoffe, du hast uns unseren Tisch freigehalten!” ruft Christoph in das Lokal. Vollkommen überflüssig, übrigens, denn die einzigen anderen Kunden saufen sich einen an der Bar. Wie gesagt, unter der Woche ist es hier tot.

 

Seinen gewünschten Effekt hat Christophs Ausruf aber trotzdem, denn hinter dem Tresen tritt eine belustigt aussehende Katharina hervor, die Arme vor der Brust verschränkt.

 

Hachja, die Katharina. 

Albrecht würde ja lügen, würde er behaupten, dass er sie niemals als besonders toll empfunden hätte, aber aus dieser Ecke seines Lebens ist er schon längst in die nächste gehüpft.

Und außerdem ist Katharina schon seit einiger Zeit mit Christoph zusammen; der hatte es aber auch dringend nötig. War ja fast schon peinlich. Mittlerweile ist es das; Albrecht will gar nicht so genau in deren Richtung schauen. Hinterher fängt er sich noch was ein.

 

Immerhin gibt’s jetzt immer Rabatte.

Zumindest bis sich einer abschießt, dann gibt’s nur noch gratis Wasser.

(Nicht, dass das schonmal passiert wäre.)

 

Der Tisch ist ihr Stammtisch, weil man perfekte Sicht auf den Fernseher in einer anderen Ecke des Lokals hat, auf dem meistens irgendein Fußballspiel läuft. Albrecht kann sich zwar persönlich nicht wirklich für Sport begeistern, aber es ist immer wieder lustig, seinen Freunden beim Fluchen zuzuhören. Vor allem, wenn die sich so sehr aufregen, dass man sie mit ihren dicken Dialekten kaum noch versteht. 

Schon ganz interessant, Freunde aus allen möglichen Himmelsrichtungen zu haben. Albrecht kanns empfehlen.

Wenn auch nur manchmal.

Nicht gerade dann, wenn es um das Probelesen der Deutschaufsätze geht; nein, dann macht das keinen Spaß. Und es ist auch nicht lustig.

(Außer, wenn Friedrich fast schon vor ihm kniet und ihn anbettelt, seinen Text doch nicht neu schreiben zu müssen; wenn Wilhelm versucht, ihn mit Gebäck zu bestechen, für ihn seinen Aufsatz zu korrigieren.)

 

Zwanzig Minuten später: drei Schachteln Pommes, sieben Bier und zwei Spezi, ein hoher Stapel Shotgläser; Christoph der Vorreiter, aber auch nur, weil Friedrich ein Match anstehen hat. Tjaden ist aber auch nah dran; oh ja, Tjaden ist nah dran.

 

Siegfried sitzt Albrecht gegenüber, das Gesicht schon lange in seinen Händen vergraben.

Die Musik hört sich lauter an, vielleicht liegt das aber auch nur daran, dass Christoph und Tjaden laut mitgrölen, unterstützt von Friedrich, der beatboxend auf den Tisch trommelt.

 

Und Tjadens Witze hören sich lustiger an und Wilhelm kommt aus seiner Hülle, Siegfrieds Schultern zucken vor stillem Lachen und Friedrichs Arm ist warm an Albrechts gepresst; draußen prasselt der Regen gegen das Fenster aber drinnen ist das Licht warm und die Luft schwer mit Emotionen und Gefühlen die Albrecht selbst nach all den Jahren immer noch nicht beim Namen nennen kann—aber es sind Gefühle, die ihn in sein Glas grinsen und Christoph unter dem Tisch treten lassen; Gefühle die sich mit dem Rücken gegen Friedrichs Seite lehnen.

 

Es sind Gefühle, die auf dem Rückweg über die leere Landstraße nach Sommernacht riechen und nach Regen auf Asphalt, nach Petrichor.

 

Gefühle, die Christoph und Tjaden auslachen, wie sie da vor sich hintaumeln und übereinander stolpern; Wilhelm, weil er in der Bar so viele Pommes gegessen hat, dass er jetzt nicht mehr durch das Loch im Zaun kommt.

 

Gefühle, die aus ihm herausschäumen, wie das Bier aus Friedrichs Nase.

 

 

Damals, als ihn sein Vater auf die Schule geschickt hat, da war Albrecht so unfassbar wütend gewesen; wütend und verletzt und traurig.

 

Und dann hat er Friedrich getroffen und Siegfried; Wilhelm, Tjaden und Christoph.

Und über die Jahre, trotz der fürchterlichen Schluckläufe, sind sie so eng zusammengewachsen, dass Albrecht gar nicht mehr hier weg möchte.

 

Dass er für immer hier in seinem Bett liegen möchte, Friedrich beim Schnarchen und Siegfrieds leisem Hörspiel zuhörend.

Den Bass von der Barmusik hat er immer noch in den Knochen, die Wärme seiner zwei Likörchen immer noch in den Wangen.

Da ist das Licht vom Mond zwischen den Rolladen und das der Notfallbeleuchtung unter der Tür.

 

Da ist das Licht in Albrechts Inneren und er fühlt sich warm.

Notes:

Kommata dürfen mir demnächst einen Blasen

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